valeriannala
meine Worte

Ich muss mich neu verlieben

Sommerpause.
Es kam die Frage auf, ob mein Blog denn eine Sommerpause einlegen würde.
Im Nachhinein kann man es vielleicht so nennen. Geplant war das Ganze jedoch nicht wirklich.
Dass ich anfangs des Sommers viel zu tun hatte und jetzt gegen Ende ein wenig Freizeitstress genoss, waren nicht die einzigen Gründe, warum das Bloggen in den Hintergrund gerückt ist.
Es war viel mehr eine innere Blockade und es gab für mich zwei Möglichkeiten mit dieser Blockade umzugehen: Sie zu verdrängen oder sie zu ergründen. Ich war hin- und hergerissen. Wollte irgendwie beides. Verdrängen war dann aber einfacher. Wie so oft. Verdrängen ging eine Zeitlang gut. Solange ich mit genug anderen Dingen beschäftigt war.
Aber je länger ich nichts geschrieben habe, desto enttäuschter war ich von mir selbst, desto stärker fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Genau dieser ständige Druck und diese ständige Enttäuschung waren für mich ausschlaggebend, mich mit der Frage zu beschäftigen, wohin die Reise mit meinem Blog denn überhaupt noch gehen sollte. Ob ich weitermachen möchte, oder eigentlich schon längst die Freude daran verloren hatte.
Ich war kurz davor alles hinzuschmeißen, zwei Tage später motivierter denn je so richtig durchzustarten und kurze Zeit danach wieder bereit der Bloggerwelt für immer den Rücken zuzukehren.
Eines war für mich jedoch klar: Entweder ganz oder gar nicht.

Ich muss zugeben „gar nicht“ wäre eine unglaubliche Erleichterung für mich. In vielerlei Hinsicht. Weil dann nichts mehr von mir erwartet werden würde und vor allem: Ich selbst nichts mehr von mir erwarten würde. Einfach aussteigen aus diesem Zwang, aus diesem teils schon ziemlich absurden System und dem Gefühl sich ständig mit anderen vergleichen zu müssen. Ja, es wäre eine Erleichterung. Eine Sorge weniger.
Ich habe mir immer schon schwer getan mich in dieser Blogosphäre zurechtzufinden. Umgeben von so vielen Fashion-, Beauty-, Lifestyle-Blogs, mit welchen ich mich eindeutig nicht identifizieren konnte. So ein Mädchen bin ich nicht. So eine Frau bin ich nicht. Und jedes Mal, wenn mich jemand auf meinen Blog ansprach und ihn im gleichen Atemzug als „Modeblog“ abstempelte, gab mir das einen kleinen Stich ins Herz. Hat der überhaupt jemals gelesen, worüber ich schreibe? Hingesehen, was mir wirklich wichtig ist, wo ich mein ganzes Herzblut hinein stecke? Mode war für mich immer zweit- ja eigentlich sagen wir fünftrangig. Wenn plötzlich 100e Blogposts mit einer rosa Bomberjacke auftauchen, kann ich nur den Kopf schütteln, ich finde die Preise der meisten Markenprodukte einfach nur lächerlich und ich war schon öfters vollkommen überrascht, wie viele Beauty-Produkte sich manche Mädls jeden Tag ins Gesicht schmieren.
Ich bekam von vielen in meinem Umkreis das Label „Bloggerin“, verbunden mit all diesen Vorurteilen, die zwar tatsächlich einige Bloggerinnen bestätigen, aber einfach nicht auf mich zutreffen.

Auch merkte ich vermehrt, dass das was scheinbar die meisten da draußen lesen oder sehen wollen, nicht das ist was ich bieten kann. Auf Recherchen herauszufinden was gut ankommt und was Erfolg bringt, bin ich auf einige Dinge gestoßen, die ich zwar auch so machen hätte können, aber sich einfach nicht mit dem vereinbaren lassen hätten, was und wie ich bin. Denn auch wenn ich es manchmal vielleicht ansatzweise versucht habe, ich kann und will mich nicht auf eine Art und Weise präsentieren, die mir und meinen Werten nicht entspricht. Ich will dass mein Blog zu 100% ich bin. Deswegen habe ich es satt mich in eine Ecke drängen zu lassen, in der ich mich definitiv nicht wohl fühle. 

