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meine Worte

Momentaufnahme: Der Rest ist Domino

Heute ist der Tag. Der Tag, an dem ich beschlossen habe, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich habe das in letzter Zeit schon oft beschlossen. Schon oft versucht etwas zu ändern. Aber so wirklich funktioniert hat es nie. Heute ist der Tag, an dem ich es wirklich will. Ich will nicht mehr unglücklich sein. Nicht mehr jeden Tag aufwachen und mich schon gleich von Anfang an schlecht fühlen. Ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht weitermachen, aber auch nicht aufhören kann. Ich rede nicht davon mit meinem Leben aufhören zu wollen, ich rede davon mit der Art und Weise aufhören zu wollen wie ich lebe. Mein Leben ist kostbar und ich habe das Gefühl es zu verschwenden. Mit Selbstzweifeln und Sorgen, mit negativen Gedanken. Ich kann mich nicht entspannen. Ich kann Dinge nicht anpacken, die mir wichtig sind. Ich weiß nicht mehr was mir wichtig ist. Dann Suche ich Impulse. Ich will endlich spüren was richtig ist, aber weiß nicht wo ich es finden kann.

Das habe ich vor kurzem geschrieben. An dem Tag, an dem ich beschlossen habe, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Und während ich das beschlossen habe, dachte ich mir, ich könnte neben meinem Roman doch auch noch ein tagebuchartiges Selbsthilfebuch schreiben. Selbsthilfe für mich und schlussendlich dann für andere. Jeden Tag ein Eintrag, 365 Tage. Der Weg zurück zum Glücklichsein.
Ich habe es schon gesehen, das Buch. Wie es da erhaben auf dem Bestseller-Tisch steht. Nur blöd, dass es nach dem Tag an dem ich beschlossen hatte, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte, auf einmal so nicht mehr weiter ging. Nur blöd, dass das mit dem Glücklichsein keine 365 Tage gebraucht hat. Das Einzige was es gebraucht hat war ein Moment. Ein Klick. Der Rest war Domino.

Ich bin aufgewacht und habe in der ersten Sekunde des Tages gefühlt, dass ich wieder nichts schaffen würde. Dass meine Situation immer noch gleich war. Egal wie oft ich darüber schlafen würde. Ich war verzweifelt. Ganz offiziell. Aus mehreren Gründen. Und helfen konnte mir niemand. Helfen würde ich mir nur selbst können. Ich weiß das. Ich habe mir immer schon selbst am besten geholfen. Weil ich die entsprechenden kognitiven und emotionalen Fähigkeiten dazu habe. Ich kann sehr gut über mich selbst reflektieren. Quasi auf Metaebene und dann ganz rational erkennen was auf Gefühlsebene mit mir los ist und woran das liegt. Der einzige Punkt der mir Schwierigkeiten bereiten kann ist dann die Umsetzung.

An diesem Tag war ich also offiziell verzweifelt. Am Vormittag zumindest. Dann kam nämlich der Nachmittag und ich hatte einen Termin. Einen ganz besonderen. Eine Leserin hatte mich vor kurzem einfach angeschrieben. Sie wäre in Wien und würde mich gerne kennenlernen. Nach diesem Treffen habe ich sie dann angeschrieben. Ich wäre in Vorarlberg und ich würde mich gerne noch einmal mit ihr treffen, weil ich ihre Lebensgeschichte so unglaublich finde und gerne darüber schreiben möchte. Wir trafen uns also. Und obwohl ich mich schon auf sie freute, freute ich mich nicht überhaupt irgendwo hingehen zu müssen. Lieber noch eine Runde in Selbstmitleid baden.

Dann hatte ich dieses Interview mit ihr. Und ich weiß nicht woran es genau lag, aber irgendetwas hat es mit mir gemacht. Irgendetwas in mir hat sich dadurch verändert. Ungefähr so wie ich mich phasenweise am Jakobsweg gefühlt hatte. Aber es ist natürlich immer leicht sich weit weg von zu Hause und in einer komplett anderen Situation auch komplett anders zu fühlen. Doch dieses Gespräch hat es geschafft, dass sich mein Zustand veränderte, ohne dass ich dafür auch nur irgendwo hin gegangen war. Ihre Geschichte ist wirklich beeindruckend und sie wird auch in Bälde anonymisiert auf dem Blog erscheinen. Aber ich könnte jetzt gar nicht sagen, ob es überhaupt tatsächlich unbedingt der Inhalt war, der mich verändert hat. Vielleicht auch nur ein Gefühl zwischen den Zeilen.

