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Travel Diary: Der Jakobsweg von León bis Santiago de Compostela (Teil 2)

Tag 7: La Faba – Triacastela (26km)

„Vielleicht muss ich einfach vollkommen gebrochen werden, damit ich mich dann neu aufbauen kann.“

jakobsweg weg spanien

Nach La Faba war ich äußerst motiviert. Wie ihr aus Teil 1 wisst, hatte ich an diesem Ort das Gefühl endlich am Weg angekommen zu sein. Und dieses Gefühl hielt sich. Wieder hatte ich wenig geschlafen und wieder startete ich früh. Aber es machte mir nichts aus. Im Gegenteil. Denn in mir trug ich diese überwältigende Zufriedenheit. Eine Zufriedenheit, die ich gar nicht wirklich beschreiben konnte. Die einfach da war und ich aber auch gar nicht länger in Frage stellen wollte. Ich würde diesen Weg schaffen, ja, ihn sogar genießen. Was noch vor zwei Tagen unvorstellbar gewesen war, stand jetzt außer Frage.

Ein Leser meinte, er hätte gerne gefühlsmäßig einen besseren Einblick erhalten, wie es denn in den ersten 6 Tagen zu dieser Veränderung von negativ zu positiv kam. Und ich kann das verstehen. Denn es war tatsächlich eine kafkaeske Verwandlung. Von der vor sich hin leidenden Person, die am liebsten jeden mit „Buen Camino, in deinen Arsch!“ angeschrien hätte, zur begeisterten Vollblut-Pilgerin, die Bäume umarmen möchte. Aber ich glaube, dass man das alles auch nur ganz schwer in Worte fassen kann. Dass man es erleben muss. Dass das Erzählen davon nur eine billige Kopie ist. Am besten beschreibt es für mich jedoch das Gefühl, dass sich besonders an Tag 3 & 4 hatte: Irgendetwas in mir zerbricht hier gerade. Irgendetwas in mir wird so richtig zerstört. Lässt Schmerzen frei und schlägt sie mir mit voller Wucht ins Gesicht. Auch in den schlimmsten Momenten hatte ich jedoch das Gefühl: Das muss jetzt grad sein. Es muss alles raus. Und dann lass ich es hier liegen. Vielleicht muss ich einfach vollkommen gebrochen werden, damit ich mich dann neu aufbauen kann. Um dann mit einer neuen Stärke aus dem Ganzen heraus zu kommen.
An Tag 7 war mir dann klar, dass es genau so war. Und dass ich diese Zufriedenheit, diese neue Stärke, unbedingt am Ende mit nach Hause nehmen wollte.

Ein weiteres Highlight an diesem Tag war der Mann, der in einem kleinen Café auf mich zu kam und meinte, sein Foto wäre in meinem Wanderführer. Er nahm ihn zu sich, blätterte darin herum und zeigte schlussendlich auf eines: „Das bin ich!“. Der fröhliche Mann bei der Arbeit war mir beim Lesen des Buches schon positiv aufgefallen. Nun stand er genauso fröhlich vor mir und erzählte mir stolz, dass das Foto von ihm international verwendet wird. Seine einfache und ehrliche Freude machte mich direkt auch fröhlich. Am liebsten hätte ich noch den ganzen Tag mit ihm über sein Leben geredet.

Tag 8: Triacastela – Barbadelo (21,5km)

„Es war schon zur Routine geworden. Eine aufregende Routine.“

jakobsweg weg spanien baum

Leichter Regen, Nebelschwaden, die Dörfer noch verschlafen. Du packst im Dunkeln deine Sachen und machst dich auf den Weg. Ja, Sonne ist toll, aber auch das ist wunderschön. Ich liebe solche Vormittage. Für mich haben sie etwas Mystisches.

