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Jakobsweg: FAQ, Tipps und Packliste

Trotz des Jammerns über meine nahezu unerträglichen Schmerzen während meiner Reise auf dem Jakobsweg (Nachzulesen hier und hier), bekam ich von mehreren Leuten zu hören, ich hätte ihnen den Weg schmackhaft gemacht. Generell wurde ich von allen Seiten mit Fragen bombardiert. Da diese sich immer sehr ähnlich waren, habe ich sie nun in einem kleinen FAQ zusammengefasst.

jakobsweg spanien tür
Von wo bist du losgegangen und wie viele km sind das bis Santiago de Compostela?
Gestartet bin ich in León – eine wunderschöne kleine Stadt in Spanien, in der man auf jeden Fall zuerst einen Tag verbringen sollte, bevor man weitergeht. Bis Santiago sind es von hier auf dem Jakobsweg ein bisschen mehr als 300km.

Wann bist du morgens immer gestartet?
Das war unterschiedlich. Am ersten Tag „erst“ um 20 vor 8. An den anderen Tagen klingelte der Wecker meist um 6 Uhr und sobald ich dann fertig war ging ich los. Am letzten Tag startete ich sogar noch früher, da ich es kaum erwarten konnte in Santiago anzukommen. Die Stimmung am Morgen beim Losgehen fand ich immer einzigartig und wunderschön.

Wie macht man das mit Wecker stellen?
Dies ist ehrlich gesagt eine Frage, die ich von niemandem gehört habe, mir jedoch selbst im Vorfeld gestellt habe. Weil wenn ich mit mehreren Menschen im Schlafsaal bin, dann kann ich doch keinen Wecker stellen und damit alle wecken, oder?! Tatsächlich war diese Sorge jedoch eher unbegründet. Denn so rücksichtsvoll meine Gedanken auch waren – meine Wanderkollegen waren es zum Großteil nicht.
In den ersten zwei Tagen hatte ich ein angenehmes 4er-Zimmer und so konnte man im Vorfeld gut besprechen wann denn wer vorhat aufzustehen und ob das mit dem Wecker eh in Ordnung ist. In den größeren Sälen war man mit 6 Uhr eigentlich eh schon fast bei den Spätaufstehern dabei und musste sich keine Sorgen machen, andere mit dem Klingeln des Handy zu wecken. Diesen Job hatten schon andere mit ihrem lauten Rucksack-packen erledigt.

jakobsweg spanien

Wie weit bist du jeden Tag gegangen und wie lange warst du insgesamt unterwegs?
Die kürzeste Strecke war 20km, die längste 33km. Dazwischen haben sich die Distanzen abgespielt und somit waren es 12 reine Wandertage. Von der Dauer her waren es zwischen 4 und 8,5 Stunden pro Tag (inklusive Pausen).

Wie sind die Herbergen? Gibt es Bettwäsche? Muss man reservieren?
Die Herbergen waren hygienischer als ich es erwartete hatte. Vor allem für 5-9€ pro Nacht darf man sich da echt nicht beschweren. Meine einzige Angst waren jedoch sowieso nur die Bettwanzen. Seit meine Cousine sich die einmal in einem Airbnb in Neuseeland eingefangen hatte, bin ich da ziemlich paranoid und kontrolliere zuerst jede Matratze in der ich schlafe – egal wo. In manchen Herbergen gab es jedoch sogar extra Einweg-Überzüge. Zudem sollte man -eben um die unliebsamen Viecher zu vermeiden- den Rucksack nie aufs Bett stellen. Das steht sogar im Wanderführer und wird eben auch von den Herbergs-Besitzern nicht gerne gesehen.
Bettwäsche gab es sehr selten. Ein Kissen war meistens da und manchmal auch einfache Filzdecken. Ich war jedoch sehr froh über meinen Schlafsack, vor allem weil es in den Herbergen in der Nacht schrecklich kalt wurde.
Da ich im Mai unterwegs war und dies noch nicht als Hochsaison gilt, war es noch nicht so stressig ein Bett zu bekommen. Ich bekam zwar einmal das letzte und einmal das vorletzte Bett – das war allerdings an den Tagen an denen ich vor Schmerzen nur noch gekrochen bin. Von anderen habe ich gehört, dass sie tatsächlich 1-2 Mal keinen Platz mehr bekommen haben und dann weitergehen mussten. Dies kann also durchaus schon in der Nebensaison passieren. Reservieren ist scheinbar inzwischen bei manchen Herbergen möglich und vermeidet somit sicher auch den Stress so schnell wie möglich ans „Ziel“ zu kommen – was schließlich ja nicht der Sinn sein sollte.

