Ich glaube nicht, dass es Phasen waren. Trauerphasen. So wie man das in Filmen oder Serien immer wieder sieht. Leugnen, Trauer, Wut,… und am Schluss die Akzeptanz.
Ich glaube, dass es bei mir von Anfang an immer ein bisschen von allem war. Überschattet von Unverständnis. Und Hilflosigkeit. Ganz viel davon.

Wenn man weiß, dass ein über alles geliebter Mensch bald sterben wird, dann hat man zumindest Zeit, sich darauf vorzubereiten. Ein großer Vorteil, sagt man. Vielleicht, ja. Nur weiß ich nicht, ob ich dieses Auf und Ab, dieses ständige Klammern an jeden noch so kleinen Hoffnungsfunken damals als Vorteil sehen konnte. Denn im Nachhinein fühlt man sich vom Leben verarscht. Dafür, dass man so sehr mit sich und gemeinsam mit ihr gekämpft hat. Dafür, dass man so sehr gelitten, sich Sorgen gemacht und sich Möglichkeiten überlegt hat.
Denn am Ende war da sowieso nur eines: Leere.
Und man fragt sich, wofür man sich das alles überhaupt angetan hat.

Wir hatten Zeit uns vorzubereiten. Die Frage aber ist, ob man denn je bereit sein kann.
Und ob man nicht eigentlich immer bereit sein müsste.

Seit sie weg ist, denke ich viel öfter über solche Dinge nach. Viel zu oft wahrscheinlich. Darüber, dass ich mich von geliebten Menschen jedes einzelne Mal so verabschieden sollte, als bestünde zumindest die geringste Chance, dass ich sie nie wieder sehe. Bei jedem Streit denke ich mir, oft mittendrin, ob mir nicht einfach alles egal sein sollte. Denn schließlich liebe ich diesen Menschen. Immer. Und alles andere ist doch völlig belanglos.
Aber das ist er eben, dieser schmale Grat, den man gehen muss. Zwischen ständig an die Sterblichkeit zu denken und sie völlig auszublenden.
Normalerweise sind wir ganz gut darin. Im Ablenken. Damit es uns nicht überwältigt. Das soll so sein.

Seit sie gegangen ist, bin ich nicht mehr ganz so gut darin. Denn seit sie gegangen ist, gestern vor drei Jahren, versuche ich zu begreifen. Und sobald man versucht zu begreifen, hat man wohl sowieso schon verloren.
Ich schaffe es inzwischen sehr gut, längere Zeit nicht daran zu denken. Aber wenn ich daran denke, dann sind da immer noch Wut, Trauer, Unverständnis. Umgeben von einer monotonen Hilflosigkeit.
Auch Akzeptanz. Man merkt irgendwann, dass einem sowieso nichts anderes übrig bleibt. Man merkt, dass der Tod einem die unvermeidliche Endgültigkeit ins Gesicht schlägt. Eine Endgültigkeit, die man so nicht kennt. Denn im Leben können wir Fehler machen und es wird uns verziehen. Wir können Jobs kündigen und finden andere. Können Ehen beenden und uns wieder neu verlieben. Aber wenn ein Mensch stirbt. Dann ist er weg. Und die damit verbundene Endgültigkeit ist wohl das was am meisten schmerzt.

Drei Jahre ist es her. Und erst jetzt. Langsam. Langsam komme ich an den Punkt an dem ich merke, dass sie wohl wirklich nie wieder zurück kommt. Dass das jetzt das Leben ist. So wie es ist. Ohne sie. Ohne ihre Umarmungen. Ohne ihr Lachen. Ohne ihre verrückte Art und ohne ihre unerfüllten Träume.
Akzeptanz. Eine bittere. Gegen die ich eigentlich rebellieren möchte, die mich aber schon zu sehr abgestumpft hat.

Ich würde mich ja wehren, gegen das alles. Ich bin schließlich bekannt dafür, dass ich bei wichtigen Angelegenheiten lieber einmal zu viel den Mund aufreiße als einmal zu wenig.
Aber hier bin ich machtlos. Ich akzeptiere das, größtenteils. Sie wird nie mehr wieder kommen. Egal wie oft ich mir das sehnlichst wünsche. Egal wie oft ich mir für einen kurzen Augenblick denke, dass sie jeden Moment vor der Tür stehen könnte. Ich akzeptiere es. Größtenteils. Und trotzdem ist da immer noch Wut. Trauer. Unverständnis. Hilflosigkeit.

Du solltest jetzt eigentlich hier sein.
In besonderen Momenten, besonderen Umschwungs-Lebensphasen vermisse ich dich nämlich am meisten.
Und manchmal auch einfach zwischendurch. Wenn ich weine und zuerst nicht weiß warum und dann merke, es ist wegen dir.

Weil für immer etwas fehlt.

VA

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