Es ist schon verrückt wie wenig Aufmerksamkeit wir unseren Füßen schenken, obwohl sie uns ständig durchs Leben tragen. Jeden Tag merke ich, was noch alles weh tun kann. Inzwischen denke ich mir jedoch „Whatever“ und gehe weiter. Der Schmerz ist nämlich auch an Tag 8 noch nicht weg und langsam realisiere ich, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich die Füße erholen, wenn ich einfach immer weitergehe. Aber ich habe mich damit abgefunden. Ich creme sie jeden Abend ein, lagere sie hoch oder massiere sie. Ich gehe auch nicht mehr zu viel im Ort herum, damit sie nicht noch unnötig belastet werden. Zudem habe ich mir Schmerztabletten gekauft. Ich habe tatsächlich noch nie in meinem Leben Schmerztabletten genommen. Zumindest nicht so weit ich mich erinnern kann. Das muss dann schon sehr, sehr lange her sein. Aber wenn ich nicht ein paar Tage Pause einlegen wollte, dann ging es wohl nicht anders. Ganz verschwand der Schmerz trotzdem nicht. Aber ich konnte ihn ertragen. Vor allem mit meiner neugewonnenen Motivation. Oft wachte ich sogar in der Nacht auf. Entweder wegen der Schmerzen, oder weil sich mein Fuß auf einmal wie komplett betäubt/tot anfühlte. Aber meine Überzeugung, dass ich alles schaffen konnte, würde mir nichts und niemand so schnell nehmen.

Deshalb fühlte sich Tag 8 phasenweise sogar fast wie ein Sonntagsspaziergang an. Aufstehen, Rucksack packen und gehen. Einfach gehen. Immer weiter. Immer wieder neue Eindrücke. Neue Landschaften. Pausen machen in immer wieder neuen, kleinen spanischen Orten und nie weiß man was an der nächsten Ecke auf einen wartet. Es war schon zur Routine geworden. Eine aufregende Routine. Auch wenn das fast schon ein Oxymoron ist.

Tag 9: Barbadelo – Hospital da Cruz (29,6km)

„Der Weg gibt dir nur das, was du von ihm verlangst.“

jakobsweg spanien

„Wow, you walk fast!“ – Witz des Tages. Wenn die wüssten. Nur weil man schon weit ist, heißt das noch lange nicht, dass man schnell gegangen ist. An Tag 9 waren es auf den letzten km auch wieder sicher nicht die Füße, die mich ins Ziel gebracht haben. Reine Willenskraft. Und wenn ich etwas habe, dann eine enorme Willenskraft. Ich glaube man hätte mir schon beide Beine brechen müssen, um mich davon abzuhalten weiter zu gehen. „You just can’t beat the person who never gives up.“, las ich irgendwo auf dem Weg. Wie passend.

Anderes Thema: Die 100km-Pilger. Es gibt da am Ende in Santiago dieses Ding, auf das alle ziemlich scharf sind. „La Compostela“ nennt es sich. Sozusagen eine Urkunde, welche bestätigt, dass man den Jakobsweg auch wirklich gegangen ist. Dazu muss man von jedem Tag auf dem Weg mindestens einen Stempel vorweisen können. Diese sammelt man in einem Stempelpass („La Credencial“). Was sich jetzt wie eine Kindergeburtstags-Schatzsuche anhört, läuft tatsächlich auch ein bisschen so ab. Immer wenn bei einer Kirche, einer Bar oder sonst wo ein Schild mit „Sello“ hängt, rennen die meisten hin. Denn wer zu wenige Stempel hat, könnte am Ende Probleme bekommen. In Santiago angekommen kann man sich dann in die Schlange stellen. Von 30min über 1,5h bis 3h habe ich schon alles gehört. Ich selbst habe sie nicht abgeholt. Denn mir persönlich sagt so ein Stück Papier nicht viel.

Jedoch zurück zu den 100km-Pilgern. Die Sache ist die: 100km müssen es mindestens sein, um die Compostela auch wirklich abholen zu dürfen. Über diese 100km-Pilger wurden dann im Vorfeld schon Schauermärchen erzählt. Schauermärchen im Sinne von: „Die gehen da in Flipflops und tragen Schmuck und Makeup.“.
An Tag 9 passierte ich die 100km Marke. Ich war auf das Schlimmste gefasst. Dann kam der Reisebus. Und das war dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Vor dem Bus wurden komische Dehn-/Aufwärmübungen praktiziert. Die Kameras der Pilger waren größer als ihre Rucksäcke. Ein paar gingen mit Turnbeuteln. Einer mit einem Plastiksack. Tatsächlich kann man sich den Rucksack nämlich dank CORREOS Etappe für Etappe „nachschicken“ lassen. Und auch wenn ich zu Hause gerne die bin, die bei Wandertagen die Wasserflasche dem Bruder in den Rucksack steckt, damit sie unbeschwert gehen kann, glaube ich, dass es beim Jakobsweg einfach dazu gehört. Ganz im Sinne von „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“. Die Tatsache, dass man ihn selber tragen muss, führt natürlich auch dazu, dass man sich ganz genau überlegt, was denn wirklich gebraucht wird. Man beschränkt sich auf das Wesentliche.

