valeriannala
meine Worte

Ich muss nicht. Ich kann

Dad hatte von diesem Typ gelesen.
So einer der Kolumnen schreibt.
Der wurde vor kurzem 60 und hat sich deshalb wohl ein paar Gedanken über sein Leben gemacht.
Wie das halt so ist, wenn einem ein Geburtstag wieder einmal den Spiegel der voranschreitenden Zeit vor die Nase hält.
Wenn man wieder einmal realisiert, dass der Körper vom ewigen Bleiberecht auf dieser Welt nichts mitbekommen hat.

Mit 60 beginnt man sich also Gedanken zu machen. Sich Gedanken zu machen wohin die Reise noch gehen soll. Wie denn der Herbst des Lebens am besten ausgekostet werden sollte und welche Haltung einem dabei wichtig ist.

Der Typ schrieb also eine Kolumne.
Seine Überlegungen ließen sich auf sechs Worte reduzieren:
„Ich muss nicht mehr. Ich kann.“ 

Eine Erkenntnis, die er auf sämtliche Lebensbereiche ummünzte. 
Sechs simple Worte, die begannen in meinem Kopf ihre Kreise zu ziehen.
Nicht erst mit 60, sondern mit 24.

Es war nicht das erste Mal.
Nicht das erste Mal, dass ich eines meiner „Was wäre wenn“-Gedankenspiele startete.
Was wäre, wenn ich mir einfach einmal selbst den Druck nehmen würde ständig zu müssen?

Der Alltag ist oft eine perfekte Aneinanderreihung von Sätzen die mit „Ich muss…“ beginnen. Wir stopfen die Tage und Wochen damit voll. Bewusst. Unbewusst. Manchmal beides.
Sie füllen sich mit müssen. Wir schwimmen darin. Meistens mit dem Strom. Treiben darin vor uns her. Nennen es Leben. Sind irgendwann 60 und schreiben eine Kolumne. Entscheiden dann: Ich muss nicht mehr. Ich kann.

Warum nicht früher? Warum kann ich nicht jetzt schon damit beginnen das Müssen auf das Nötigste zu reduzieren und dem Können mehr Platz einzuräumen?

Was wäre wenn…
Die Einstellung ändert sich. Die Motivation ändert sich. Das Gefühl ändert sich.
Wenn man die Dinge manchmal einfach relativiert. Sie nicht mit den Scheuklappen des Alltags betrachtet, sondern mit dem Blick auf das große Ganze.
Denn manchmal kann das Wissen, dass dieses Leben eine endliche Geschichte ist auch ganz beflügelnd sein. Weil vieles was sich hinter diesem Müssen versteckt dann gar nicht mehr von so großer Bedeutung ist.

Weil es dir am Ende deines Lebens egal sein wird, ob du deine Prüfung im Frühling oder im Herbst geschrieben hast.
Weil es dir am Ende deines Lebens egal sein wird, ob dein Haus sauberer war als das deiner Nachbarn.
Weil es dir am Ende deines Lebens egal sein wird, dass du für deinen Geschmack immer 3kg zu viel auf den Rippen hattest.

Mit 60 denkt er sich: „Ich muss nicht mehr. Ich kann.“
Jetzt denke ich mir: „Ich muss nicht. Ich kann.“

In meinem Handlungsspielraum.
Und ich merke wie viel leichter mir gewisse Dinge die ich tun muss fallen, wenn ich sie einfach in ein paar Gedanken von „Ich kann.“ verpacke.
Mir ein wenig den Druck nehme und mir dadurch mehr Gelassenheit schenke.
Freiheit schenke. Wohlbefinden schenke. 

Weil es mein Leben ist. Mein einziges.
Und ich mit 60 sagen können will:
„Ich musste nie. Ich konnte.“

VA

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6 Comments

  • Reply
    shopping-gossips
    13. April 2016 at 15:19

    Ein richtig toller Post, der zum nachdenken anregt. Es stimmt. Man sollte sich öfter den spiegel vor Augen halten und sein Leben hinterfragen. Was muss, was muss nicht, was kann.

    Liebe Grüss,
    Svenja / strasskind.com

  • Reply
    Christina Key
    17. April 2016 at 20:47

    Sehr cooler Beitrag!
    Ich finde da steckt ne Menge Inspiration drin! 🙂

    XX,
    Photography & Fashion Blog

    CHRISTINA KEY
    http://www.CHRISTINAKEY.com

  • Reply
    Dan Miller
    18. April 2016 at 13:49

    Toller Beitrag! Unser Mindset und unsere inneren Einstellungen machen so viel aus. Schade, dass viele Leute das erst mit 60 verstehen.. oder gar nie…

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