valeriannala
meine Worte

Mach dein Maul auf

Meinungsfreiheit.
Das Recht die eigene Meinung öffentlich kundzutun. In Wort. In Schrift.
Man muss nicht. Man kann. Darf.

Und während es bei manchen vielleicht echt besser wäre sie würden öfters einfach einmal ihre Klappe halten, verstehe ich nicht wieso so viele Menschen ihre Stimme nicht nutzen, um für etwas Gutes einzustehen. Warum immer diese „lieber leise sein“ und „nur keine Konflikte erzeugen“-Einstellung propagiert wird.
Ja ich liebe sie auch, die Harmonie. Wenn man sich gut versteht, wenn alles wunderbar rosig ist man als Honigkuchenpferde gemeinsam über Wolken springen kann. Aber ich kann es nicht ausstehen, wenn etwas Ungerechtes passiert oder jemand im Bekanntenkreis rassistische, sexistische oder was auch sonst für Kommentare in den Raum stellt und jeder nur zum Regebogen-Sirup greift, um den bitteren Nachgeschmack zu ertränken.
Still sein, sich nicht immer aufregen, sich nicht hineinsteigern, sich einfach seinen Teil denken, die anderen machen lassen, weil sie es halt nicht besser wissen, ruhig bleiben. Vielleicht sind das auf gewisse Art und Weise Selbstschutzmechanismen der Menschen und vielleicht sind sie auch ganz nützlich, um nicht komplett zu verzweifeln. Aber für mich sind es nur billige Ausreden sich nicht mit einer Sache oder einer Person auseinander zu setzen. Diskussionen und Konflikte so gut es geht zu vermeiden und die eigene Meinung bescheiden wegzustecken. Weil es der einfache Weg ist, der unkomplizierte. Weil es nicht einfach ist einem Freund zu sagen: „Hey, willst du diese Aussage nicht noch einmal überdenken? Weißt du eigentlich, dass…“.

Wie kann sich etwas verändern, wie kann etwas zum Besseren bewegt werden, wenn all jene die darüber Bescheid wissen, mit ihren Gedanken bei sich bleiben und schöne heile Welt spielen? Wenn immer nur die Vollidioten das Wort ergreifen, weil sie keine 2 Sekunden überlegen, bevor sie mit ihren Verbalfürzen die Luft verpesten.
Wie oft ich schon in der Situation war alleine für etwas zu kämpfen das mir wichtig war. Wie oft ich dabei dann schon den Tränen nahe war oder mich ihnen tatsächlich hingeben musste, weil ich bemerkt habe, dass NIEMAND hinter mir steht. Niemand versucht einzugreifen, mitzuhelfen. Nur um nicht auch so eine verrückte, durchgeknallte Person zu sein, die sich nicht mit „Naja ist halt so, chill und lassen wir es gut sein.“ zufrieden gibt, sondern voll und ganz zu dem steht was sie sagt, meint, denkt und ihre Werte nicht wie billige Strumpfhosen mit Löchern in den Müll wirft. Keiner sagt etwas. Keiner hilft dir. Keiner nimmt dir die Last ab das Gefühl zu haben die Einzige zu sein der irgendetwas heilig ist. Für die irgendetwas im Leben Bedeutung hat und nicht mit zwei Worten einer anderen Person eh ganz einfach ausgelöscht werden kann.
Keiner hilft dir. Erst im Nachhinein kommen sie dann immer angekrochen mit „Ja, ich hab dich eh verstanden. Ich war eh auch deiner Meinung.“ Aber den Mund aufmachen? Keine Chance. Weil keiner ein Held oder ein Bösewicht sein will, sondern jeder am liebsten in der neutralen 7-Zwerge-Masse mit schwimmt. Da ist es schön und jeder hat sein Bettchen.

Wenn ihr für etwas Gutes steht, dann traut euch bitte die Veränderung zu wollen und zu leben. Dann traut euch eure Stimme zu nutzen. Ihr habt sie. Sie ist da. Man muss nur davon Gebrauch machen. Sie erheben. Mutig sein und andere dazu motivieren es ebenfalls zu sein. Damit irgendwann dieser scheiß Teufelskreis von „wenn man still ist ändert sich nichts und wenn sich nichts ändert trauen wir uns nichts zu sagen“ durchbrochen wird und die Menschen realisieren, dass ein Konflikt nicht immer etwas Schlechtes ist. Dass daraus sogar noch etwas viel Besseres entstehen kann.

