valeriannala
meine Worte

It's all about the sex

Liebe Männer,

ich liebe euch. Das einmal vorweg. Und ich bin eine Feministin. Das einmal hinterher. Das geht nicht, passt nicht, widerspricht sich? Das meint ihr. Nein nicht ihr alle, aber viele von euch und es tut mir schrecklich leid, dass ich diejenigen von euch hier auf brutale Art und Weise entjungfern muss was die Aufklärung diesbezüglich betrifft. Dabei sagt es ja schon Wikipedia und was auf Wikipedia steht ist prinzipiell für jedermann und jederfrau zugänglich: „Feminismus bezeichnet sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt.“
Doch was ist das gängige Bild einer Feministin in den Köpfen der Otto Normalverbraucher? Genau. Man denkt an hässliche (was bitte ist denn überhaupt „hässlich“?), lesbische, männerverachtende Frauen, die mit nacktem Oberkörper auf der Straße protestieren. Komisch nur, dass keine von den Frauen in meinem Umfeld, die meine feministischen Ansichten teilen hässlich ist -im Gegenteil. Auch habe ich sie noch nie irgendwo oben ohne auf der Straße randalieren sehen und man wird es kaum glauben, aber sie lieben ihre männlichen Partner und Freunde.

„Feministin treibt ihr Baby ab, weil es ein Junge war“, laß ich vor kurzem eine Schlagzeile. Hätten diese Vollidioten von JournalistInnen ihre Recherche-Hausaufgaben gemacht oder besäßen sie einfach generell ein größeres Maß an Intelligenz und Reflektiertheit, wüssten sie wie falsch die Bezeichnung dieser Frau als Feministin von Grund auf ist. Toll also, dass in euren Köpfen dieser Irrglaube sogar auch noch genährt wird.
Herrliche und gleichzeitig todtraurige Kommentare unter dem Beitrag:

„Leider hat sich die Medizin noch nicht soweit entwickelt, dass
Feministen sich künstlich mit künstlichem Sperma befruchten lassen
können und anschließend entscheiden können ob es ein Junge wird oder
ein Mädchen.“

Einspruch: Wir wollen doch gar nicht erst künstlich befruchtet werden müssen und lieben es Sex mit einem Mann zu haben und von seinem echten Sperma befruchtet zu werden (homosexuelle Frauen wohl ausgenommen).

„Es ist schon wahr. Männer lieben Frauen, Frauen lieben Männer. Sogar die Schwulen lieben Frauen auf ihre eigene spezielle Art. Nur Lesben hassen Männer, und das ist pervers.“
1. Eine Feministin KANN eine Lesbe sein, MUSS aber nicht. Wieso denn bitte auch? Es gibt sogar Männer die sich als Feministen bezeichnen.
2. Seit wann beinhaltet eine Lesbe zu sein Männerhass? Die Absurdität lässt sich hier kaum in Worte fassen…

„Die sollte sich mal voll laufen lassen, und sich mal kräftig
durchknallen lassen :-P. Wahrscheinlich aber wird sie aber so attraktiv
wie die Alice S. sein ;-).“

Hier haben wir wieder einmal ein sexistisches Paradebeispiel. Klar, Frauen die keinen Mann haben der sie „durchknallt“ sind ja auch wirklich unausstehlich. Und für eine Frau ist das wichtigste Attribut die Attraktivität und wenn sie die nicht hat wird sie verbittert und hasst Männer und ist eine Feministin. Ironie off. Völliger Bullshit.

Eine solche Fehlinformation in den Medien zu bringen grenzt -wie die Kommentare beweisen- fast schon an Rufmord. Denn nur weil sie in ihrem Denken zu begrenzt sind, um über Stereotype zu reflektieren und eigentlichen Tatsachen auf den Grund zu gehen, nur weil der radikale Feminismus bzw. der Männerhass mit dem eigentlichen Verständnis von Feminismus gleichgesetzt wird – nur darum gibt es so viele von euch (aber auch von den Frauen), die Feminismus scheiße finden. Aus dem einfachen Grund, dass sie nicht wissen von was sie überhaupt reden. Dass sie nicht wissen was er bedeutet und nur unreflektiert das nachplappern, was in den Medien steht oder der Papa zu Hause am Esstisch von sich gibt. Eigenes Hirn einschalten hilft!

Gehen wir nun zu einer kleinen Phantasiereise über. Stellt euch, liebe Männer eine Welt vor in der man euch nicht zutraut rückwärts einzuparken oder ein Mathe-Studium zu absolvieren. In der man euch belächelt, wenn ihr eure Meinung zu einem Thema sagt, das mit Fußball zu tun hat. In der man euren Lebenslauf einfach von vornherein als schlechter betrachtet, nur weil da ein Foto von euch dabei ist oder ihr einen männlichen Vornamen trägt. Eine Welt in der ihr keine reellen Chancen habt, jemals CEO eines großen Unternehmens zu werden bzw. ihr euch mindestens doppelt so sehr anstrengen müsst wie eure weiblichen Konkurrentinnen. In der ihr wenn ihr euch zu männlich verhält als inkompetent wahrgenommen werdet und wenn ihr euch zu weiblich verhält als nicht authentisch und zickig. Eine Welt in der ihr euch in der Wahl eurer Kleidung manchmal eingeschränkt fühlt, weil ihr abends keine Vergewaltigerinnen provozieren wollt, dann aber trotzdem noch mit dem Schlüssel in der Faust so schnell wie möglich nach Hause hetzt. In der ihr so gut wie immer in erster Linie nach eurem Äußeren beurteilt werdet, ihr als Objekt dargestellt werdet und ihr euch kaum mehr traut an einer Gruppe von Frauen vorbei zu gehen, weil ihr mit großer Wahrscheinlichkeit so richtig blöd angelabert werdet.

