valeriannala
meine Worte

Der Dämon in ihr

Im Streben nach Perfektion fühlt sich die Absurdität am wohlsten.

Mia ging die Straße entlang. Es war dunkel. Wieder einmal hatte sie es getan. Ohne, dass sie es wollte. Ohne, dass sie es verhindern hätte können.
Sie weinte innerlich. Ein klarer Blick, ein starrer Mund, ein schneller Schritt. Das hatte sie gelernt. Ohne, dass sie es wollte. Ohne, dass sie es verhindern hätte können. Es war Selbstschutz und verbitterte Gleichgültigkeit in einem.

Sie weinte innerlich. Abgebrüht. Sie kannte das ja schon. Das was vorgefallen war. Sie wusste, dass es jedes Mal wie immer ablaufen würde. Sie nahm sich vor, stärker zu sein. Stärker als das was sich in ihr breit machte. Sie versuchte jedes Mal diesem Dämon in ihr klar zu machen, dass sie ein guter Mensch war. Dass er bei ihr nichts verloren hatte.

Sie weinte innerlich. Abgebrüht. Weil sie es wieder einmal nicht geschafft hatte. Weil er wieder einmal stärker war. Der Dämon in ihr. Weil es ein unfairer Kampf war. David gegen Goliath. Nur ohne Steinschleuder.

Mia ging die Straße entlang und versuchte zu verstehen. Wenn jemand sie kannte, dann sie selbst.
So sollte es doch sein?

Vielleicht war sie ein schlechter Mensch. Vielleicht war diese fröhliche, hilfsbereite und liebevolle Frau nicht das was sie war. Nur das was sie sein wollte.

Wieder einmal hatte sie es getan. Sie hasste sich für all die Worte, die sie nicht mehr rückgängig machen konnte. Für die Worte, die wieder Narben hinterlassen würden. Irgendwann würden sie zu tief sein.
Sie hasste sich dafür, dass sie wieder einmal die Kontrolle über sich selbst verloren hatte. Dieser Dämon in ihr. Er schnappte sich manchmal die Zügel. Übernahm das Kommando. Fragte nicht lange. War irrational. Versetzte sie in einen Rausch und ließ sie danach mit den Schäden zurück.
Allein.

Je mehr sie dagegen ankämpfte, desto öfter verlor sie. Verlor ihre Geduld, verlor ihren Stolz, verlor ihre Kraft.
Zurück blieb bittersüßes Bedauern. Gepaart mit Hilflosigkeit. Hilflosigkeit so stark, dass sie nur noch Zuversicht zuließ. Zuversicht, dass sie es das nächste Mal schaffen würde. Dass sie besser war als das Schlechte in ihr.

Innere Tränen trocknen nicht. Sie durften nie fließen.

Mia dachte über Blickwinkel nach. Dachte darüber nach, ihren zu ändern.
Das Kämpfen war eine Einbahnstraße. Eine lange Einbahnstraße, mit Dornbüschen an beiden Seiten.

„Denn…“, so dachte sie sich „wenn dieser Dämon, kein Dämon ist. Wenn dieser Dämon ich bin. Ein Teil von mir…“
Sich selbst zu bekämpfen ist paradox. Das wusste sie. Das klang so süß simpel.
Blickwinkel ändern. Hatte nicht so David auch Goliath besiegt? 

Vielleicht musste sie dieses Böse in ihr annehmen. Nicht abstoßen. Vielleicht musste sie sich mit ihm anfreunden, ihm seine Berechtigung nicht abstreiten. Es würde dann mit sich reden lassen. Sie würde es dann vielleicht verstehen.

Sie würde kein perfekter Mensch sein. Sie würde weiterhin Narben hinterlassen.
Vielleicht aber war das was sie innerlich weinen ließ kein Dämon.
Vielleicht war das ein Teil von ihr.
Ein Teil, der gehört werden wollte.
Ein Teil, der manchmal keinen anderen Ausweg sah.
Das Kommando übernahm, irrational war.
Sie in einen Rausch versetzte und sie danach mit den Schäden zurück ließ.

Mia ging die Straße entlang. Es war dunkel.
Sie weinte.
„Mia, was willst du mir sagen?“

VA

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2 Comments

  • Reply
    Be Sassique
    19. Mai 2016 at 8:55

    Wow, toll geschriebener Text. Wirklich sehr mitreißend <3
    Ich freue mich jetzt öfter bei dir vorbeizuschauen :*
    Liebste Grüße
    Sassi
    http://www.besassique.blogspot.de

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