valeriannala
meine Worte

Let’s talk about Sex(ism), baby!

Wenn ich schon die Möglichkeit habe, dass mich ein paar Leute hören (bzw. lesen), wenn schon durch Blogs neue Teilöffentlichkeiten entstehen und eigene Meinungen fernab von jeglichen journalistischen Regeln kundgetan werden dürfen, dann sollte ich das auch nutzen. Nutzen, um bestimmte Themen anzuschneiden, um sozusagen „Awareness“ zu schaffen. Wenn auch nur bei einer Hand voll Personen.

Sexismus. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass manche Personen den Begriff Sexismus falsch verstehen und meinen Sexismus ist all das, was mit der Tätigkeit „Sex“ zu tun hat. Die meisten von euch werden jedoch wissen, dass Sexismus eine Diskriminierung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit bedeutet und dass ein Bild auf dem zwei Menschen miteinander Sex haben nicht zwingend sexistisch sein muss, sondern dann sexistisch wird, wenn es beispielsweise die Frau als dem Mann unterwürfig darstellt. Warum es mir jetzt so ein dringendes Bedürfnis ist darüber zu schreiben? Weil je älter und (hoffentlich auch) intelligenter ich werde, desto öfters fällt mir auf, wie sexistisch unsere Gesellschaft tatsächlich ist und für wie selbstverständlich wir dies schon hinnehmen bzw. wie es sogar den meisten Frauen nicht einmal auffällt und sie einem das Bild vermitteln, dass sie es eh ganz gut so finden. Nicht jedoch ich.

Schon oft habe ich verächtlich den Kopf geschüttelt, wenn während einer Fernsehshow wieder einmal 2 leicht bekleidete Damen hereinspazierten nur um beispielsweise einen Gewinn zu präsentieren. Ja klar, sex sells, wir alle wissen es und der Durchschnittsmann (der wiederum meint er müsse seinem sexistischen Rollenbild vom ständig notgeilen Primitivling entsprechen) findet es wahrscheinlich noch „hammer geil“. Aber ganz im Ernst – manchmal sind die halb nackten Frauen, die als Deko-Material in eine Show integriert werden, dort an ihrem Platz ungefähr so sinnvoll wie ein Staubsauger in der Wüste. Sie präsentieren oft nicht einmal etwas. Sie stehen einfach nur da. Und lächeln. Ich denke mir dann jedes mal: „Mensch Mädchen, für wie wertlos hälst du dich eigentlich und meinst du etwa du wirst zum großen Star, weil du einmal in deinem Leben kurz für 2 Sekunden in deinem Minirock am rechten Rand vom Bildschirm auftauchst?!“

Genau um dieses „wertlos sein“ geht es nämlich. Frauen sind schön, mehr nicht – dies scheint immer noch das vorherrschende Bild in den Köpfen von vielen Menschen zu sein. Wie oft werden Frauen in der Werbung zu Objekten? Zum Mittel zum Zweck, zum bereits genannten Deko-Material?! Aber wir lassen es ja mit uns machen, wie beispielsweise eine BBC-Journalistin, die sich bis auf die Unterwäsche auszog und für ein Billig-Magazin ablichten ließ, nur um Selbstmarketing zu betreiben. Wie die vielen 15-jährigen Mädls, die ihre Brüste mit jeglichem zur Verfügung stehenden Material hochpushen und dann in die Kamera strecken, nur um im Facebook von allen als „geil“ betitelt zu werden. Wenn wir gleich bei Facebook bleiben: Was sollen eigentlich diese ganzen softpornographischen „Fanpages“ à la „Titten machen Männer froh, geile Ärsche ebenso“ mit 132.000 Likes, auf denen Bilder von halbnackten Frauen hochgeladen werden und sich Männer die Freiheit nehmen über diese zu urteilen. Selber ungepflegt sein und einen Wampen haben, in der realen Welt wahrscheinlich nicht einmal den Mumm haben eine ernst zu nehmende Frau anzusprechen und dann tatsächlich so dreist sein eine Frau auf ihr Äußeres zu reduzieren und zu kommentieren: „Ja, die würde ich voll nehmen!“, „Nein die nicht, die ist zu dick!“. Sind wir hier beim Kuhandel? Fleischmarkt? Mittelalterliche Sklavenauktion? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass hier einiges falsch läuft.