Aber noch einmal: Zurück zu den 100km-Pilgern. Die wurden also ausgelassen. Mit ihren Pseudo-Rucksäcken. Dann rannten sie in einer Horde los und wurden immer wieder an bestimmten Stellen von ihrem Bus und ihrem Reiseführer erwartet. Wahrscheinlich um zu kontrollieren, ob sie eh noch am Leben waren. Ich hatte das Gefühl, sie sahen das Ganze eher als Touristenattraktion und weniger als Reise. Ich merkte, wie mich das selbst innerlich wütend machte und wie ich ziemlich genervt auf sie reagierte. Genau an solchen Menschen sollte ich jedoch für mich Gelassenheit üben. Denn wem schadet es schlussendlich, sich über eigentlich unnötige Dinge aufzuregen? Nur mir selbst. Es soll doch jeder diesen und somit seinen Weg gehen wie er möchte. „Der Weg gibt dir nur das, was du von ihm verlangst.“ las ich auf eine Wand gekritzelt. Und dabei kann es mir egal sein, was die anderen machen. Mein Weg, mein Tempo, meine Art damit umzugehen, meine Erwartungen und meine Erkenntnisse.

Tag 10: Hospital da Cruz – Mélide (28km)

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Tag 10 war ein sehr ruhiger Tag. Es waren auch kaum Leute unterwegs. Zumindest sah ich um einiges weniger als sonst.
In den letzten Tagen hatte ich immer wieder Menschen getroffen, die ich bereits kannte. Da war der Kanadier, der mir häufig über den Weg lief, die zwei Polen, die ich bereits am zweiten Tag kennen gelernt hatte und auch noch einige andere. Man trifft sie dann, geht vielleicht eine Weile gemeinsam, verabschiedet sich wieder, sieht sich zwei Tage lang nicht und auf einmal sitzen sie wieder irgendwo oder man trifft sie direkt auf dem Weg.
An Tag 10 waren es jedoch kaum bekannte Gesichter. Dafür auch kaum Schmerzen, kaum Anstrengung. Zur Abwechslung ein sehr entspannter Tag.
Etwas Außergewöhnliches passierte dann aber doch noch: Nach einer langen Phase der Appetitlosigkeit hatte ich endlich wieder so richtig Lust zu essen. Ein sehr gutes Zeichen.

Tag 11: Mélide – O Pedrouzo (33km)

jakobsweg morgen mond spanien

Ich setze auf meine Liste der Leute an denen ich Gelassenheit üben kann: Radfahr-Pilger. Weil: denken sie sind coole Downhill Racer. Pilger mit Wanderstöcken. Weil: hektisches Tic, Tac, Tic, Tac.
Tag 11 waren 33km und somit die längste Strecke. Ich war anfangs voll motiviert. Diese unglaublich innere Zufriedenheit war immer noch da. Ich dachte darüber nach, wie fantastisch es doch wäre, eine Karriere als hauptberufliche Pilgerin zu starten. Ein paar Minuten später meldete sich meine Achillessehne lautstark zu Wort und erinnerte mich daran, dass dies aus diversen Gründen vielleicht doch keine so gute Idee wäre. Ich hatte wirklich schon das Gefühl, dass da unten jetzt irgendetwas gerissen ist, als aus dem Nichts von der Sehne aus ein Schmerz durch den ganzen Körper schoss. Ich tröstete mich mit einem Magnum Mandel und weiter ging es. Es war der vorletzte Tag, aufgeben kam weniger denn je in Frage.