Still sein kann jeder. Es ist unfassbar einfach. Unfassbar bequem. Unfassbar anspruchslos.
Aber wenn wir uns alle schon immer als so super toll und gebildet sehen, sollten wir vielleicht zumindest so viel Charakterstärke besitzen einfach einmal den Mund aufzumachen.

Das kann nicht jeder. Das ist besonders.
Unfassbar mutig. Unfassbar klug. Unfassbar wertvoll.

VA

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4 Comments

  • Reply
    März Mädchen
    24. Juni 2015 at 10:01

    Ein sehr wahrer Post! Ich kenne das Gefühl, seine Meinung zu sagen und dann ganz alleine dazustehen. Das ist echt heftig und definitiv nicht einfach! Aber ein stilles Mäuschen sein und zu allem Ja und Amen sagen ist eben niht wirklich besser.
    WIr haben ein Recht uf Meinungsfreiheit und das sollten wir nutzen!

  • Reply
    alex
    24. Juni 2015 at 11:04

    Ich verstehe deinen Standpunkt. Wenn man eine Veränderung haben will, muss man selbst die Veränderung sein. Und man muss kämpfen für das, was einen wichtig ist. Aber ich finde auch, dass es Kämpe gibt, die nicht gekämpft werden müssen. Dass es Situationen gibt, die es nicht wert sind, dass man ihnen Beachtung schenkt und seine Energie da rein steckt. Bestimmt hattest du auch mal das Gefühl, dass du mit der Wand sprichst, dass die Person jedes mal deinen Fragen ausweicht und Aussagen in den Raum wirft, die sich widersprechen oder einfach nur dumm sind (dazu zähle ich rassistische und sexistische Aussagen). Das ist dann der Moment, in dem es sich gar nicht lohnt, seine wertvolle Energie in ein Gespräch reinzustecken. Es bringt eh nichts. Danach ist man nur noch frustriert. An einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit würde es vielleicht funktionieren. Oder es funktioniert bei dieser Person gar nicht. Aber sie die kann man ignorieren, sich nicht mehr mit ihnen treffen, etc. Es hat etwas von Augen verschließen. Aber es kann auch nützlich sein. Vielleicht entsteht dadurch ein klärendes Gespräch, das nicht mit Tränen endet. Und wenn nicht kannst du deine Zeit nutzen, um dir etwas gutes zu tun, um die Kämpfe zu kämpfen, die du gewinnen kannst.
    Mal ein Beispiel: eine Frau versucht einzuparken und braucht ziemlich viel Zeit dafür. An ihrem Auto laufen Männer vorbei, die sich darüber unterhalten, dass Frauen nicht parken können und in die Küche gehören. Natürlich ist das, was sie sagen, scheiße. Aber ist es wirklich sinnvoll, ihnen zu erklären, wieso sie unrecht haben? Die Frau kann auch weiter einparken und diese Typen unter "Vollidiot" abhacken.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. Juni 2015 at 13:02

      Ich verstehe vollkommen was du meinst! Für einen selbst wäre es auf jeden Fall meistens besser sich nicht reinzusteigern. Eben weil es -wie du erwähnt hast- sehr oft Situationen gibt in denen man mit solchen Menschen gar nicht erst reden kann. Nur versuche ich da wohl ein wenig zu sehr das Gute in allen zu sehen und glaube darum, dass sich tatsächlich etwas ändern kann. Das ist auch der Grund warum ich der Meinung bin, dass man es zumindest versuchen sollte. Denn irgendwie und irgendwo muss man ja anfangen. Wenn sich Martin Luther King gedacht hätte: "Nein, das bringt eh nichts, die Menschen sind zu dumm und checkens nicht!" dann wäre möglicherweise immer noch vieles anders. Auch wenn nur eine Person zumindest über einen kleinen Denkanstoß 2 Sekunden reflektiert, dann ist das für mich schon ein mini Erfolg. Denn wenn das alle machen würden, könnte sich möglicherweise tatsächlich etwas ändern…

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