valeriannala
meine Worte

Ich habe mich neu verliebt

„Ich bin noch nicht bereit alles hinzuschmeißen. Aufgeben ist irgendwie nicht so meins und solange sich aufhören noch nach aufgeben anfühlen würde, weiß ich, dass ich noch weiter machen muss.“

Fast ein halbes Jahr ist es her. Und während ich dies schreibe kann ich es kaum glauben. Ein halbes Jahr. Seit ich in einer Phase geprägt von Lernstress und größten Selbstzweifel diesen Beitrag veröffentlicht habe.

„Ich muss mich neu verlieben. In das regelmäßige Schreiben, in das Teilen des Geschriebenen, in das Gefühl nach dem Klicken des ‚Veröffentlichen‘-Buttons und in mein Wozu? Warum? Für was überhaupt?.“

Und knapp ein halbes Jahr später saß ich nach einer wunderbaren Reise wieder in Wien. Anstatt dass ich Klarheit gewonnen hätte, wuchs die Verzweiflung. Wozu, warum, für was überhaupt schreibe ich noch? Merkt überhaupt irgendwer wie viel Liebe und Gefühl ich in meine Texte stecke oder geht das alles sowieso einfach nur unter? Im Überfluss. Weil doch niemand mehr Zeit hat sich auf etwas Geschriebenes einzulassen. Jeder sieht sich nur wie ein Kleinkind beim Comic die Bilder an.
Begreift überhaupt noch jemand, dass Worte genauso sehr Kunst sein können wie ein Gemälde, wie eine Melodie, ein Tanz?
Ich wusste nicht, ob ich noch schreiben mochte. Ich stellte mir vor wie einfach es wäre einen endgültigen Schlussstrich darunter zu ziehen. Aufhören mit etwas das man liebt, damit man nie wieder enttäuscht werden kann. Oder liebte ich es sowieso schon gar nicht mehr? Redete ich es mir nur weiter ein, um nicht einen Teil meiner Identität zu verlieren?
„Willst du noch schreiben? Macht es dir noch Spaß? Alles andere ist unwichtig.“
„Ich weiß es nicht.“


Die Tür ging vor uns auf und die Kälte schlug uns ins Gesicht. Es war mehr als nur Kälte. Es war ein Wachrütteln. Unsanft. Willkommen in der Realität. Wir stiegen in das Auto ein. Endlich geschafft. Wir setzten uns auf die Rückbank. Das Auto fuhr los. Ich sah aus dem Fenster. Es war schon dunkel. Die Nacht schwarz, die Straßen weiß. Helle Lichter ließen mich das Tanzen der Schneeflocken beobachten.
Kälte erinnert. Erinnert an dich.
‚Erzählt doch mal! Was war denn nun das Highlight?‘ Gespräche im Auto.
Der Winter schlug ihr ins Gesicht. Schlug ihr ins Herz. Ein Stich.
‚Und wie war es mit der Hitze?‘
Mit drei Menschen im Auto. Und ich schrieb in meinem Kopf Texte. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Ich saß in einem meiner letzten Kurse. Der Vortragende war so schlecht, dass ich mich fragte wie sie für so etwas überhaupt Geld verlangen dürften. Noch dazu nicht wenig. Ich saß ganz hinten. Die vier Stunden zogen sich in die Länge. Seine Vorträge langweilten mich und Langeweile machte mich unruhig. Machte mich immer nervös, manchmal fast schon aggressiv. Zeit verschwenden, wenn man im Leben eh nur so wenig hat. Schrecklich.
Freiheit. Frei. Fliegen. Angst. Gefangen werden? Freiheit. Frei. Alles möglich. Keine Ahnung heißt alles ist möglich. Freiheit. Frei. Ich.
Mit dreißig Menschen in einem Raum. Und ich schrieb in meinem Kopf Texte. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Ich saß da und es hatte mich überwältigt. Weder positiv, noch negativ. Nur überwältigt. Es kam überraschend. Und eigentlich doch schon lange erwünscht.
Mit vier Menschen an einem Tisch und ich wollte nur aufstehen und Texte auf Papier schreiben. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Wie merkt man, dass man etwas noch liebt?
Liebe ist. Und ich glaube genau das ist der Punkt. Wenn es einfach nur ist. Einfach da ist. Ob ich will oder nicht. Ohne Anstrengung. Ohne Zwang. Wenn es Impulse weckt, ein intensiveres Fühlen erlaubt. Sowohl positiv als auch negativ. Man sich selbst dadurch mehr spürt.