jakobsweg herberge
Wie ist das mit den Wertsachen in den Schlafsälen?
Ich hatte meine wenigen Wertsachen in der Bauchtasche und habe diese in der Nacht in den Schlafsack zu meinen Füßen gelegt.

Findet man den Weg leicht?
Auf meiner Strecke war der Weg immer sehr gut mit Pfeilen markiert. Trotzdem war ich froh, dass ich zusätzlich meinen Wanderführer dabei hatte. Manchmal gibt es nämlich mehr als nur einen richtigen Weg und in solchen Fällen weiß das schlaue Buch immer Bescheid welcher wie weit ist, worauf man achten muss etc.

jakobsweg pfeil

Hast du Blasen an den Füßen bekommen?
Nein, keine einzige. Bereits vor der ersten Wanderung habe ich alle gefährlichen „Blasen-Stellen“ mit Tape bearbeitet. Ich weiß nicht ob dies der ausschlaggebende Punkt war, aber hilfreich war es bestimmt. Zusätzlich sollte man versuchen die Füße trocken zu halten und somit das Abkühlen in Bächen möglichst vermeiden.
Auch wenn ich im Vorfeld dachte, dass das einzige Problem eh die Blasen sein könnten, so wurde ich eines Besseren belehrt. Auch Sehnen können gröbere Probleme bereiten. Vor allem wenn sie die monotone Dauerbelastung nicht gewohnt sind.

Wie hast du dich vorbereitet?
Gar nicht. Dafür war der Beschluss zu spontan. Wer weiß, vielleicht hätte ein bisschen Vorbereitung den Sehnenentzündungen entgegengewirkt. Jedoch lassen sich gewisse Schmerzen wohl nie gänzlich vermeiden. Ich habe mit Leuten gesprochen, die sich monatelang vorbereitet hatten und trotzdem Probleme mit dem Knie oder irgendetwas anderem hatten.

Was für Schuhe hattest du?
Ich habe ganz bewusst keine neuen Schuhe gekauft, sondern meine alten, ausgelatschten Wanderschuhe verwendet. Dies soll ja am besten den Blasen vorbeugen. Diesbezüglich hatte ich dann auch keine Probleme, jedoch wären für mich ab Tag 3 weniger hohe Schuhe wohl besser gewesen (und keine Boots). Da mein Knöchel zu schmerzen begann, war es für diesen nicht sonderlich förderlich, dass der Schuh die ganze Zeit noch zusätzlich auf ihn drückte.

Wie war die Landschaft/der Weg?
Die Landschaft und der Weg waren wunderschön und sehr vielseitig. Manchmal war es ein gerader Kiesweg, manchmal ging es auf einem steinigen, schmalen Weg über Berge, manchmal durch Wiesen und Felder und manchmal aber auch an der Straße entlang.

jakobsweg spanien naturjakobsweg natur spanien
Wie ist das mit dem Essen und Trinken auf dem Weg?
Ich muss sagen ich habe mich auf dem Jakobsweg nicht sonderlich ausgewogen ernährt. Morgens stoppte ich im nächsten kleinen Ort und trank einen Kaffee und aß ein (Schoko)Croissant. Je nachdem wann ich Hunger bekam, aß ich dann noch auf dem Weg ein Bocadillo oder eine Tortilla. Abends gab es manchmal ein Pilgermenü in der Herberge. Wenn es das gab, aß ich es, ansonsten nichts. Proviant hatte ich auch keinen dabei, damit ich beim Gewicht des Rucksacks so viel wie möglich sparen konnte. Nur Notfalls-Mandeln und Kekse gab es -für den Fall, dass ich länger kein Essen bekommen würde. Im Normalfall kam man jedoch -in zu verkraftenden Abständen- an irgendeinem Dorf mit einem Supermarkt, Café oder kleinem Restaurant vorbei. Einmal kam ich jedoch nach einem langen Tag in der Herberge an und die nächste Möglichkeit Essen zu bekommen war 1,5 km entfernt. Das mag im Prinzip nicht viel sein, wenn man aber schon 30km hinter sich hat, verzichtet man halt lieber auf das Essen und gönnt sich Notfalls-Mandeln. Generell hatte ich -vor allem zu Beginn- sehr viel weniger Appetit als sonst. Vielleicht lag das aber auch an meinen Schmerzen.

