valeriannala
meine Worte

Die Diskriminierung der Männer

Ich bin Feministin.
Das heißt übersetzt: Ich bin für Gleichberechtigung.
Und gegen Sexismus.

Das heißt auch, dass ich weiß, dass Sexismus nicht nur in eine Richtung gehen kann.
Vielleicht sind die Ungerechtigkeiten der Männer im Vergleich zu geringerem Lohn oder ständiger Objektivierung Peanuts.
Und doch sind sie da. Kleine feine Dinge, die mir im Alltag immer wieder auffallen.
Unnötige Doppelstandards und Benachteiligungen allein aufgrund des (männlichen) Geschlechts.

Männer bezahlen, Frauen nicht.

Samstag. Party. Ihr wollt in den Club. Er zahlt. Sie nicht.
Sehr oft gibt es immer noch Unterscheidungen bei den Eintrittspreisen. Einfach nur weil einer ein Männlein ist und die andere ein Weiblein.
Klar, die Veranstalter wollen dadurch mehr weibliches Publikum in ihre Hütten locken.
Kein ausreichend guter Grund.
Und dass Männer 10€ bezahlen und Frauen nichts, ist stark übertrieben.
Ein einheitlicher Preis von 5€ für alle. Ich glaube auch Frauen könnten sich das leisten.

Sonntag. Nachmittag. Ein Fußballspiel in Vorarlberg.
Er zahlt Eintritt. Sie nicht.
Mit welcher Begründung?
„Frauen interessiert’s eh nicht.“, gilt schon lange nicht mehr.
Hat jemand noch eine besser Ausrede parat?

Wer hässlich ist, ist halt hässlich.

Wenn Frauen in ihrer Teenagerzeit (oder auch danach) von Pickeln geplagt werden, kann das ziemlich anstrengend sein und auch am Selbstbewusstsein zehren. Aber immerhin gibt es Make up in allen erdenklichen Variationen und wenn man dies richtig einsetzt, kann man damit auch wirklich gut schummeln.
Und wie ist das bei Männern? Kann es für sie nicht auch schrecklich belastend sein, sich mit einem verpickelten Gesicht präsentieren zu müssen? Naja. Deal with it!
Denn Make up für Männer wird zwar vielleicht bei Hollywood Stars akzeptiert, aber beim kleinen Normalo-Mann bestimmt nicht.
Doch was wäre schon dabei? Wenn ein Mann auch ganz selbstverständlich zum Abdeckstift oder Puder greifen dürfte, um zumindest das Schlimmste ein bisschen zu kaschieren?
Das macht ihn ja nicht gleich zur Dragqueen.

Wo sind die „Du bist gut so wie du bist.“-Kampagnen für Männer?

Big news: Männer haben genauso Komplexe.
Sie trauen sich vielleicht in der Öffentlichkeit weniger darüber zu sprechen. Das heißt aber nicht, dass sie insgeheim nicht auch die ein oder andere Körperstelle haben, die sie gerne umtauschen würden. Gewisse Schönheitsideale gibt es auch für Männer. Und diese sind oft genauso unrealistisch wie jene für Frauen.
Entspricht ein Mann nicht dem Schönheitsideal, bekommt er dann die Frau die er will?
Und ist er denn überhaupt ein richtiger Mann, ohne breite Schultern und Sixpack?
Für Frauen ergreifen zumindest wenige Unternehmen wie Dove oder bestimmte Magazine das Wort und versuchen einfach einmal zu vermitteln: „Ihr seid gut so wie ihr seid. Egal mit welchem Körper.“. Aber ich habe bisher noch nie einen Artikel darüber gelesen, wie Männern versichert wird, dass auch sie und ihre Körper okay sind. So wie sie sind.

Welches Shampoo darf ich verwenden?

Vor kurzem waren wir im dm. Mein Freund wollte sich noch ein Shampoo kaufen. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei einer bestimmten Linie auf jeder Flasche eine Frau abgebildet war. Bis auf einer, bei der sowohl Mann und Frau vom Etikett strahlten – das Anti-Schuppen Shampoo.
Allgemeine Frage: Warum brauchen Männer ein anderes Shampoo als Frauen? Haben wir nicht alle einfach Haare? Sogar manche Frauen kurze und manche Männer lange.
Wieso gibt es dann 100 verschiedene Shampoos neben einem einzigen, auf dem oft noch dezidiert „for men“ steht, damit sie ja wissen welches sie auch offiziell verwenden dürfen?
Entweder das gegen Schuppen, das gegen Haarausfall oder die Sports Edition.
Wäre ja schlimm wenn da einer versehentlich nach Pfirsich riechen würde.

Der Mythos des starken Geschlechts.

Im Durchschnitt sind Männer körperlich stärker als Frauen. True. Aber aus diesem Grund die Stärke auf sämtliche Lebensbereiche umzumünzen ist ein Trugschluss, welcher nicht nur für Frauen Nachteile mit sich bringt. Denn dass Männer immer stark sein müssen und nie Schwäche zeigen dürfen – ob im Job oder in der Familie – ist ein Bild, welchem kein menschliches Wesen entsprechen kann. Es sollte endlich nicht mehr länger ein Tabu sein, dass Männer genauso Gefühle haben wie Frauen. Dass Männer genauso das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung haben. Dass manchmal sogar (oder besonders) die größten Machos mit einem geringen Selbstbewusstsein herum rennen.

