valeriannala
meine Worte

Genialität so rar wie Wasser in der Wüste

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“
– Pablo Picasso

Diesen Spruch habe ich zum ersten Mal irgendwo in Wien groß an eine Wand geschrieben gelesen und leider nicht sofort abfotografiert.
Trotzdem hat er mich zum Nachdenken gebracht.
Trotzdem habe ich mich bei einer meiner fast täglichen Straßenbahn-Gedankenreisen wieder einmal gefragt, warum in unserer Gesellschaft die Ästhetik regelrecht von allem was scheinbar „wichtiger“ ist aufgefressen wird.
Warum Kunst -ob diese nun Farbe oder Worte auf Papier, Melodien in der Luft oder Fotos an einer Wand sind- nur von einer Minderheit wirklich wahrgenommen und geschätzt wird.

Wie viele Menschen sind unsensibel gegenüber der Genialität, die sich in manchen Songtexten wiederfindet? Zum Teil weil sie nicht einmal wirklich hinhören. Zum Teil weil sich geistreiche Phrasen à la „Oh I think that I found myself a cheerleader.“ besser zum herum grölen eignen.
Genauso wie man für die ‚Heute‘, ‚Österreich‘, ‚Vorarlberger Nachrichten‘ und wie die Zeitungen alle heißen, scheinbar nicht zu wissen braucht wie man drei sinnvolle Sätze aneinanderreiht.
Manche YoutuberInnen werden reich, weil sie mit einer piepsigen Stimme eine halbe Stunde lang ein Kleidungsstück nach dem anderen vor die Kamera halten und beschreiben wie es aussieht. Ich frage mich manchmal ob hier die eigentliche Zielgruppe Menschen mit einer ernsthaften Sehbehinderung sind, oder ob sie einfach gerne reden um ihr Tagespensum an Worten zu erfüllen.
Manche BloggerInnen sind erfolgreich und schreiben ungefähr so wie eine 8-Jährige ihre Schulaufsätze und es gibt Menschen die ein Luxusleben führen, weil sie in TV-Sendungen mitspielen die zur Volksverblödung führen.
Warum?
„Ja weil das halt das ist was die Leute, sehen, hören, lesen wollen!“ So einfach wie möglich, so banal wie möglich, damit man ja keine kognitiven Ressourcen verschwenden muss.
Ich verstehs‘ ja. Irgendwie zumindest. Wenn es mir schlecht geht oder ich erschöpft bin schaue ich mir auch keine wahnsinnig intellektuellen Filme an, sondern bleibe bei der Kitsch-Komödie. Das ist ja auch okay.
Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mehr und mehr irgendwo weit hinten auf der Strecke die Qualität liegen geblieben ist. Die kreative Qualität, die tiefgründige, die nicht nur sachte an der Oberfläche kratzt. Geschichten, statt Floskeln. Herausragendes, statt Einheitsbrei. Bewegendes, statt auf primitivste Art und Weise Schockierendes.

Mir fehlt die Wertschätzung der Kunst in all ihren Facetten.
Die Wertschätzung dessen, was einen zum Staunen bringt und nicht zum Gehirnzellenabbau.
Mir fehlt die Tiefe.

Zu viele Seelen voller Alltagsstaub.