Wie merkt man, dass man etwas noch liebt? Liebe ist. Und ich glaube genau das ist der Punkt.
Mein Schreiben ist. Mein Schreiben braucht kein Außen, um zu sein.

Ich habe mich neu verliebt.
Vielleicht war ich schon immer verliebt. Habe mich nur nicht getraut es zuzulassen.
Ich brauche das Schreiben. Ich brauche meinen kleinen Blog. Egal wer mich versteht und wer nicht. Egal wer liest und wer nicht.

Mein Schreiben ist.
Und ich höre nicht damit auf.

VA

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14 Comments

  • Reply
    Jennifer
    26. Februar 2017 at 17:18

    Wunderschön geschrieben <3 <3

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      26. Februar 2017 at 17:19

      Vielen lieben Dank 🙂

  • Reply
    Anna
    26. Februar 2017 at 19:30

    Ich glaube, ich verstehe dich sehr gut – und genau deswegen finde ich diesen Text sehr berührend, motivierend und dazu noch wundervoll geschrieben!
    Ganz liebe Grüße 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      26. Februar 2017 at 21:32

      Das freut mich sehr zu lesen, danke <3 🙂

  • Reply
    Katja Heinemann
    27. Februar 2017 at 3:58

    Du hörst nicht auf. Und solltest du dich mal wieder nach dem Sinn fragen – denke an ein kleines Mädchen welches immer wieder begeistert vor ihrem Laptop sitzt und deine Texte verschlingt. Nein, du darfst nicht aufhören.
    Liebst, Katja

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      27. Februar 2017 at 8:24

      DANKE <3 🙂
      Beruht übrigens auf Gegenseitigkeit 😉

  • Reply
    Wiebke
    27. Februar 2017 at 7:37

    Wow, so ein ehrlicher, persönlicher Text! Du schreibst für dich und nicht für andere und genau das macht deinen Text aus! Bleib dabei 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      27. Februar 2017 at 8:24

      Dankeschön :)!

  • Reply
    *thea
    27. Februar 2017 at 9:19

    So schön formuliert – und wenn man mit dem Schreiben ganz bei sich ist – merken das auch andere – und letztlich schreibt man zwar für sich – aber dann doch auch für die anderen…

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      27. Februar 2017 at 10:38

      Dankeschön 🙂
      Ja genau, mein Schreiben braucht kein Außen, aber es freut sich natürlich darüber 🙂

  • Reply
    Joanna
    1. März 2017 at 10:50

    Hör bloß nicht auf, deine Art zu schreiben ist wunderschön ‼️Ich bin jetzt öfter hier

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      1. März 2017 at 11:01

      Vielen Dank, das freut mich sehr 🙂

  • Reply
    Any
    1. März 2017 at 11:09

    Das ist wunderschön! Ich kann dich sehr gut verstehen, ich hatte manchmal das Gefühl meine Worte verloren zu haben, mich selbst verloren zu haben und zugleich fühlte es sich ganz normal an, wieder einen Stift in die Hand zu nehmen und zu beginnen. Denn ich begann, als ich begriff, dass ich das nur für mich mache.

    Liebst,
    Any | Echo Of Magic

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      1. März 2017 at 13:54

      Danke für deinen schönen Kommentar 🙂

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