Feminismus heißt Gleichberechtigung.
Auch wenn das Wort oft missbraucht und in weiterer Folge missverstanden wird.

Und ich würde mir wünschen, dass auch Männer auf Celine Dion stehen dürfen.
Dass auch kleine Jungs mit Puppen spielen dürfen.
Dass Männer auch weinen dürfen, wenn es nicht um Sport geht.
Dass Werbungen Männern nicht ständig suggerieren sie müssten biertrinkende Superhelden mit schnellem Sportwagen sein.
Dass die Gesellschaft nicht mehr länger so stark an dieser strikten Dichotomie festhält.

Es gibt so viel mehr das uns eint, als das was uns trennt.

VA

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9 Comments

  • Reply
    März Mädchen
    1. Mai 2016 at 16:02

    Ich muss sagen, dass ich deinem Post nur in Teilen zustimmen kann. Ganz klar: auch Männer werden diskriminiert, aber gerade das Shampoobeispiel find ich übertrieben. Ich bin froh, dass da unterschieden wird, denn mein Freund will nicht nach Erdbeere riechen und ich nicht nach Moschus. Das hat meiner Meinung nach wenig mit Diskriminierung zu tun sondern viel mehr mit Geschmack und damit, wie der Markt und Marketing funktionieren. Dass es so wenige Shampoos mit Männerbild gibt heißt eben , dass es keinen Markt dafür gibt, bzw. einen kleineren. Die Nachfrage ist halt kleiner und eben eine andere, die Waren reagieren nur darauf. ^^
    Aber ich finde es sehr schön, dass du auf die Diskriminierung der Männer aufmerksam machst! ♥

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      2. Mai 2016 at 7:37

      Vielen Dank für deinen Beitrag! Ich verstehe was du meinst, sehe das aber ein wenig anders. Klar, wenn jemand nicht nach Erdbeere riechen will, soll er das auch nicht. Will ich selbst auch nicht, weil ich den Geruch einfach nicht mag. Aber wieso müssen Männer automatisch nach Moschus riechen? Ich finde es gibt so viele vollkommen 'neutrale' Düfte bei Shampoos und diese dann alle als "Frauenshampoos" zu vermarkten finde ich auch irgendwie falsch. Kann sich doch jeder selbst aussuchen wonach er riechen mag und wenn Männer eben statt einem "Sport-Shampoo" gerne einmal ein Volumenshampoo oder eines gegen Haarschäden hätten – why not?

      Danke 🙂

  • Reply
    makati
    1. Mai 2016 at 16:53

    Mir wurde mal erklärt, dass das mit den verschieden hohen Preisen zumindest bei "Pauschal-Besäufnissen" daher rührt, weil Männer mehr Alkohol vertragen würden als Frauen. Wie weit das biologisch/statistisch begründbar ist, weiß ich nicht(Ich meine irgendwas im Hinterkopf zu haben, dass Frauen mehr Wasser im Körper haben oder so…), aber ich denke, es gibt durchaus auch Frauen, die ganz schön was vertragen. Gleich viel vertragen wie Männer. Mehr vertragen als Männer.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      2. Mai 2016 at 7:41

      Meinst du so eine "Alkohol-Flatrate"? Okay, da würde ich es mir noch irgendwie einreden lassen. Aber ich meine hier eigentlich ganz normale Partys.
      Bei uns in der Stadt gibt es nämlich z.B. regelmäßig eine Veranstaltung bei der Männer 10€ Eintritt bezahlen und Frauen gar nichts. Das ist dann aber wirklich nur für den Eintritt und hat nichts mit dem Alkohol zu tun, weil man sich den drinnen dann sowieso noch einmal extra kaufen muss :).

    • Reply
      Anonym
      2. Mai 2016 at 13:53

      Und dann werden Frauen auch statistisch gesehen öfter eingeladen. 😀

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      4. Mai 2016 at 11:46

      Richtig 😉

  • Reply
    Alina
    2. Mai 2016 at 13:00

    Ein sehr interessanter Beitrag! Ich denke viel über die Gleichberechtigung der Frauen nach, dein Text über die Gleichberechtigung der Männer hat mir nochmal eine ganz andere Perspektive beschafft, aus der ich all das betrachten kann.

    Liebe Grüße <3
    Alina
    http://www.xxiv-diaries.de

  • Reply
    adventuresofamunicorn
    4. Mai 2016 at 12:03

    Sehr interessant, die Seite auch mal von der männlichen Seite aus zu betrachten. Ich bin genau deiner Meinung, dass für Gleichberechtigung sein auch heißt, dass Männer die gleichen Rechte als Frauen haben. Habe mir auch in einem Post erst viele Gedanken zu dem Thema gemacht – aus Frauenseite – da ist mir aufgefallen, das Männer auch von Frauenseite oft einen Karrieredruck zu spüren bekommen, weil sie eben noch oft als die klassischen Ernäher gesehen werden – und auch dass eine berufliche Auszeit, zB. Elternzeit nehmen in vielen Firmen immer noch sehr schwer für Männer ist und einer Kündigung gleich kommt. Liebe Grüße *thea

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