Die letzten km bis nach O Pedrouzo waren dann wieder mehr verbitterter Kampf als innere Zufriedenheit. Als mich dann auch noch einer ansprach, wie es mir denn geht, war ich im ersten Moment furchtbar genervt. Ich meine was fiel ihm auch ein, eine Person anzusprechen, die sich gerade mühsam Schritt für Schritt nach vorne kämpfte. Ich hatte in diesem Moment wohl kurz vergessen, dass ich nicht zu Hause und er keiner dieser primitiven Vollidioten war, die einen auf der Straße dumm anpfeifen. Er wollte einfach wirklich nur wissen, ob alles in Ordnung war und so ging ich mit ihm und seinem spanischen Wegbegleiter noch das letzte Stück gemeinsam. Wieder eine sehr angenehme Unterhaltung, die wir dann später noch bei einem Glas Sangría fortsetzten. Die offene und unkomplizierte Art und Weise wie man hier immer wieder einfach spontan komplett unterschiedliche Menschen kennen lernt ist wirklich großartig.

Tag 12: O Pedrouzo – Santiago de Compostela (20km)

„Der letzte Tag. Die letzte Etappe. Die letzten 20km. Und du kommst kaum vom Fleck.“

jakobsweg spanien santiago de compostela

Ich startete früh. Sehr früh. So früh wie es sonst nur immer die Verrückten machten, die dadurch den ganzen Schlafsaal weckten. Aber es war der letzte Tag. Das Ziel so nah und ich konnte sowieso nicht mehr schlafen. Ich musste einfach los.

Bereits am Abend zuvor hatte ich bemerkt, dass auf einmal mein Knie ziemlich schmerzte. Ich dachte es würde über Nacht bestimmt vergehen. Tat es aber leider nicht. Bereits auf den ersten paar Metern merkte ich, dass nur noch humpeln in Frage kam. Wieder einer dieser Momente, in denen man losheulen könnte. Der letzte Tag. Die letzte Etappe. Die letzten 20km. Und du kommst kaum vom Fleck. Ich wollte eigentlich keine Schmerztablette mehr nehmen, tat es dann aber doch. War jetzt ja auch schon egal.

Wie gesagt war es noch sehr früh und somit stockdunkel. Sowohl die vier Leute vor mir als auch ich übersahen dadurch einen Pfeil. Gott sei Dank bemerkten sie es jedoch noch rechtzeitig. 100m in die falsche Richtung humpeln war schon dumm genug. Danach folgte ein Weg durch den Wald. Stockdunkel. Die anderen -nicht humpelnden- waren bald außer Sichtweite. Dann waren es nur noch ich und meine Handy-Taschenlampe. Mit 13 fand ich Horror-Filme noch super cool. Inzwischen bin ich kein Fan mehr davon und wollte in diesem Moment auch wirklich gerade nicht in der perfekten Situation für eine tolle Horror-Story sein. Obwohl ich mich bis dahin immer sicher gefühlt hatte, fielen mir in diesem Moment die zwei Frauen ein, die ein paar Tage zuvor energisch auf Spanisch auf mich eingeredet hatten. Ich dürfe als junge Frau NIE ganz alleine gehen. Es müsse immer jemand vor oder hinter mir gehen, weil vor zwei Jahren eine amerikanische Frau entführt und ermordet worden sei. Man habe ihr davor sogar die Hände abgehakt. Ich fand diese Damen ehrlich gesagt fast noch angsteinflößender als die Geschichte an sich.
Ich schaffte es jedoch aus dem Gruselwald und bald ging dann auch die Sonne auf. Das Knie spürte ich immer weniger und mir war klar, dass eine Pause nicht in Frage kam. Es würde danach nur wieder weh tun. Fast schon wehmütig ging ich an den kleinen spanischen Cafés vorbei, in welchen ich bisher immer so gerne meinen Café con leche, einen Zumo de Naranja und ein Croissant bestellt hatte. Der letzte Tag. Der letzte Weg. Das wurde mir in diesem Moment klar und so sehr ich endlich ankommen wollte, so sehr wollte ich nicht, dass dieses Erlebnis schon vorbei war.

„Da war ein Platz. War das eine Kathedrale? War das die Kathedrale? War ich da?“

Ich traf die Italiener wieder. Ich hatte sie ein paar Tage nicht mehr gesehen, jetzt waren sie auf einmal wieder da. Gut gelaunt wie immer. Eine Gruppe von 6 Männern – ältere und jüngere bunt gemischt. Immer wenn sie mich sahen grüßten sie mich, als würden sie mich schon ewig kennen.