Und jetzt frage ich euch eines – wenn das alles ganz genau so passieren würde, wie wäre dann eure Einstellung zum Feminismus? Ich meine, vielleicht würde er dann anders heißen. Whatever. Der Punkt ist, Feministinnen wollen Gleichheit. Nicht nur für uns, sondern auch für euch. Damit jeder Mann auch dann noch ein Mann ist wenn er Gefühle zeigt. Damit ihr weinen dürft so viel ihr wollt ohne als Weicheier dazustehen und eure Vorliebe für Musicals äußern dürft ohne als „schwul“ abgestempelt zu werden. Damit ihr nicht Bier trinken müsst, obwohl es euch nicht schmeckt und auch „dazu gehört“ wenn ihr es nicht so spannend findet jedem Hinterteil auf der Straße nachzusehen und mindestens 5 Mal am Tag einen Freund anzustupsen um ihm zu sagen „Die ist geeeeil!“ (sonst könnte man euch ja auch wieder Homosexualität unterstellen).

Wir wollen Gleichheit. Für euch, für uns, für alle. Damit niemand irgendetwas nicht machen darf oder etwas machen muss nur weil er Brüste/einen Schwanz hat. Denn für diese Dinge kann nun einmal wirklich niemand etwas dafür.

Liebe Männer, ich liebe euch.
Und ich bin Feministin.
Das geht!
Das passt!
Das widerspricht sich nicht!
Null.

VA

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6 Comments

  • Reply
    Christiane
    23. April 2015 at 18:44

    Ich bin auch für Gleichheit. Jedoch distanziere ich mich liebend gern vom Wort Feminismus und auch von manch einer neumodischen Feministin.

    (Ich bin auch aber wohl einer der wenigen Frauen, die bei deiner Phantasiereise sich nur denkt: Nun ja… Ich bin dann wohl die Ausnahme der Regel. Ich finde es ist bisschen veraltetes Denken dabei und das viele Gleichaltrige nur die Parolen unserer Mütter/Großmütter nach plappern… oder der BILD. Man weiß es nicht)

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. April 2015 at 22:32

      Das hat nichts mit veraltetem Denken zu tun und dass die BILD über so etwas irgendwelche klugen Worte verliert wage ich stark zu bezweifeln.
      Sondern das ist viel mehr tatsächlich das, was ich und viele Frauen in meinem Alter tagtäglich ganz offensichtlich erleben. Wenn man sich nur "nun ja" denkt, wenn man Angst haben muss vergewaltigt zu werden wenn man einen kurzen Rock trägt, oder wenn man in der Arbeitswelt ganz eindeutig diskriminiert wird, dann finde ich persönlich das zwar mehr bedenklich als dass ich es verstehen könnte, aber jedem seine eigene Meinung/Einstellung…

  • Reply
    Barbara
    24. April 2015 at 8:22

    Liebe Valeria, ich bin dir so dankbar dafür, dass du Worte findest, um das alles zu sagen!

  • Reply
    Yannick
    24. April 2015 at 8:46

    Ich denke, dass es ein Problem in der Wahrnehmung mancher Frauen und Männer von Feminismus gibt.
    Entgegen der Meinung die du vertrittst (die offenkundig auch der eigentlichen Absicht des Feminismus am nächsten steht) gibt es gewisse "radikale" Tendenzen, die der Auffassung sind, man müsse keine Gleichberechtigung herbeiführen, sondern sich an den Männern dafür "rächen", dass man Jahrhunderte lang als das schwache Geschlecht bezeichnet wurde.
    Stichwort: "Fight fire with fire"

    Ich selbst würde mich als sehr aufgeschlossen gegenüber der Gleichberechtigung von Frauen und Männern bezeichnen. Es ist allerdings sehr problematisch, dass sich Menschen unter dem Deckmantel "Gleichberechtigung" verstecken und genau das Gegenteil erreichen möchten, denn genau das führt zu Misstrauen auf allen Seiten und schadet letzten Endes dem Feminismus.

    Dein Artikel gefällt mir richtig gut! 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. April 2015 at 16:08

      Da hast du vollkommen recht. Frauen, die radikal gegen Männer sind und diesbezüglich einfach nicht mehr klar denken und verwerfliche Ansichten vertreten existieren. Nur ist es traurig wenn die Allgemeinheit (oder auch sie sich selber) mit einer Feministin im ursprünglichen Sinne verwechseln. Das Wort wird einfach häufig so falsch verwendet, dass sein Ruf nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Genau das ist dann leider das Dilemma :(.

      Dankeschön :).

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