valeriannala
meine Worte

Die Nacht in der ich den Security fi***n sollte

Es war einer dieser Abende auf die man sich schon lange im Vorfeld freut.
Einer dieser Abende, bei denen man sich sicher ist, dass er eigentlich nur gut werden kann.
Leute die man kennt, die letzte Party schon viel zu lange her und Musik, die sich dazu eignet die ganze Nacht die Tanzfläche nicht zu verlassen und am nächsten Tag mit Muskelkater und heiserer Stimme aufzuwachen.

Meistens ist man nicht alleine mit diesem Gedanken. An einem Feiertag. In Vorarlberg. Wo die attraktiven Party-Alternativen für Ü20-Menschen ungefähr so rar sind wie die offenen Lebensmittelgeschäfte in Wien am Sonntag. Der Ansturm beim Billa am Praterstern lässt sich dann so ziemlich mit jenem bei dieser Veranstaltung namens „Love is in the air“ vergleichen.
Von der Liebe in der Luft war jedoch an diesem Abend nicht wirklich viel zu spüren.

Über eine Stunde in der ersten Reihe der Schlange zu warten, ohne dass irgendetwas passiert, wäre ja prinzipiell noch zu ertragen gewesen.
Dass währenddessen gefühlt so viele Menschen über die Gästeliste hinein kamen, wie Feldkirch Einwohner hat – darüber hätte man hinwegsehen können.

Nicht zu ertragen waren jedoch die Männer in Uniform. Wieder einmal.
In Hollywood-Filmen wird suggeriert sie hätten eine anziehende Wirkung auf uns Frauen. Nur leider ist mangelnde Intelligenz und Machtmissbrauch alles andere als sexy.
„Echte Männer“, die professionell ihre wichtige Arbeit leisten. Verantwortung übernehmen. Anstand bewahren, Werte vermitteln und für Sicherheit, Recht und Ordnung sorgen.
Sollten sie sein.

Viel zu häufig sehe ich unter diesen Uniformen jedoch nur Männer mit geringem Verstand und noch geringerem Selbstwert. Männer, die irgendwie versuchen die Wichtigkeit, die sie sonst im Leben nie erfahren haben in ihrem Beruf zu kompensieren. Und leider viel zu oft: zu missbrauchen.
Männer, die erhaben auf jeden herabsehen und in vielen Fällen ihre Grenzen nicht kennen. Sie positionieren sich breitbeinig, fühlen sich besonders, die Zügel in der Hand. Auf jede noch so normale Frage reagieren sie arrogant. Zwischen Mitleid und Hass, weiß ich schon gar nicht mehr wo ich meine Gefühle ihnen gegenüber einordnen soll.
Sie dürfen sich alles erlauben und nichts passiert. Ihr Job, ihre Uniform. Sie sind die Rechtfertigung und der Schutzmantel zugleich. So glauben sie.

Irgendwo abseits der Schlange bemerke ich die Rangelei. Plötzlich sehe ich wie Securities einen Partygast vor sich her schubsen. Ihm an die Kehle greifen und ihn gewaltsam vom Gebäude entfernen wollen.
Irgendwo zwischen diesem Mitleid und Hass, hatte sich bei mir der Drang nach Gerechtigkeit eingependelt. Ich wollte endlich Beweise dafür sammeln, wie diese Sicherheitskräfte zum Teil selbst die größte Gefahr waren. Und begann das Geschehen zu filmen.
Auf der Stelle wagte es keiner der Securities mehr den Mann anzurühren.
Fiel diese Art des Umgangs womöglich doch nicht in ihren normalen Aufgabenbereich?
Einer der Männer kam auf mich zu und schleuderte mir mein Handy aus der Hand, welches somit aus einem Meter Höhe auf den Kiesboden fiel. Ich ließ nicht locker und mein Handy wurde ein zweites Mal auf den Boden geschleudert.
Aber das war ihnen immer noch nicht genug. Der scheinbar Klügste unter ihnen setzte noch einen drauf.

„Hey, wer fickt die Alte denn mal so richtig?“ rief er äußerst charmant in meine Richtung.

Das Problem dabei?
Er hatte sich für diese Aussage eindeutig die Falsche ausgesucht. Denn allerspätestens in diesem Moment war mir klar, dass diese Vorfälle für mich am nächsten Tag nicht einfach erledigt sein würden.