Punkt 1 meiner Blockade gleicht also praktisch jenen philosophischen Fragen, mit denen sich wohl jeder während seines Lebens einmal konfrontiert sieht: Wer bin ich? Und wo auf dieser Welt ist Platz für das was ich bin? – Nur eben auf meinen Blog umgemünzt: Wer ist mein Blog? Und wo in diesem www ist Platz für das was er ist?

Punkt 2: Ich will keine Blogger-Klischees übergestülpt bekommen, sofern sie mir nicht entsprechen. 

und Punkt 3: Ich habe mir „erfolgreiche Blogs“ angesehen und mich immer wieder darüber geärgert, wieso ich mir bei meinen Texten immer so viel Mühe gebe, wenn andere praktisch davon leben, nur schöne Fotos zu haben.  
(Selbstverständlich nicht alle! Es gibt einige wunderbare Blogs, die mir Hoffnung machen.)

Ein weiterer Punkt war wohl, dass ich in Gedanken schon tausende Texte begonnen und sie dann immer wieder verworfen habe. Weil dann ja der oder die, das oder jenes denken könnte. Es hat mich genervt, wenn mich Leute gefragt haben für wen ich denn den letzten Text geschrieben hätte. Oder wenn mich jemand gefragt hat, ob es mir denn schon gut gehen würde, weil er irgendetwas in bestimmte Sätze hineininterpretiert hatte. Ich teile meine Worte gerne mit anderen, aber ich will mich einfach „im echten Leben“ dafür nicht ständig rechtfertigen müssen. Manchmal schreibe ich meine Gedanken nieder, manchmal inspirieren mich reale Gegebenheiten zu fiktiven Texten, manchmal schreibe ich aus der Sicht eines anderen, weil mich seine Geschichte fasziniert und manchmal ist es vielleicht von allem ein bisschen.

Daraus ergibt sich Punkt 4: Ich war mir in letzter Zeit nicht mehr sicher, ob ich andere in dieser Form an meinen Geschichten teilhaben lassen möchte.

Vier Punkte konnte ich identifizieren, die mir die Freude am Bloggen immer stärker genommen haben. Ein weiterer fünfter Punkt war ein generelles: Wozu? Warum? Für was überhaupt noch? 

Es gab wohl noch mehr Einflussfaktoren. Solche die ich immer noch nicht benennen kann. Aber alleine schon, dass es mich so sehr belastet, wenn ich es nicht mehr schaffe zu schreiben, zeigt mir wie wichtig es mir ist.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich manche Dinge so sehr will, dass sie mir Angst machen. Und dann will ich sie nicht mehr.

Aber dann denke ich an Kommentare und E-Mails von fremden Menschen, bei denen ich mit meinem Blog genau das erreicht habe, was ich ursprünglich immer wollte: Berühren, zum Nachdenken anregen, ermutigen, fesseln, andere Perspektiven aufzeigen.
Und genau das ist mein Wozu? Warum? Für was überhaupt?. 
Und nur weil mich jemand einmal gefragt hat, was denn mein Blog nun ist, wenn er kein Fashion-, Beauty-, Lifestyle- oder Food-Blog ist, heißt das nicht, dass er nicht seine Berechtigung hat. Wieso kann ein Blog nicht einfach ein Blog sein? In seiner ursprünglichsten Form? Warum kann ich hier nicht einfach meine Texte niederschreiben, anstatt sie in irgendwelchen Word-Dokumenten versauern zu lassen?
Ich brauche kein Label, um Geschichten zu schreiben. 

Ein Blog ist eine wunderbare Plattform. Eine wunderbare Möglichkeit, sich ganz unabhängig und ohne großes Budget eine Stimme zu verschaffen. Er ist eine Möglichkeit kreativ zu sein, sich auszuprobieren, zu reifen und zu lernen.

Ich bin noch nicht bereit alles hinzuschmeißen. Aufgeben ist irgendwie nicht so meins und solange sich aufhören noch nach aufgeben anfühlen würde, weiß ich, dass ich noch weiter machen muss.

