valeriannala
meine Worte

Du bist Dreck im Wind

Kinder sind sorglos. Meistens zumindest. Sie denken noch nicht an Jobs, Ausbildungen, den perfekten Körper oder Beziehungsprobleme. Sie leben einfach in den Tag hinein. Kleine Hürden des Alltags sind für sie zwar kurzfristig oft dramatische Schicksalsschläge, welche mit Geschrei und Tränen untermalt werden müssen, aber Sekunden später ist die Welt sowieso wieder vollkommen in Ordnung.

Aber irgendwann. So mit der Zeit. Und vielleicht auch nicht bei allen. Schleicht sich da etwas ein. Schiebt sich etwas dazwischen. Verdrängt die Sorglosigkeit und richtet sich als ungebetener Gast ein schönes Plätzchen bei uns ein. Die Angst. Diese dreckige kleine Angst, welche ich persönlich eigentlich noch gar nicht so lange wirklich gut kenne und welche trotzdem irgendwie schon eine sehr alte Bekannte ist.
Denn sie äußert sich in vielen Formen. Nimmt unterschiedliche Gestalten an, macht sich manchmal auf den ersten Blick unkenntlich und überfällt ihre Opfer wenn sie es am wenigsten erwarten. Und doch sind sie irgendwie alle gleich. Ängste.
Sie lähmen, betäuben. Verdrängen Hoffnung, Antrieb und Lebensfreude. Weil da dann nichts anderes mehr ist. Nichts anderes als diese scheiß Angst. Sie macht uns schwach, passiv und unbeholfen. Weil Angst kein guter Nährboden ist. Kein guter Nährboden für Wünsche, Träume, Leichtigkeit.
Und es wird gefährlich. Gefährlich, wenn wir uns der Angst hingeben, in ihr versinken. Weil sie uns hinunter zieht. Wie Treibsand. Bis nur noch unsere Fingerkuppen an der Oberfläche zu sehen sind und wir versuchen irgendeinen Strohhalm der Hoffnung zur erhaschen.
Angst ist ein Anästhetikum. Ohne g, aber mit ähetikum. Und ihr einziges Antibiotikum eine große Portion Scheißdrauf, Gelassenheit und Vertrauen. In was auch immer.

„Wovor hast du Angst, mein Mäuschen? … Was kann schlimmstenfalls passieren? Wir landen alle mal als Brösel in ner Urne. Pff, is ja wirklich ganz schlimm. Wir sind nur Dreck im Wind, du doofer Idiot!“

Neben Koks, Nutten, ein bisschen Schriftstellerklischees, abgefahrenen Liebesbeziehungen und ganz viel Titten haut ‚Californication‘ doch immer wieder einmal mit Weisheiten um sich. Wenn man sie denn so nennen mag…
Auch wenn unsere Vorstellung von uns selbst eher „King of the World“ als „Dreck im Wind“ gleicht, schadet es vielleicht nicht uns selbst manchmal ein wenig den Druck zu nehmen. Nicht alles wirklich so eng zu sehen, so wichtig zu nehmen. Sich einzugestehen, dass wir nie alles und jeden zu unseren Gunsten kontrollieren können und daher immer ein gewisses Restrisiko besteht verletzt zu werden. Ob das nun körperlich, psychisch oder finanziell sein mag. Manches liegt nicht in unserer Hand. Manches fliegt.
Auch wenn wir jeder als Individuum sehr besonders sind, so sind wir doch auch in gewisser Hinsicht tatsächlich Dreck im Wind. Schöner, wertvoller Dreck. Der aber von heute auf morgen seine Richtung ändern kann. Von heute auf morgen einen anderen Kurs einschlagen kann.

Angst ist ein kleiner Schutzmechanismus. Damit wir
nicht einfach gedankenlos von einer Klippe springen. Ansonsten ist sie
jedoch so ziemlich das Sinnloseste und Dümmste was wir uns selbst antun
können.

Ein Anästhetikum. Ohne g, aber mit ähetikum.
Betäubend.
Kräfteraubend.
Treibsand.
Der uns weismachen will, dass wir dazu verdammt sind zu leiden.

Lass uns Strohhalme der Hoffnung erhaschen.
Strohalme von Scheißegal, von Gelassenheit von Vertrauen.
In was auch immer.
In wen auch immer.
Um frei zu sein…
…für das was sich Leben nennt.

VA

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2 Comments

  • Reply
    Ziska
    16. Juni 2015 at 12:31

    Beim Beginn vom Text hab ich leicht mit dem Kopf genickt, zustimmend, dann hab ich bei Angst und ständiger Begleiter, der immer im falschen Moment auftaucht, kurz gezuckt, genau das denke ich auch immer!
    Und dein Text bleibt nicht gelähmt vor dieser Angst stehen, sondern findet Wege, ihr aus dem Weg zu gehen. Die ich noch nicht gefunden habe…
    Wieder mal Kind sein. Sorglos. Frei. Einfach machen, was man will. Aber nur einen Tag lang. Denn das Erwachsensein hat auch ziemlich viele Vorteile – ohne Angst.
    Danke für diese Worte. ♥
    Ziska

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      19. Juni 2015 at 12:37

      Sehr schöne Ergänzung – danke dafür :)!

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