Der junge Mann, der zuvor von den Securities attackiert worden war, reagierte sofort gleichermaßen entrüstet und konfrontierte den Sicherheitsmann. Witzigerweise beteuerte dieser zuerst, dass die Aussage keineswegs verwerflich gewesen wäre und das Wort „sexistisch“ versuchte er nur mit einem arroganten Lächeln niederzumachen, bevor er dann vehement abstritt eine solche Äußerung je getätigt zu haben.
Er versuchte sich irgendwie aus dieser Situation wieder heraus zu manövrieren. Wenig versiert.
Irgendwann sollte man sich festlegen. Ob man einfach nur behaupten will, man habe einen Satz nie gesagt, oder ob man beschließt zu beteuern man hätte jemand anderen damit gemeint. (Was die Sache ja im Prinzip auch nicht viel besser gemacht hätte.).
Am schönsten mit anzusehen war jedoch die Verwandlung vom brüllenden Löwen zum eingeschüchterten Kätzchen, als ich ihn nach seinem Namen oder seiner Dienstnummer fragte. Von einem anderen Security geschützt schüttelte er nur den Kopf, wagte nichts mehr zu sagen und haute ab. Hinein ins Gebäude.
Wo inzwischen keine Schlange mehr stand, weil ein Security im Laufe des Geschehens „Lasst die schnell alle mal hinein!“ in sein Mikrofon flüsterte, kurz bevor die Polizei kam.
Zu viele Zeugen sind ja auch nicht gut…

Wie das Ganze am nächsten Tag weiterging?
Ein Mail an die Firma Securitas und ein Mail an den Veranstalter.
Der Veranstalter schrieb rasch und freundlich zurück, wies mich darauf hin, dass sie verpflichtet wären diese Firma zu buchen und gab mir den Kontakt der zuständigen Person der Stadt Feldkirch.
Von der Firma Securitas bekam ich ein Mail, das mit Standardphrasen nur so vollgespickt war. Prinzipiell war die Kernaussage neben Blablabla: „Wenn viele Leute kommen, dann dürfen halt nicht alle hinein. Unsere Securities haben richtig gehandelt.“
Themaverfehlung.
Daraufhin rief ich ihn an.
Er wollte mich relativ flott abwimmeln, aber ich ließ nicht locker.
Schlussendlich lief es darauf hinaus, dass er mir nicht glaubte, dass tatsächlich so eine Aussage gefallen wäre.
Stimmt. Ich erfinde ständig solche Dinge. Weil mir langweilig ist.
Die einzige vernünftige Antwort nach einem kurzen Hin und Her erhielt ich dann vom Zuständigen der Stadt Feldkirch, der mir versicherte, dass der betroffene Security (immerhin) vom Dienst an diesem Veranstaltungsort suspendiert wurde und eine Anzeige der Polizei läuft.

Sexismus zeigt sich in vielen Formen und sollte in keiner davon toleriert werden. Ich persönlich fühle mich in allem was ich bisher selbstständig erreicht, geschafft, für mich und für andere getan habe verraten, wenn mich wieder einmal ein Mann nur auf meine Äußerlichkeiten und meine Funktion als sexuelles Objekt beschränkt. Mich erniedrigt, bloßstellt. Als ob ich es alleine aufgrund meines Geschlechts nicht verdient hätte mit Respekt behandelt zu werden.
Aus diesem Grund werde ich auch nie aufhören mich gegen solche Vorkommnisse zu wehren. Für mich. Für alle Frauen. Für unsere Gesellschaft.

„Our lives begin to end the day we become silent about things that matter.“
– Martin Luther King

VA

Selbstverständlich ist hiermit nicht verallgemeinernd eine gesamte Berufsgruppe gemeint, sondern eben jene Personen davon, mit denen ich in der Vergangenheit bisher leider viel zu häufig zu tun hatte…

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16 Comments

  • Reply
    Edith Brandtner - Plötzlich Frei
    10. April 2016 at 13:26

    Respekt. Oft wird sich über solche Situationen nur aufgeregt und nicht gehandelt. Danke, das du die Courage Besitz und dies im Sinne der Frauen machst.
    LG Edith

  • Reply
    Ina Degenaar
    10. April 2016 at 15:36

    Sehr guter Text, und deine Haltung ist absolut mutig und konsequent.
    LG
    Ina

  • Reply
    Katja Heinemann
    10. April 2016 at 15:45

    Ich bewundere dich gerade für dein Selbstbewusstein, denn nicht jeder hätte sich getraut, sich mit den großen, dicken Männern anzulegen. Denn ihre Uniform macht uns eben auch Angst und genau das wollen sie doch. Sich wenigstens einmal im Leben großfühlen.
    Schade, dass dein Handy das gedrehte Video nicht gespeichert hatte, damit hättest du bestimmt mehr erreichen können. Denn so wie die Firma den Mitarbeiter schützt, wird er immer wieder das Gleiche machen. Egal an welchem Ort.
    Liebst, Katja
    http://www.amoureuxee.de

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      11. April 2016 at 9:27

      Wenns um solche Sachen geht, dann kann ich selten einfach wegschauen. Wobei meine Mum schon auch gemeint hat ich soll ein wenig aufpassen, weil man nie weiß wozu diese Typen schlussendlich wirklich imstande sind… Aber ich weiß nicht ob es wirklich Selbstbewusstsein oder einfach Urvertrauen in die Sache an sich ist, die mich in solchen Situationen bestärkt.

