valeriannala
meine Worte

Wo die Reise hingeht

„Ich schalte meinen Kopf aus, lass mich leiten von irgendwas in mir, das immer wieder fragt: „Was wäre wenn?“. Ich drücke auf „Flug buchen“ und weiß gleichzeitig, dass es unangenehm werden wird. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Unangenehm, weil es so spontan ist und ich deswegen nicht wirklich gut vorbereitet bin.
Unangenehm, weil ich in letzter Zeit zwar viel Sport gemacht habe, aber trotzdem nicht weiß, ob ich tagelang problemlos wandern kann.
Unangenehm, weil ich am ersten Tag schon 10 Blasen an den Füßen bekommen könnte.
Unangenehm, weil ich längere Zeit auf ein eigenes Zimmer und allzu viel Privatsphäre verzichten werden muss.
Unangenehm, weil es mitten auf dem Weg zu regnen beginnen kann. Den Gedanken daran finde ich momentan zwar ziemlich cool, das ändert sich aber vielleicht, wenn ich klitschnass und noch kilometerweit von der nächsten Herberge entfernt bin.
Unangenehm, weil ich nicht in der „Wildnis“ pinkeln kann – nein ehrlich, ich bin da ganz untalentiert.
Unangenehm, weil ich einen Rucksack stundenlang mit mir herumtragen muss und aus diesem Grund auch nur das Allernötigste mitnehmen werde.
Und in allererster Linie unangenehm, weil ich das alles ganz alleine mache und mir genau dieser Punkt auch sehr wichtig war.

Was wäre wenn? Wenn ich einfach beschließen würde aufzubrechen. Ohne lange dies und jenes abzuwägen oder zu hinterfragen. Weg und reisen. Aber sicher nicht in das nächste All inclusive Resort.
Eine Weltreise wäre zwar cool, liegt momentan aber nicht unbedingt im Budget.
Ich hatte den Drang zu reisen. Aber nicht zu langweilig und trotzdem auch nicht zu sehr Halligalli. Nicht zu teuer und trotzdem ganz wertvoll.

Der Jakobsweg. Spätestens seit Hape Kerkeling gibt es fast schon einen Hype darum, ich weiß. Aber als meine Mum vor einigen Jahren das erste Mal einen Teil davon ging, schwärmte sie immer wieder so sehr von diesem Gefühl einfach zu wandern. Davon wie beeindruckend es war, jeden Tag anderen Menschen zu begegnen und wie vielseitig und wunderschön die Landschaft ist. Für mich war damals schon klar, dass ich es irgendwann auch einmal wagen würde. Mit wem? – Das war nur immer die Frage. Weil man dies nicht mit jedem machen könne, meinte meine Mum. Weil sie schon von Paaren gehört hat, die sich danach trennten und eine Frau kennen lernte, die nach 30 Jahren Freundschaft nicht einmal mehr im gleichen Flugzeug wie ihre (ehemals) beste Freundin heimfliegen wollte. Darum schien ich für mein Unterfangen immer auf eine Art „Seelenverwandte(n)“ zu hoffen, der/die es cool findet auf minimalistische Art und Weise mit mir durch Spanien zu latschen, am Abend die stinkende Kleidung von Hand auszuwaschen und in Mehrbettzimmern mit schnarchenden Menschen aus aller Welt zu schlafen. Der/Die mit mir reden, aber auch mit mir schweigen kann. Jemand auf selber Wellenlänge, damit wir uns am Ende nicht hassen.
Dieses Mal habe ich mich nicht mehr gefragt „Mit wem?“. Ich habe mich gefragt, warum und wie lange ich noch auf irgendwelche Menschen oder irgendwelche Momente warten möchte. Warum generell immer warten und es von irgendwas oder irgendwem abhängig machen, nur damit man eine Ausrede dafür hat, warum man es doch nicht tut.

Was wäre wenn. Wenn ich meine Liebe zu Spanien (& der spanischen Sprache) mit meinem Bewegungsdrang, meiner Abenteuerlust und meiner Neugierde für Neues verbinden könnte und dabei vielleicht auch noch herausfinden könnte wer ich bin, wenn ich einfach nur ich bin. Ohne irgendwen.
Darum gehe ich den Jakobsweg. Oder zumindest einen Teil davon. Zumindest so viel, wie ich mir für den Anfang zutraue.
Ich habe -wie ihr lest- so meine Vorstellungen wie es werden wird. Aber im Grunde habe ich keinen Plan was mich da wirklich erwartet.
Ich werde am Dienstag noch einen Tag in León genießen und am Mittwoch einfach los starten. Immer den Pfeilen und den Muscheln nach.
Vielleicht werde ich es hassen und mir nach dem ersten Tag wünschen ich wäre nie losgegangen. Vielleicht werde ich es lieben und noch weiter gehen wollen. Ich weiß nicht wie es sein wird und ich weiß auch nicht wie lange ich brauchen werde. Ich habe noch keinen Rückflug. Aber genau das alles macht für mich den Reiz aus.

Meine Mum gibt mir Tipps und kann sich zwischendurch immer wieder einmal ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen. So in die Richtung: „Ach, das Mädchen hat keinen Plan was da auf sie zukommt.“ Aber ich weiß, dass sie es gut findet und ich weiß auch, dass ich es gut finde.
Auch wenn ich von all dem was mich dort erwarten kann und wird auch ein bisschen Respekt habe.

Ich freue mich auf meine Reise. Auf meinen Weg. Den ich ganz alleine gehen werde. Alles andere ist offen.
Jeder Tag ein spontaner Tag.

VA

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2 Comments

  • Reply
    Franziska │ nur mal kosten
    8. Mai 2017 at 22:38

    Ui, wie spannend! Ich verstehe deinen Drang weg zu wollen 100%ig und bin selber am abwägen wohin nachdem ich mein Abschlusszeugnis in der Hand habe…
    Auf jeden Fall wünsche ich dir ganz viel Spaß und Glück, dass alles gut geht!
    Herzliche Grüße
    Franziska

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      11. Juni 2017 at 9:03

      Oh mann, den Kommentar habe ich wohl komplett übersehen.
      Vielen Dank noch im Nachhinein und ich hoffe du findest ein tolles und abenteuerliches Reiseziel nach deinem Abschluss :)!

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