Nicht nur hier in Österreich, sondern insgesamt sehr international. Während meinem halben Jahr in Teneriffa beispielsweise wurde ich immer nur als rubia („die Blonde“) gesehen, weil blonde Frauen dort eben nicht unbedingt die Regeln sind. Dass ich allerdings meinen morgendlichen Spaziergang von meinem Haus bis zur Sprachschule kein einziges Mal zurücklegen konnte, ohne von irgendwelchen idiotischen Typen angehupt zu werden, ist traurig. Dass sie auch oft stehen blieben, weil ich auf ihr Hupen nicht reagierte, mir dann noch einmal nachpfiffen und 1000 Mal „Rubia!!“ schrien, ist eine Frechheit. Und überhaupt – was erwarten sie sich von ihrer penetranten Art? Dass ich freudestrahlend auf sie zu renne, weil ich nur darauf gewartet habe angehupt zu werden, mir die Kleider vom Leib reiße und sie anspringe? Vermutlich…
Weiter geht es mit Stereotypen. Seit ich mit 13 Jahren begonnen habe Fußball zu spielen schaut mich absolut jeder Typ der es erfährt doof an und fragt mich: „Waaas? DU? Du siehst ja gar nicht so aus!“. Was zur Hölle hat mein Interesse am und meine Leidenschaft für Fußball mit meinem Aussehen zu tun? Nur weil ich blond und klein bin, blaue Augen habe und gerne Schmuck und hohe Schuhe trage darf ich nicht Fußball spielen? Tja, was erlaube ich mir eigentlich?! Das traurige ist, dass bereits Kinder so denken. Wenn ich -wie jedes Jahr- im Sportcamp arbeite und mit einer Gruppe Jungs die Einheit „Fußball“ mache, heißt es zuerst: „Waaas? Mit DIR? Wieso spielen wir nicht mit einem Mann?“ und erst wenn du mitspielst und den Ball bei der ersten Gelegenheit unter die Latte ins Tor knallst, dann nehmen sie dich ernst.

Stereotype auch im Job. Eine Frau ist schwach, zickig, launisch, weniger kompetent und daher bestimmt nicht so gut in der Lage ein Unternehmen zu führen wie ein Mann!
Eine Frau will eh nur Kinder gebären, kochen und die Wäsche machen. Damit erfüllen sie sich ihren Lebenstraum – in einem Chefsessel haben sie nichts zu suchen!
Eine Frau als meine Chefin? Ganz bestimmt nicht – die könnte ich doch nicht ernst nehmen!
Eine Frau die tatsächlich in einer Spitzenposition ist: Verbissene Furie und Rabenmutter!
So schauts aus.

Ich: (…) „Als LehrerIn bekommt man eben nicht wirklich Anerkennung für die eigene Leistung, auch wenn sie noch so gut ist!“
S.: „Das bekommst du in der Privatwirtschaft auch nicht!“
Ich: „Doch, da habe ich immerhin noch die Möglichkeit befördert zu werden!“
S.: „Aber das wirst du nicht!“
Ich: „Was?? Bitte??“
S.: „Ja, das wirst du nicht! Du bist eine Frau!“

Amen.

Ps.: In diesem Zusammenhang auch interessant: Klick!