Und kurze Zeit später war es dann da. Dieses Santiago. Der gefühlt meist herbei gesehnte Ort der Welt. Mit großen roten Buchstaben stand da ‚Santiago de Compostela‘. In diesem Moment weiß man, man ist da und gleichzeitig aber doch noch nicht. Denn schließlich ist man ja erst wirklich da, wenn man auf diesem Platz vor der Kathedrale steht. Ich ging durch die Stadt und hatte das Gefühl, dass hier jetzt doch eigentlich lauter Leute stehen sollten, die uns anfeuern. Machen die bei einem Marathon ja schließlich auch. Aber bei so vielen Pilgern, die jeden Tag einmarschieren, ist es natürlich nichts Besonderes mehr für die anderen, wenn es halt wieder einmal jemand schafft.

Ich hielt kurz bei einer Bäckerei und kaufte mir ein Stück von einer Tarta de Santiago. Ich hatte sie noch nie probiert. Ich wollte es mir für den Schluss aufheben.
Dann war es nicht mehr weit. Ich kannte die Kathedrale nur von Bildern. Ich ging weiter und weiter und stellte mir immer wieder vor, wie ich auf diesem Platz davor liegen würde. Noch eine Gasse nach unten. Dann nach links. Da war ein Platz. War das eine Kathedrale? War das die Kathedrale? War ich da? Noch weiter? Ja ehrlich gesagt hatte ich mir den Moment des Ankommens anders vorgestellt. Ich hatte mir gedacht ich würde es wissen, wenn ich da bin, aber ich war mir ehrlich gesagt im ersten Moment nicht 100% sicher. Die Kathedrale war nämlich dank dem Gerüst davor nicht wirklich zu erkennen. Ich sah dann aber schon ein paar Pilger „Siegesfotos“ machen und am Boden auf ihren Rucksäcken liegen. Es musste der Platz sein. Ich musste hier sein.
Rucksack hinlegen. Schuhe aus. Auf den Boden sitzen. Entspannen. Kuchen essen. Ich war da.

Ich dachte an diesen einen Moment in Foncebadón zurück. Komplett am Ende. Physisch und psychisch. Ich dachte an diesen Moment der kompletten Verzweiflung. Und daran, wie ich mir versprochen hatte, dass ich den Boden küssen würde, wenn ich es irgendwie nach Santiago schaffte. Ich lächelte. Denn ich war da. Hatte es geschafft. Ganz allein.
Und weil ich Versprechen immer halte, wurde der Boden geküsst.

jakobsweg santiago de compostela

Ich habe noch vier tolle Tage in Santiago de Compostela und Finisterre am Meer verbracht. Den wunderschönsten Sonnenuntergang gesehen und wieder nette Menschen kennen gelernt.

Ich bereue diese Reise keine Sekunde. Ganz im Gegenteil. Ich bereue auch nicht, dass ich vollkommen unvorbereitet gegangen bin. Es war schon richtig so. Ich bereue nicht einmal die Schmerzen. Denn wie ihr wisst – No pain, no glory. Und das Ganze wäre sicher nicht so eindrücklich gewesen, wäre ich ohne Probleme einfach nach Santiago gerannt.

Was ich auf diesem Weg erfahren habe?
Ich glaube einer der auf die Wand gekritzelten Sätze in der ersten Herberge bringt es auf den Punkt:

„Nichts was ich nicht schon wusste. Aber ich glaube es jetzt.“

VA

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2 Comments

  • Reply
    Caro
    31. Mai 2017 at 9:43

    Hey Valeria,
    ein wunderbarer Text, den ich gerade förmlich verschlungen habe 🙂
    Ich starte im September ab Saint-Jean und kann es kaum erwarten – dein Tagebuch macht Mut und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse mir auf den 800 km so kommen!
    Schöne Grüße,
    Caro

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      1. Juni 2017 at 13:46

      Hey Caro,
      das freut mich, vielen Dank 🙂
      Wow wie schön, in Saint-Jean will ich auf jeden Fall auch irgendwann einmal starten. Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit und ganz viele tolle Erlebnisse auf deiner Reise! Und natürlich auch viel Kraft und Durchhaltevermögen für die schwierigeren Phasen 😉
      Ganz liebe Grüße,
      Valeria

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