      Ich konnte eh drei kurze Videos einreichen. Leider sieht man auf denen nicht so viel… Einmal wie sie mir das Handy aus der Hand schlagen und dann alles verwackelt und bei den anderen zwei wie der Typ versucht sich herauszureden und vollkommen widersprüchliche Aussagen von sich gibt. Wie sie den jungen Mann am Anfang behandelt haben, dafür war ich eben leider zu spät…

  • Reply
    Stella
    10. April 2016 at 19:04

    Hallo liebe Valeria Anna,
    mich hat dein Text, ehrlich gesagt gar nicht verwundert und ich kann dir nur zustimmen…
    Ich kenne selber auch mehrere Security Männer/ Frauen und musste feststellen, dass in Berufen wie diese, wo es um Macht und Kontrolle geht, sehr oft Menschen landen, die ihr leeres Leben damit kompensieren und den Beruf zu ihrer Identität machen. Ich glaube, dass das ein großes Problem ist, wenn man sich mehr als Beruf sieht, als als Person…
    Ich finde es sehr schön, dass du das veröffentlichst, weil schweigen ist immer schlecht, besonders weil das solche Menschen oft noch stärkt.
    Alles Gute und Liebe und ich wollte auch mal Psychologie studieren 😀 Immer noch eines der schönsten Gebiete, finde ich. Jetzt studiere ich dafür Kommunikationswissenschaften!
    Stella

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      11. April 2016 at 9:34

      Hallo Stella,

      vielen Dank für deine unterstützenden Worte!
      Genau das ist mir eben auch schon öfters aufgefallen und wenn solche Personen in diesem Beruf landen, dann tut das selten gut…

      Psychologie ist echt ein tolles Feld mit vielen Möglichkeiten! Aber beim Studium an sich hast du meiner Meinung nicht unbedingt viel verpasst 😛
      In Kommunikationswissenschaften habe ich auch den Bachelor gemacht. Danach aber eben nur in Psychologie den Master weitergemacht. Hauptsächlich weil ich keine Lust hatte dann zwei Masterarbeiten zu schreiben – mich nervt die eine momentan grad schon ziemlich ;).

      Liebe Grüße!

  • Reply
    Anonym
    10. April 2016 at 20:59

    Sista, you rock!
    Sehr gut!
    Mir hat Sylvester in Köln zu denken gegeben. Da waren viele Frauen, die sich erst gemeldet haben, als sie gesehen haben, dass andere es auch tun. Was hätten sie sonst getan? Vermutlich gedacht, dass es keinen Zweck hat, was zu sagen. Das eh keiner hilft. Dass es sich ganz blöd anfühlt – aber ja keine "echte" Vergewaltigung ist – und wahrscheinlich nicht strafbar.
    Und genau durch Frauen wie Dich – die sagen "Das geht sowas von gar nicht!" kommt es an, dass Sexismus – in Wort und Tat – tatsächlich nicht geht. Es kommt an bei Frauen. Und bei Männern. Bisher ist sowas als "Stell-Dich-nicht- so -an"- Kavaliersdelikt gehandhabt worden. Und das ändert sich gerade. Respekt, Sista – und liebe Grüße!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      11. April 2016 at 9:38

      Jep, ich muss sagen genau vor solchen "Stell-dich-nicht-so-an"-Kommentaren hatte ich beim Veröffentlichen dieses Beitrags ein wenig Angst. Umso mehr freut es mich, dass diese (bisher) ausgeblieben sind und ich weiß auch wie wichtig es ist sich von solchen "Verharmlosern" nicht einschüchtern zu lassen.

      Danke, Sista :)!

  • Reply
    Sabine
    11. April 2016 at 9:28

    Chapeau, dass du nicht aufgegeben hast!

  • Reply
    tamatheunicorn.com
    11. April 2016 at 13:06

    Viel mehr als "WORD" fällt mir dazu nicht ein. Selten etwas so treffendes gelesen!
    Finde das echt gut, das du dafür einstehst, würde ich selbst nicht anders machen!
    Liebe Grüße
    Tama <3

  • Reply
    shopping-gossips
    13. April 2016 at 15:23

    Ganz schön heftig, was sich einige aus dem Security Bereich heruasnehmen. Unmöglich. Respekt für deine Haltung!
    Liebe Grüsse,
    Svenja / strasskin.com

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