Ich hatte immer eine 1,5l Wasserflasche dabei, habe sie jedoch meistens nicht ganz aufgefüllt -wieder um Gewicht zu sparen. Trinken ist unglaublich wichtig, aber man kommt sowieso immer wieder einmal an einer Trinkwasser-„Station“ vorbei. Manche bevorzugen es jedoch das Wasser zu kaufen. Ich hatte mit dem Wasser aus den Trinkwasser-Brunnen keine Probleme, habe jedoch auch schon andere Meinungen dazu gehört.

jakobsweg spanienjakobsweg spanien raststation

Wie ist das mit dem WC auf dem Weg?
Eine für mich sehr wichtige Frage und ich war froh, dass ich kein einziges Mal irgendwo in Büsche pinkeln musste, weil ich dazu echt unfähig bin. Da man aber immer wieder einmal durch kleine Städte/Orte geht, kommt man auch an WCs vorbei.

Ist es alleine als Frau sicher?
Ich habe mich immer sehr sicher gefühlt und es gab keine einzige bedrohliche Situation. Zwar war ich manchmal wirklich ganz alleine unterwegs, aber in den meisten Fällen sah man irgendwo vor und/oder hinter sich andere Pilger.

Wie schwer war dein Rucksack?
Jeder fragt wie schwer der Rucksack war und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich war wohl die Einzige auf dem Jakobsweg, die ihren Rucksack im Vorfeld nicht auf die Waage gestellt und auch am Flughafen nicht darauf geachtet hatte. Solange ich ihn tragen konnte war es mir eigentlich ziemlich egal. Ich hatte einen sehr großen Rucksack – 65l, der eigentlich meiner Mum gehört und für so kleine Menschen wie mich auch nicht gedacht ist. Trotzdem konnte ich ihn, nachdem ich ihn richtig eingestellt hatte, ohne Probleme tragen und ich habe ihn im Laufe der Zeit meistens nicht einmal mehr gespürt.

Packliste

– 2 Wander-Zipphosen
– 3 Paar Wandersocken, 1 Paar normale Socken
– 2 dünne langärmlige Shirts
– 3 Unterhosen
– 2 BHs
– 3 kurze Funktions-Shirts
– 1 langes Funktions-Shirt
– 1 Softshell Jacke
– 1 Regenjacke
– 1 lange Leggins
– 1 kurze gemütliche Hose
– 1 Pyjama-Shirt
– 1 ärmelloses Top
– 1 Schlafsack
– 1 Regenponcho
– 1 Regenschutz für den Rucksack
– 1 Paar Wanderschuhe
– 1 Paar Flip Flops
– 1 Paar normale, leichte Schuhe
– Toilettartikel: 1 Minideo, 1 normale Seife, 1 Feuchtigkeitscreme, 1 Zahnbürste, 1 Minizahnpasta, 1 Minishampoo
– Sonnencreme, Sonnenbrille & Sonnenhut
– 1 Haarbürste (Tangle Teezer)
– 1 Packung Ohropax
– Kamera, Handy, Handyladekabel
– 1 Rolle Tape
– Wanderführe
– 1 Notizblock + Stift
– 1 superfancy Bauchtasche
– Pass, E-Card, Bargeld & Reisedokumente

auf dem Weg dazugekommen:
– Voltaren Creme
– Ibuprofen Tabletten
– Magnesium Brausetabletten