VA

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5 Comments

  • Reply
    Ziska
    20. Juni 2015 at 10:43

    Du schreibst, was ich tagtäglich denke. Ich lese seit ein paar Jahren Blogs und es hat sich viel geändert. Von den tiefgründigen Geschichten sind ein, zwei Sätze übrig geblieben, die dann zum gesponserten Produkt überleiten. Nicht mehr die Texte zählen, sondern nur noch das Outfit auf den Fotos. (Aber hier muss gesagt sein, ich hab nichts gegen schöne Fotos! Da steckt ja immerhin auch Arbeit und Kunst drin. Und nicht jeder Blogger ist so. Aber viele.)
    Und YouTube, Quantität, statt Qualität ist wohl leider die Devise. Es scheinen nur noch die Klicks zu zählen, nicht mehr, etwas Wichtiges oder Interessantes, und vor allem etwas Neues, Kreatives an andere Menschen weiter zu geben.
    Aber dein Blog z.B. zeigt dass es noch möglich ist, nicht in dieser Welt verloren zu gehen. Dass Gedanken noch zählen und Worte noch gelebt werden. Darüber bin ich froh, denn sonst würde ich mich sehr allein fühlen mit meinen Texten (auch wenn viele in den Entwürfen bleiben – einfach weil ich immer denke, dass sie nicht gut genug für diese Internet Welt sind.)
    Mach weiter so. Bleib ehrlich, schreib was dich bewegt.
    Ich freu' mich über jeden neuen Blogeintrag von dir. 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. Juni 2015 at 18:17

      Wieder einmal DANKE für deinen Kommentar <3!

      Genau so ist es leider. Ein paar Bilder von irgendwelchen Outfits mit ein paar lieblosen Sätzen à la "Das ist ein rotes T-Shirt und eine blaue Jeans. Heute war ich im Kino damit. Wuhu." darunter scheint vielen zu reichen und was sich da auf Youtube so abspielt probiere ich erst gar nicht mehr zu verstehen :D. Kopfschütteln und "wtf" erzeugen da die meisten Videos dieser ganzen bekannten YoutuberInnen.
      Gott sei Dank sind aber -wie du sagst- nicht alle so und man darf sich hin und wieder über ein paar wenige Ausnahmen freuen ;).

      Dankeschön. Ich werde auf jeden Fall so weitermachen und nicht anders :).

  • Reply
    Lea
    1. Juli 2015 at 9:13

    Liebe Valeria,

    Ich sehe das sehr ähnlich!
    Ich bin sehr gern kreativ, sei es beim Fotografieren, Schreiben, Entwerfen… und klar, bekomme ich dafür Komplimente und habe so meine Bewunderer, aber ich finde es trotzdem immer wieder traurig zu sehen, dass Manche sehr viel mehr Erfolg mit dem haben, in dem sie genau das posten, was die Leute sehen wollen.
    Natürlich weiß ich auch, was die Leute sehen wollen – aber ich möchte eben genau die Werke teilen, auf die ich stolz bin, nicht die, die besser ankommen.
    Einerseits bin ich stolz darauf, dass die Masse mich nicht verbiegen kann, andererseits bin ich manchmal neidisch auf den Erfolg von solchen Leuten.
    Und dann schäme ich mich dafür, so zu denken.
    Vielleicht verstehst du ja, was ich meine 🙂

    Davon ab lese ich mittlerweile nur noch sehr wenige Blogs, denn ich habe diese Wandlung von liebevollem Blog in kommerzielle Plattform satt.
    Youtube meide ich sowieso.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      2. Juli 2015 at 13:33

      Hey Lea,

      ich verstehe dich vollkommen. Du musst dich absolut nicht schämen so zu denken, weil du damit ganz bestimmt nicht alleine ist. Nur glaube ich einfach, dass ich für mich keinen Erfolg haben möchte mit dem ich mich nicht wohl fühle bzw. auf den ich persönlich nicht stolz sein kann, weil er eigentlich nicht das ist was ich gut finde oder wo ich auch dahinter stehe. Verstehst du was ich meine? Natürlich ist die Versuchung immer sehr groß einfach nachzugeben und mit der Masse mit zu schwimmen. Aber da muss man einfach stark und sich treu bleiben, sonst gibt es irgendwann da draußen ja gar nichts mehr das einen zum Staunen bringt :).

      Liebe Grüße,
      VA

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      2. Juli 2015 at 13:35

      PS.: Fast vergessen – mir gefällt übrigens sehr was du auf deinem Blog so alles publizierst :)!

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