valeriannala
meine Worte

Der Reiz der Selbständigkeit

Die Start-up Szene boomt. Schon länger. In meinem Freundeskreis wird phantasiert und diskutiert wie und womit man denn den großen Sprung schaffen könnte. Den Sprung in die Selbständigkeit. Die Freiheit. Die Unabhängigkeit. Mit dieser einen, bahnbrechenden Idee. Vielleicht aber auch einfach mit dem eigenen Blog, der Band, der Kameraausrüstung,… Der Drang ist scheinbar stärker denn je. Noch zu meinen Schulzeiten hat beinahe keiner in meinem Umfeld daran gedacht sich später einmal selbst etwas aufzubauen. Jetzt ist es bestimmt die Hälfte all jener mit denen ich über die Zukunft spreche.
Doch warum ist gerade jetzt dieses Verlangen vieler junger Menschen so groß?
Was treibt sie dazu an, die Zügel selbst in die Hand nehmen zu wollen, um aus dem klassischen System auszubrechen?
Hier ein paar Gedanken dazu.

Selbstverwirklichung
Man muss nicht Psychologie studiert haben, um die berüchtigte Maslowsche Bedürfnispyramide zu kennen. Schon in der Schule wird sie gelehrt und in beinahe jedem Studium wieder aufgewärmt. Sie besagt, dass zuerst bestimmte Basisbedürfnisse eines Menschen erfüllt sein müssen, bevor andere Bedürfnisse gestillt werden können.
Wir haben das Glück in einem Land zu leben, in welchem die Basisbedürfnisse nach essen, trinken, wohnen und Sicherheit gestillt sind. Auch dürfen wir uns in den meisten Fällen über Freunde, Liebe und Gruppenzugehörigkeit freuen. Was jetzt also noch an der Spitze der Pyramide steht, sind soziale Anerkennung und ganz oben die Selbstverwirklichung.
An dieser Stelle haben sich jedoch meiner Meinung nach die Prioritäten verschoben. Immer weniger höre ich, dass Aspekte wie der soziale Status bei der Berufswahl an erster Stelle stehen. Den Menschen geht es immer mehr darum, die eigenen Leidenschaften zu entdecken und daraus etwas zu schaffen und immer weniger darum, nur von anderen für ihre Leistung anerkannt zu werden. Sich selbst zu verwirklichen und glücklich zu sein in dem was man tut hat Vorrang. Erst dann kommt der Wunsch sich mit dieser Tätigkeit auch Anerkennung zu verdienen. Dafür geschätzt und akzeptiert zu werden. Und auch nur so funktioniert es. Denn wer nur für die soziale Anerkennung arbeitet, wird sich sehr schwer selbstverwirklichen können. Nur wer zuerst unabhängig von allen Kritikern an sich und seine Ideen und Talente glaubt, wird Erfolg haben können.
Ich wage die These aufzustellen, dass in meiner Generation ein großes Umdenken stattgefunden hat. Dass viele (nicht alle) Maslow nicht mehr zustimmen würden und zuerst das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung erfüllt haben wollen, bevor die soziale Anerkennung bedeutsam wird.

Die Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten
Wir müssen nicht mehr in die USA fliegen, um unbegrenzte Möglichkeiten zu genießen. Das Internet macht es einfacher denn je, innerhalb kurzer Zeit ein großes Publikum zu erreichen. Jeder kann sich unglaublich schnell, günstig und einfach eine Website erstellen. Über Social Media Kanäle kann praktisch jeder selbst zur Marketing Managerin werden. Das Wissen ist überall. Man braucht es sich nur zu holen. Viele Tools sind frei zugänglich und über einschlägige Gruppen und Foren kann man sich easy mit anderen Expertinnen vernetzen. Wer will, der kann. Oft ohne großes Budget. Und wenn man es doch braucht, dann gibt es immer noch eine Alternative zum reichen Onkel: z.B. Crowdfunding.
Natürlich wird allein die Tatsache, dass genügend Möglichkeiten vorhanden sind, nicht zum Garant für ein erfolgreiches Business. Aber jeder der den Ehrgeiz besitzt und bereit ist genügend Zeit zu investieren, hat zumindest die reelle Chance sein eigenes Ding durchzuziehen und davon tatsächlich auch zu leben.

Flexibilität & Freiheit
Für viele junge Menschen ist ein flexibler Job das A und O. Schließlich würden wir gerne die Welt entdecken und nicht nur in einem Büro versauern. Schließlich wollen wir auch als Mütter und Väter sowohl Zeit für die Familie als auch die Karriere haben. Schließlich wollen wir manchmal länger schlafen und dafür ist es uns egal, wenn wir dann am Abend länger arbeiten. Auch in diesen Belangen zeigt sich der Trend, dass vielen ein klassischer 9 to 5 Job nicht mehr zusagt. Dass man gerne in Kauf nimmt, dass sich Freizeit und Beruf vermischen. Weil man es ja gerne tut. Weil man sich eben genau diese Tätigkeit sucht und dieses Business aufbaut, das einen begeistert und nicht um 17:30 Uhr innerlich vor Freude schreiend aus dem Büro rennen lässt.
Die Zeit selbst einteilen. Selbst die Prioritäten setzen. Freiheiten genießen. Aber dadurch natürlich auch selbst die Verantwortung für den Erfolg oder den Misserfolg tragen. Immer mehr Menschen trauen sich dies zu und finden großen Gefallen daran.