Die nächsten Wochen werden sehr lernintensiv. Die Masterprüfung steht an.
Aber ich will trotzdem nicht mehr weiter Sommerschlaf halten.
Zumindest jeden Sonntag wird es hier einen Text zu lesen geben.
Anfang November geht es für mich dann auf eine große Reise und ich hoffe, dass ich es auch dort schaffe, euch mit wöchentlichen Updates zu versorgen.
Mitte Jänner bin ich wieder zurück und dann wird es heißen: Ganz oder gar nicht.

Ich muss mich neu verlieben. In das regelmäßige Schreiben, in das Teilen des Geschriebenen, in das Gefühl nach dem Klicken des „Veröffentlichen“-Buttons und in mein Wozu? Warum? Für was überhaupt?.
 
Für den Fall, dass ich es schaffe mich wieder zu verlieben, schwirren mir schon 100e Ideen im Kopf herum, wie ich das Projekt „Blog“ wirklich endlich zu dem machen kann, was es eigentlich schon immer hätte sein sollen. Dazu muss ich jedoch noch deutlich über mich hinaus wachsen, einige Comfort Zones verlassen und um einiges mehr an meine eigenen Stärken glauben.

Ganz oder gar nicht.

Wir werden sehen.

VA

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6 Comments

  • Reply
    Sarah
    5. September 2016 at 10:24

    Liebe Valeria,

    habe gerade Mittagspause und sehe mir wieder mal (wie beinahe täglich) Deinen Blog an. Auch wenn es mal für längere Zeit keinen neuen Eintrag gibt, beschäftigte ich mich öfters mit deinen älteren Werken & lasse mich immer wieder neu davon inspirieren.. & genau das ist es, was deinen Blog ausmacht und noch mehr – so einzigartig macht. Dein Blog ist so erfrischend nah am Leben, was die ganzen Lifestyle/Mode/Sport Blogs (zum Großteil) nicht sind. Diese präsentieren oft einfach nur die perfekte (Schein)welt. Außerdem hast du einen wunderbaren Schreibstil. So, genug der großen Worte 😉 Bin eigentlich mehr eine deiner stillen Leser, aber das musste ich einfach loswerden, vor allem, wenn ich deine Zweifel zum Bloggen sehe. Was du machst ist richtig, richtig gut & es wäre sehr schade, wenn du dein Talent nicht mehr mit der Welt teilen würdest.

    Grüße aus dem Ländle,
    Sarah

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      6. September 2016 at 6:31

      Liebe Sarah,

      vielen, vielen Dank für deine lieben Worte, die mich wirklich unglaublich gefreut haben! So etwas zu hören/lesen ist eindeutig die beste Motivation um weiter zu machen 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Valeria

  • Reply
    anna
    7. September 2016 at 15:45

    liebe valeria, bin gerade über fb auf deinen blog gestoßen und finde ihn einfach wunderbar! tolle beiträge, interessante themenauswahl, sensibel und sehr reif für eine junge frau wie dich! bitte unbedingt weitermachen! DU bestimmst die konditionen!liebe grüße von wien nach wien (?) dancinnow.blogspot.co.at

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      9. September 2016 at 16:35

      Hallo Anna,

      vielen Dank für die lieben und ermutigenden Worte. Ich freu mich, wenn du nun öfters vorbeischaust 🙂

      Liebe Grüße von (momentan) Vorarlberg nach Wien,
      Valeria

  • Reply
    Rebecca S.
    19. September 2016 at 22:03

    Ich bin gerade erst über deinen Blog gestolpert und besonders dieser Beitrag hat mir zu fast 100% aus der Seele gesprochen. Erstaunlich! So ähnlich geht es mir nun auch schon eine Weile mit meinem Blog. Jetzt steht ein Blogumzug sehr bald an. Inklusive neuem Namen und einem etwas veränderten Konzept. Ich hoffe, dass es mir diese Verliebtheit wiederbringt und wieder mehr Ich ist. Weniger das Soll, weniger ein Bild anderer.

    Sehr schöner Text. Werde in Zukunft häufiger mal vorbeischauen!

    Liebe Grüße
    Rebecca

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      22. September 2016 at 13:32

      Liebe Rebecca,

      schön, dass dich mein Text so anspricht :). Ich wünsche dir, dass du es mit deinem Umzug und dem neuem Konzept schaffst, dass dein Blog wieder mehr 'du' ist!

      Ich freue mich, wenn du wieder einmal bei mir vorbeischaust 🙂
      Liebe Grüße,
      Valeria

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