Ich bin nach Hause. Ich habe mir zwei kleine Zettel geschnappt und aufgeschrieben. Auf den einen, Dinge die mich unzufrieden und traurig machten. Auf den anderen jene, die mich glücklich machten. Ich bin ein Listen-Freak. In diesem Falle wurde es aber sogar eher etwas Mindmap-artiges, ja fast schon eine Clusteranalyse. Zwei große Worte waren es. Auf die sich alles zurückführen ließ. Unter welchen ich im Grunde alles sammeln konnte, was mich unglücklich machte: Druck. Und Selbstunliebe (-hass klingt zu brutal). Ich brauchte im Grunde „nur“ diese zwei Dinge aus meinem Leben zu streichen. Der Rest würde wie Domino-Steine fallen.
Auf meiner Glücklich-mach Liste standen einfache Dinge wie tanzen, singen, reisen, Kinder, Natur, gute Gespräche, schreiben, Sprachen, Sport und generell ganz wichtig: aktiv sein. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass ich diese Sachen zu wenig in mein Leben integriert hatte. Ich musste sie nur weiter verfolgen.
Viel wichtiger waren der Druck und die Selbstunliebe. Es musste weg. Unbedingt. Es musste einfach weg. Und im Grunde ist es bei mir nur ein Schalter im Kopf. Der sich vor ca. 1,5 Wochen  umgelegt hat. Es ist noch keine Ewigkeit, aber es fühlt sich so unglaublich gut an. Ich bin momentan so unbeschwert und entspannt und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Ich bin wieder ich.
Weil ich die bin, die in der Schule vor die Tür geschickt wurde, weil sie zu viel gelacht hat. Weil ich die bin, die morgens von vielen skeptisch von der Seite angeschaut wird, weil sie „zu fröhlich“ ist. Weil ich die bin, die nie sitzen bleibt, wenn irgendwo getanzt wird. Weil ich die bin, die ehrliche Freude an den kleinsten Schönheiten dieser Welt hat.
Und genau das will ich mir von nichts und niemandem vermiesen lassen. Von keiner Angst, von keinen Zweifeln, von keinem Druck und von keiner Selbstunliebe. Ich will Kurs halten, weil ich momentan wirklich endlich sagen kann, auf dem richtigen Weg zu sein. Nicht von den äußeren Umständen her. Da ist immer noch so viel Ungewissheit in der Luft. Aber es macht nichts mehr. Weil es von innen wieder passt und das Vertrauen da ist. Es gibt nichts Schöneres.

Also sorry Leute, vorerst kein Selbsthilfebuch von meiner Seite.
Die Dominos, die fallen noch.

VA

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10 Comments

  • Reply
    Anna
    16. Juli 2017 at 20:48

    So ein toller, schöner Text! Genieß die fallenden Dominos <3

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      18. Juli 2017 at 13:43

      Dankeschön <3 🙂

  • Reply
    Lea
    17. Juli 2017 at 10:17

    Liebe Valeria,

    Ist das kein Zufall? Ich befinde mich exakt in dieser Situation wie du und du hast das so treffend beschrieben, so schön! Ich beschließe das auch immer wieder, stets ahnend, dass da schon doch etwas gibt… Da bin ich ja sehr gespannt auf deinen Artikel über die Leserin die deine Dominosteine angestoßen hat. 🙂
    Liebe Grüße zu dir, Lea

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      18. Juli 2017 at 13:46

      Dankeschön :)!
      Wirklich ein Zufall 😀 Aber man ist eben doch nie allein 🙂
      Ja auf diesen Artikel kannst du dich auf jeden Fall freuen :)!
      Ganz liebe Grüße!

  • Reply
    Susanne
    25. Juli 2017 at 15:09

    Hallo du Liebe,
    ich bekomme Gänsehaut beim Lesen. Selbstunliebe ist wirklich ein viel besseres Wort. Leider leide ich auch (noch) darunter. Aber ich merke, dass es tatsächlich immer besser wird. Du schreibst so wunderschön. Von Herz zu Herz. Ich freu mich schon auf dein Buch. 😉
    Alles Liebe,
    Susanne

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      25. Juli 2017 at 23:40

      Hallo Susanne,
      das sollten wir beide wirklich dringend abstellen :). Aber ist halt leider immer viel leichter gesagt als getan!
      Vielen Dank für das Kompliment – freut mich wirklich sehr 🙂
      Liebe Grüße,
      Valeria

  • Reply
    Any
    3. August 2017 at 14:50

    Das ist großartig! Ich wünsche dir von tiefstem Herzen, dass das so bleibt.
    Ich beschäftige mich in letzter Zeit auch sehr viel damit. Viel mit mir selbst. Warum ich so bin, wie ich bin. Wie ich mich verändert habe und wie mein bestes Ich aussieht. Ich will zu einem Ich werden, das glücklich und voller Dankbarkeit ist, zufrieden mit sich selbst, das ganze Leben mit all seinen Dingen genießt, positiv und optimistisch – frei.

    Liebst,
    Any | Echo Of Magic

  • Reply
    modelirium
    19. August 2017 at 17:27

    ich versteh dich so sehr <3 danke für deine worte!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      5. September 2017 at 16:43

      sehr gerne 🙂

  • Reply
    ASK
    19. September 2017 at 10:55

    Hallo Valeria, es ist schön zu lesen das du dich so entschlossen für eine Änderung deines Lebensstils einsetzt! Genau so muss man da ran gehen! Alles gute, Michael

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