Womöglich spielen noch mehrere andere Komponenten eine Rolle. Womöglich gibt es trotzdem immer noch einige, die ein ’normales‘ Arbeitsverhältnis genießen und damit zufrieden sind. Und das ist auch gut so. Trotzdem ist der Drang nach Selbständigkeit bei vielen sehr groß.
Wer weiß wie viele es tatsächlich schaffen. Wer weiß wie langlebig diese ganze Entwicklung tatsächlich ist und wie es mit all diesen Start-Ups und Online Magazinen in 15 Jahren aussieht. Eines ist jedoch sicher: die Selbstverwirklichung bei der Berufswahl an erster Stelle zu sehen, kann nie schaden. Und wenn man diese in keinem Unternehmen, sondern nur in der Selbstständigkeit bzw. der Gründung sieht, sollte man den Schritt auch auf jeden Fall wagen.
Wir haben nur ein Leben. Warum also nicht mutig genug sein, die eigenen Ziele zu verfolgen? Warum also nicht die Zeit, die man hat, mit Dingen, die man leidenschaftlich gerne tut, füllen?

Wir haben den Luxus, die Möglichkeiten dies zu tun.
Wer will, der kann.

VA

You Might Also Like...

8 Comments

  • Reply
    Fee
    19. Mai 2016 at 18:33

    Interessanter Post! Mich reizt die Selbstständigkeit auch sehr, mich würde es bestimmt sehr erfüllen in meinem eigenen Zeitplan arbeiten zu können. Doch was die Zukunft so bringt weiß man natürlich nie. Mein Papa ist seit Ewigkeiten selbstständig, da bekommt man natürlich auch mit wieviel Arbeit und Unsicherheit da manchmal hinter stehen kann.

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. Mai 2016 at 22:02

      Stimmt! Es hat auf jeden Fall sowohl seine Vor- als auch seine Nachteile.

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Sanni | Sissi tanzt im Regen
    20. Mai 2016 at 10:59

    Hey!
    Bin auch selbstständig und habe mit meinem Schmuck auf DaWanda angefangen und wo stehe ich heute? Mein Weg hat sich geändert und auch wenn es hin und wieder Schmuckstücke geben wird, bin ich nun selbstständige Lebensberaterin und schöner kann es gar nicht sein. Jeder muss für sich entscheiden ob es machbar ist oder nicht aber es ist schwer, sich "hoch zu arbeiten". Es dauert eine Zeit, manches Mal investiert man auch einiges an Geld.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. Mai 2016 at 22:04

      Schön, dass sich dein Weg so toll ergeben hat :).
      Das ist richtig – man muss auf jeden Fall etwas investieren, wenn man es wirklich schaffen will. Wohin es dann aber wirklich führt, weiß man vorher natürlich nie zu 100%.

  • Reply
    annosarusrex
    21. Mai 2016 at 12:23

    ich habe mich letzten dezember auch selbstständig gemacht. es war schon lange mein traum und ich habe das ganze letzte jahr an meinem onlineshop gewerkelt. man muss geduld haben und viel arbeit reinstecken aber es lohnt sich. es ist ein tolles gefühl sich selbst etwas aufzubauen, wovon man vlt irgendwann leben kann.
    ich finde deinen post super und kann mich total damit identifizieren. finde es außerdem gut, dass die gesellschaft sich dahingehend verändert, dass nicht mehr nur status und karriere zählt, sondern dass man das tut, was man leidenschaftlich gerne mag.
    liebste grüße,
    maze
    Shittyfucky Shop

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. Mai 2016 at 22:06

      Es freut mich wirklich sehr für dich, dass du dir diesen Traum erfüllen konntest :)!

  • Reply
    Babyblue
    26. Mai 2016 at 3:34

    Die freie Zeiteinteilung ist bei der Selbständigkeit wohl der größte Luxus. Wobei es natürlich auch auf die Branche ankommt. So ganz frei ist man ja dann doch nie ganz. Aber flexibler auf jeden Fall. Der Nachteil ist das unregelmäßige Einkommen und dass Urlaub und Krankheit eben nicht einfach so abgedeckt sind. Aber ich möchte meine Selbständigkeit nicht mehr missen. Ich könnte im Prinzip von überall auf der Welt arbeiten. Aber man muss sich eben auch immer wieder selbst motivieren. Der Austausch mit Kollegen fehlt mir manchmal schon ein bisschen. Tauschen möchte ich aber nicht mehr 😉

    Liebe Grüße
    Bianca

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      29. Mai 2016 at 22:06

      Wenn man von überall auf der Welt arbeiten kann – das finde ich ist der größte Luxus überhaupt :). Aber natürlich ist immer alles auch mit Risiken verbunden. Da muss man dann halt abwägen was einem wichtiger ist.

      Liebe Grüße!
      VA

    Leave a Reply

    *