valeriannala
meine Worte

Herz täubt Hirn

Es regnete. Leichte Schauer. Wieder einmal ein Tag, an dem das Grau in den sicheren Armen von Grau lag. Man ist sich dann nie sicher ob es wirklich einen Himmel gibt, oder die Gebäude einfach unendlich hoch sind. Denn der Himmel arbeitet an solchen Tagen undercover. Wie ein Chamäleon passt er sich der Stadt an und beobachtet das Treiben der kleinen Ameisen.
Dort wo sie wohnte war das keine Seltenheit. Ab einem gewissen Monat im Jahr findet man sich gezwungenermaßen mit der Einfarbigkeit der Welt ab und versucht zumindest die Gedanken bunt zu halten.

Man könnte also sagen es war ein Tag wie jeder andere. Und doch war nicht alles wie immer. Und doch war es keiner dieser Abende, welcher irgendwo zwischen dem Alltag und dem Schlafen untergeht und genauso aussieht wie schon Tausende zuvor.

Die Stimmung kam ihr bekannt vor.
Früher hatte sie sich selbst und andere immer gefragt wie es denn aussieht, dieses „Auf sein Herz hören.“. Sie hatte sich nie vorstellen können, wie so etwas möglich sein sollte. Ob man sich da langsam auf die Brust klopft und nachfragt ob denn jemand zu Hause ist. Oder ob man vielleicht sogar das Stethoskop auspacken muss, um überhaupt Chancen zu haben. Irgendwann hat sie dann aber festgestellt, dass sie gar nicht so engagiert sein muss, um das Herz zu hören. Denn tatsächlich hört man es gar nicht. Man fühlt es. Und je öfter und besser man „hinfühlt“ desto mehr beginnt man zu verstehen, wann das Herz einem dringend etwas sagen möchte.

Als sie das erste Mal auf ihr Herz hörte… Nein, als sie das erste Mal ihr Herz fühlte, hat sich ihr Leben verändert. Von 0 auf 100, oder von 100 auf 0 -wie man möchte. Und es waren keine Worte die sie gehört hat. Es war kein Klopfen, kein Rütteln, kein Schubsen. Es war wie eine innere Kraft, die sie in eine ganz bestimmte Richtung drängte. Eine Kraft, welche man schwer ignorieren konnte, weil sie das Einzige war, das noch stärker war als rationale Gedanken. Stärker als jede Pro und Contra- Liste. Stärker als alles, was sich da oben im Lang- oder Kurzzeitgedächtnis abgespeichert hatte.

Während ihre Gedanken noch im Kreis liefen, sich manchmal wieder umdrehten, hin und her taumelten und keinen Ausweg sahen, wusste das Herz bereits ganz genau was zu tun war und ärgerte sich dumm und dämlich, das niemand auf es hörte. Niemand hinfühlte. Bis es ihm dann aber zu blöd wurde, das Hirn lahm legte und die Zügel selbst in die Hand nahm.

Nun war sie wieder da. Diese Stimmung. An diesem regnerischen Abend, getunkt in grauer Suppe. Sie verließ das Haus und in ihrem Kopf versuchte jeder einzelne Gedanke sie zurück zu halten. Tausend Stimmen die ihr sagten es wäre ein Fehler, es wäre verrückt -in jederlei Hinsicht. Aber das Herz setzte wieder einmal alle außer Gefecht. Wie ein Anästhetikum. Damit es ganz alleine seinen großen Aufritt hat und wirken kann.

1000 Gedanken die ihr sagten „Bleib da!“.
1 Gefühl das ihr sagte „Geh!“

Und sie ging.

VA

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16 Comments

  • Reply
    Maribel
    19. Oktober 2015 at 12:54

    Gänsehautschauer – einer. nach. dem. andern! ♥

  • Reply
    März Mädchen
    19. Oktober 2015 at 18:18

    Oh wow so wunderbar geschrieben und so 100%ig getroffen *_* hach ich liebe deine Worte einfach ♥

  • Reply
    Michelle R.
    19. Oktober 2015 at 19:41

    Wunderbarer Text und total passende Fotos! <3

    LG, Michelle ♥
    http://www.michier.blogspot.com

  • Reply
    Kristy K
    21. Oktober 2015 at 16:04

    Wunderschöner Text …. wow!

    Auf meinem Blog läuft gerade eine Blogvorstellung ! Dieses mal werden die Gewinner ausgelost, so dass jeder eine Chance hat! Würde mich sehr freuen, wenn du mitmachen würdest!

    Liebste Grüße,
    Kristine von KRISTY KEY

  • Reply
    kerstinix
    22. Oktober 2015 at 14:40

    Oh wow. Wie wundervoll geschrieben. Das trifft einen mitten ins Herz – du hast wirklich schöne Worte gefunden!

    Love, kerstin
    http://www.missgetaway.com/

  • Reply
    siblingsscrapbook
    22. Oktober 2015 at 17:59

    Wahnsinnig schöner Text und sehr hübsche Bilder 🙂

    http://siblingsscrapbook.blogspot.co.at

  • Reply
    Ziska
    22. Oktober 2015 at 19:43

    Wundervolle Worte. Und schön, dass dein Herz gesiegt hat. Obwohl es allein gegen 1000 Gedanken kämpfen musste.
    Ich hab vor kurzem gelesen, dass unser Bauch auch ein kleines Gehirn ist. Deswegen ist es gar nicht so verkehrt, wenn wir "auf unseren Bauch hören."
    Ich hoffe, du bist glücklich mit deiner Herz-Entscheidung.
    Die grauen Tage kenn ich übrigens nur zu gut. Danke, dass du wieder meine Gedanken in wunderschöne Worte gepackt hast. 🙂
    Liebst, Ziska

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      26. Oktober 2015 at 10:12

      Oh echt? Na dann sollte man da tatsächlich darauf hören :D!

      Sehr gerne, danke <3 🙂

  • Reply
    andysparkles
    3. November 2015 at 10:18

    So ein schöner Beitrag!

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