valeriannala
meine Worte

Langsam verzeihen

Wir selbst sind oft unsere härtesten Richter. Wir bewundern andere, weil sie so furchtbar erfolgreich sind und vergessen, was wir selbst schon geleistet haben. Wir bestätigen jemand anderem, dass er eine tolle Figur hat, aber finden an uns selbst immer 100 Kleinigkeiten, die uns nicht passen. Es fällt uns schwer, anderen zu verzeihen, aber sich selbst zu verzeihen, scheint manchmal wie ein Ding des Unmöglichen. Wenn man sich selbst enttäuscht hat, wenn man etwas Ungeschehen machen oder ummodellieren will… Wie bei einer Prüfung, bei der wir uns danach ärgern, was für lächerliche Fehler wir gemacht haben. Wie bei einem Fußballspiel, bei dem man erst bei der Analyse merkt, welcher Pass ungefähr 500 Mal besser gewesen wäre. „Im Nachhinein ist man immer klüger.“, eine der vielen „Bauernweisheiten“ meiner Uroma. Und sie hat recht.

Wenn wir einmal von den banalen Beispielen weggehen und größer denken, dann können Fehler regelrecht auffressen. So richtig von innen nach außen. Das kann schleichend gehen, das kann überfallen. Aber eines ist sicher: Man fühlt sich hilflos. Vollkommen hilflos, weil man sich zwar in einen bemalten übergroßen Karton hineinstellen, komische Geräusche machen, sich 3 Mal im Kreis drehen und dann so tun kann, als ob es wieder das Jahr 2000 wäre, aber irgendwann wird man feststellen, dass halt irgendwie doch noch keiner eine funktionierende Zeitmaschine erfunden und tatsächlich gebaut hat.

Ich habe vor kurzem einen Film gesehen, in welchem (in etwa) die folgenden Worte vorkamen: „Ich glaube ich habe mir verziehen. Außer manchmal, da wache ich noch schweißgebadet und heulend in der Nacht auf und dann muss ich mir wieder verzeihen. Immer wieder aufs Neue.“
Mit etwas leben, das man nicht mehr ändern kann und nie ändern können wird, ist ein genauso undankbares Gefühl wie die Tatsache, dass man das Universum und den Tod nie verstehen können wird. Hilflos. Immer wieder hilflos und klein. Darum am besten nicht daran denken, sich davon abwenden… Aber verzeihen kann man sich nicht wenn man Tatsachen ignoriert, sondern nur wenn man sich selbst damit konfrontiert. Wieso bin ich enttäuscht von mir? Was ist falsch gelaufen? Wann hätte ich überhaupt anders handeln können? Habe ich nicht sowieso mein Bestes gegeben -das was halt gerade in dieser Situation möglich war? Was lerne ich daraus? Für die Zukunft…

Verzeihen ist ein Prozess. Langsam. Konfrontation. Immer wieder.
Sich verzeihen. In der Nacht schweißgebadet aufwachen und noch einmal verzeihen müssen.
Immer wieder aufs Neue.
Ein Prozess.
Langsam.

VA

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6 Comments

  • Reply
    Yvonne
    22. November 2014 at 15:01

    Wie wahr.

  • Reply
    LileeAnna
    22. November 2014 at 16:41

    Wunderschön geschrieben! Du sprichst mir damit echt aus der Seele!

  • Reply
    Steffi
    23. November 2014 at 23:07

    Du schreibst einfach mega. In einem Rutsch sind deine Artikel lesbar – kein Ruckeln und kein Wiederholen. Wirklich richtig gut!!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      25. November 2014 at 17:41

      Vielen, vielen Dank -so etwas tut immer gut zu hören :)!

  • Reply
    Duftpoesie
    11. Dezember 2014 at 9:38

    Hallo meine Liebe,
    ein toller Blog. 🙂 Ich folge dir nun. Vielleicht magst du auch mal wieder bei mir hereinschauen und danke für deine Email.

    Ganz liebe Grüße.

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