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10 Comments

  • Reply
    Li Sa
    29. Mai 2013 at 10:20

    Wirklich gut geschrieben und ich kann dir nur zustimmen! Ich finde es auch wirklich traurig wie das in unserer Gesellschaft so abläuft. Ich merke es selbst so gut wie jeden Tag in meiner Klasse (23 Jungs / 2 Mädchen). Da heißt es auch oft die Frau gehört in die Küche und sonst nirgens hin. Das heutzutage noch so gedacht wird ist wikrlich einfach traurig…

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. Mai 2013 at 18:30

      Ja stimmt, man meint irgendwie immer nur, dass es heute eh nicht mehr so ist, aber in Wahrheit läuft immer noch einiges falsch :/

  • Reply
    Hanni
    29. Mai 2013 at 10:35

    Traurig. Vor allem, dass die Frauen, die es dann mal an eine Führungsposition geschafft haben aufgrund ihrer Weiblichkeit mieser bezahlt werden, ist die Höhe. Kenn da wen…Als Mann würde sie für die selben Aufgaben monatlich rund 500 € mehr verdienen. Darf alles nicht wahr sein. Find's gut, dass du drauf aufmerksam machst 🙂

    Grüßeee

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. Mai 2013 at 18:30

      Das ist dann echt wild, da hast du recht! Traurig :/!!

  • Reply
    Soadria
    29. Mai 2013 at 13:27

    Sehr schön geschrieben. Thumps up 😉
    Find es gut wenn sich leute auch mit solchen themen beschäfgtigen.
    Etwas aufklärung, auch in dieser Zeit ist wohl doch manchmal nötig 😀

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. Mai 2013 at 18:31

      Dankeschön :)! Finde ich eben auch, ja :)!

  • Reply
    girlie trash
    29. Mai 2013 at 15:48

    super beitrag und wichtige gedanken!!!! aber das thema ist nicht zu verallgemeinern, denke ich. ich selber habe in jungen jahren in einer führungsposition gearbeitet und hatte ein team von mehr als 20 mitarbeitern unter mir, darunter frauen UND männer…..klar, man muss sich respekt verschaffen, aber nicht nur auf grund des geschlechtes sondern oftmals auch auf grund des alters und und und……und das müssen auch männer. meine jetztige vorgesetzte ist auch eine frau. und sie wird gleichwertig bezahlt und respektiert wie männliche kollegen in derselben position in anderen abteilungen.
    ich denke, es ist wichtig schon in der kindheit die richtigen werte im umgang mit "sexismus" erklärt zu bekommen um im späteren leben nicht zu einem "macho" oder zu einer "hübschen frau" (vorurteilsbelastete wortwahl ist gewollt;) ) zu werden…..

    liebe grüße nach wien!!
    sabrina von girlietrash

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. Mai 2013 at 18:33

      Ich stimme dir auf jeden Fall zu – man darf natürlich nie verallgemeinern. Aber eigentlich sollte es ja nicht die Ausnahme sein, wenn man als Frau irgendwo als Führungskraft akzeptiert wird. Dies sollte viel mehr die Regel sein! Zumindest wenn sie es aufgrund ihrer Kompetenzen auch verdient hat!

  • Reply
    Lady World Wide
    30. Mai 2013 at 20:17

    Danke, danke, danke 😉

    Du bist wirklich die erste Bloggerin die meine Ansichten auf ihrem Blog teilt. Du hast völlig recht, Sexsismus und die generelle diskriminierung von frauen ist ein wichtiges thema.
    Gerade in letzter zeit habe ich für ähnliche posts viel negatives zu hören bekommen, und ich bin so froh, dass auch andere bloggerinnen meiner meinung sind 😉
    Liebe Grüsse
    Lady world Wide

  • Reply
    Plueschnase Lilly
    30. Mai 2013 at 23:16

    Tolles Thema!

    Ich finde die Welt sollte sowas mal echt Reduzieren.
    Mir geht das wirklich schon total auf die nerven das es fast nichts mehr ohne "leicht bekleidete " frauen gibt..

    Und das schlimme ist, das die Frauen den kram auch noch mitmachen ..

    lg

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