Anmerkungen zur Packliste:
Die normale Seife habe ich mitgenommen, um die Kleidung unterwegs auch immer wieder waschen zu können. Es gab jedoch auch in den Herbergen sehr häufig die Möglichkeit günstig in einer Waschmaschine zu waschen. Dies habe ich zusätzlich einmal in Anspruch genommen und bin so auch gut mit meiner Kleidung ausgekommen.
Tatsächlich habe ich sogar nur eine meiner Wanderhosen verwendet. Zuerst die lange Variante, aber schlussendlich hat sich dann doch die kürzere als praktischer herausgestellt.
Bei den T-Shirts war ich jedoch froh drei dabei zu haben. Schließlich kommt man obenrum auch viel schneller ins Schwitzen. Am Morgen bin ich immer mit mehreren Schichten losgestartet. Kurzes Funktions-Shirt + langes Funktions-Shirt + Softshell-Jacke und wenn es ganz kalt war, dann sogar noch das ärmellose Top ganz unten drunter. Ich war im Mai unterwegs und so war es morgens doch oft noch sehr frisch. Im Juli und August kann man daher bestimmt auch mit noch weniger Kleidung reisen.
Die lange Leggins und die kurze gemütliche Hose waren für die Anreise/Abreise bzw. auch für abends oder als Pyjama. Auch die dünnen langärmligen Shirts habe ich bei Anreise/Abreise und abends getragen, da man nach dem Duschen definitiv nicht mehr in die verschwitzte Kleidung zurück möchte.
Über meine Regenausrüstung war ich auch sehr froh. Ein Rucksack-Regenschutz würde ich also jedem empfehlen, die Regenjacke sowieso und wenn es ganz stark regnet ist auch ein zusätzlicher Poncho hilfreich.
Bargeld ist insofern wichtig, da es in manch kleineren Orten keinen Automaten gibt und man nicht immer alles mit Karte bezahlen kann.
Die billigen Flip Flops waren hauptsächlich fürs Bad gedacht, da man dieses ja doch mit vielen teilt und es so ein bisschen hygienischer ist.
Die Packung Ohropax habe ich nie verwendet – hätte es aber auf jeden Fall tun sollen. Ich hatte immer Angst, ich würde dann am Morgen nicht aufwachen. Dies hatte allerdings wiederum zur Folge, dass ich ca. 6 Mal pro Nacht von Schnarchern und Klogängern geweckt wurde.
Ich empfehle allen Frauen kein unnötiges Make-Up-Zeugs mitzuschleppen. Das braucht ihr da wirklich nicht und es kann zudem unglaublich befreiend sein, einfach einmal für eine Zeitlang auf das Äußere komplett zu scheißen und am Morgen einfach so zu starten wie man halt grad aussieht. Was jedoch vielleicht sinnvoll gewesen wäre, ist eine gute Fuß-Salbe, um die Füße damit abends massieren zu können.

jakobsweg spanien

Falls noch Fragen offen geblieben sind, könnt ihr euch -wie immer- jederzeit gerne bei mir melden!

VA

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3 Comments

  • Reply
    Kerstin
    7. Juli 2017 at 11:05

    Sehr schöner und inspirierender Artikel! Ich habe den Jakobsweg auch noch auf meiner Bucket List 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      12. Juli 2017 at 0:03

      Vielen Dank 🙂 Ja, das sollte echt jeder einmal machen!

  • Reply
    Caro
    7. Juli 2017 at 18:22

    Hallo Valeria Anna,

    super interessant, von deinen Erfahrungen zu lesen!
    Ich bin bei den Betten nicht sonderlich anspruchsvoll, habe aber schon gern was zum Zudecken. Werde also wohl doch noch einen Bettbezug oder einen dünnen Schlafsack einpacken. Für mich geht es im September los, plane allerdings (hoffentlich schaffe ich es, haha) die gesamten 800 km ab Saint-Jean-Pied-de-Port. Gepäck werde ich aber deutlich weniger mitnehmen – selbst auf „normalen“ Reisen habe ich nur meinen 32 Liter Rucksack dabei und der reicht mir total 😉

    Schöne Grüße,
    Caro

    PS: Die Fotos sind wunderschön! Kann es schon kaum noch erwarten!

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