valeriannala
meine Worte

Genieß es!

Ich grabe die Hände in den Sand. Nasser Sand. Weicher, weißer Sand. Meine Zehen spielen mit dem Wasser. Klares, salziges Wasser. Ich sitze da in meinem Ganzkörperanzug. Quallenschutz, haben sie gemeint. Es stört mich nicht. Immerhin muss ich mir so keine Gedanken um genügend Sonnenschutz machen. Entspannen. Vor mir, neben mir, um mich herum das Meer. Ein Horizont, die Weite. Unter mir der Sand. Ich grabe die Hände hinein. Hole mir eine Handvoll heraus. Lass ihn durch die Finger rieseln. Grabe die Hände wieder in den Sand. Anfang und Ende. Ende und Anfang. Nur der Sand, das Meer und ich.
Zum ersten Mal seit langem habe ich das Gefühl genau in diesem Moment genau am richtigen Ort zu sein. Nämlich hier. Und jetzt.
Ich werde ruhig. Ich fühle. Die Nässe, die Wärme, die kleinen Wellen, die an mir brechen. Happy place. Darüber sprechen doch immer alle. Das hier muss er sein. Mein Happy place. Zumindest für diesen Moment. Zumindest für diesen Moment bin ich vollkommen glücklich.

„Genieß es!“, gibt man Reisenden immer gerne mit auf den Weg. Und ich habe viele von diesen „Genieß es!“ gehört, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe. Die ersten zwei Wochen waren dann vielleicht nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich wollte mich eigentlich vom Master-Abschluss-Stress erholen und den ganzen „Genieß es!“ folge leisten. Die ersten paar Tage in Australien hat mich der Jetlag dann jedoch ziemlich mitgenommen, danach mussten wir dummerweise eine Nacht am Flughafen in Neuseeland verbringen, was dem Schlafrhythmus auch nicht unbedingt half. Direkt gefolgt von einem Tag an dem ich mein Handy verloren, verzweifelt gesucht und dann (längere Geschichte) fünf Stunden später wiederbekommen habe. Am selben Abend war das Erdbeben. Wieder kein Schlaf. Zwei Nächte schlaflos in Wellington.
Danach wurde ich krank. Nicht schlimm. Nur eine klassische Erkältung. Der Schlafmangel hat sicher seinen Beitrag dazu geleistet. Verzichtet haben wir auf unser Programm jedoch trotzdem nicht.
Nach einer Wanderung dann der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens. Im Gesicht. Vollkommene Entstellung. Und zum Schluss überfahren wir noch einen Stein und hätten beinahe unser Mietauto geschrottet.

„Genieß es!“ hieß es. Zu Beginn sah es für mich jedoch absolut nicht nach genießen aus. Aufregend. Ja. Wertvolle Erfahrungen, neue Eindrücke, ein beeindruckendes Neuseeland. Ja. Ja. Und ja. Aber vom entspannten Genießen konnte noch nicht wirklich die Rede sein.

Dann wieder zurück nach Australien. Nach und nach ließ die Anspannung nach. Mehr und mehr kam ich zur Ruhe. Ich begann Momente aufzusaugen. Bewusst innezuhalten, um sie zu zelebrieren. Ich machte mir immer wieder bewusst wie glücklich ich mich in diesen Momenten schätzen konnte. Wie wertvoll das alles war. Zehn Wochen der Welt zu Hause einfach einmal den Rücken zukehren. Den Winter ein wenig verkürzen. Unbeschwert sein. Jeden Tag einfach leben. Und nicht „zerdenken“. Nicht von einem Punkt auf der To-Do-Liste zum nächsten springen. Und wenn es To-Do-Listen gab, dann nur voll mit schönen neuen Orten und Dingen die entdeckt werden wollten.

Ja, ich begann zu genießen. Im Hier und Jetzt. So wie es einem immer gepredigt wird. So wie ich bisher gedacht hatte es wäre gar nicht möglich.

Die letzten Tage dann. Es schmerzte. Ja es hatte noch nie so sehr geschmerzt – das Ende einer Reise. Ich wollte noch weiter. Wollte alles über den Haufen werfen und einfach den nächsten Flug buchen. Wenn man einmal genießt, dann wird man süchtig. Süchtig nach einem Leben, welches mehr ist als nur das Reden über irgendwelche Abschlüsse und nächsten Karriereschritte. Stattdessen reden über schon gesehen Orte und wohin der nächste Flug geht.
Die letzten Tage. Es schmerzte. Ja es hatte noch nie so sehr geschmerzt – das Ende einer Reise.
Und jedes Mal wenn ich mir die Fotos ansehe schmerzt es wieder – das Ende dieser Reise.

Wohin geht die nächste?

VA

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4 Comments

  • Reply
    modelirium
    1. Februar 2017 at 16:35

    ich kann deine worte komplett nachvollziehen 🙂
    danke, dass du mich/uns auf instagram mitgenommen hast. tat gut, ein wenig dem alltag zu entfliehen 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      5. Februar 2017 at 18:03

      sehr gerne, würde ich auch am liebsten immer noch 😀

  • Reply
    DieReiseEule
    13. Februar 2017 at 20:31

    Sehr schöner Text. Das Gefühl kenne ich.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Februar 2017 at 9:41

      Dankeschön 🙂

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