valeriannala
meine Worte

NaNoWriMo: Wie man in einem Monat einen Roman schreibt

„Und was ist dein größter Traum?“
„Ich möchte irgendwann meinen eigenen Roman im Bestseller-Regal stehen sehen!“
„Oh, achso echt? Du denkst gleich so groß?“
Ist das nicht der Sinn vom größten Traum? Sollte der nicht so groß wie möglich sein? Dream Big und all das. Vermutlich kritzeln sich das die meisten nur überdimensional in ihren Collage Block oder hängen es sich als Karte über den Schreibtisch. Vielleicht sagt man, wenn es hart auf hart kommt, dann doch lieber nur irgendwelche kleinen Ziele, die man ganz realistisch umsetzen kann. Solche, bei denen man nicht lächerlich klingt, wenn man sie zu laut ausspricht. Solche, bei denen das Scheitern nicht so weh tun würde.

Es war schon immer mein großer Traum ein Buch zu schreiben. Kein Handbuch, kein Kochbuch, kein Ratgeber. Einen Roman. Eine Geschichte, die in meinem eigenen Kopf wächst und von dort durch den Schreibprozess zum Leben erweckt wird. Ein Buch, das ich in den Händen halten kann. Über dessen Oberfläche ich streichen kann. Durch dessen Seiten ich mit meinem Daumen blättern kann, während ich den „Neues-Buch-Duft“ einatme. Ein Buch, auf dem mein Name steht.

Ich habe es jedoch nie gewagt damit wirklich anzufangen. Habe es vor mir hergeschoben. Weil natürlich immer alles andere wichtiger war. Wichtiger, als der größte Traum.
Und dann ist letztes Jahr etwas passiert. Ich weiß nicht wie und wo ich darauf aufmerksam geworden bin. Auf den National Novel Writing Month. Aber er hat mich gerettet.

Der NaNoWriMo findet jedes Jahr im November statt und das Ziel für alle TeilnehmerInnen ist es, einen Roman in einem Monat zu schreiben. Beziehungsweise 50.000 Wörter davon.

50.000 Wörter, das sind 1.666,67 Wörter pro Tag. Was eigentlich machbar klingt. Hat man einmal an einem Tag keine Zeit, sind es am nächsten aber schon 3.333,32 Wörter. Es kann also ganz schnell passieren, dass man in einen Rückstand gerät, den man schwer wieder aufholen kann. Ich bin aber ein großer Fan von großen Herausforderungen, weshalb ich diese unbedingt annehmen wollte. Und das tat ich auch.
Ich begann mit einem Bild, welches mir irgendwann Ende Oktober aus dem Nichts in den Kopf geschossen war. Dieses Bild verwandelte ich in mein erstes Kapitel. Den Rest schrieb ich ausgehend von diesem. Ohne Plan, ohne eine Idee, wie es weitergehen, geschweige denn enden würde. Aber genau das war ja auch der Sinn vom NaNoWriMo. Schreiben. Einfach drauflos schreiben, ohne sich allzu große Gedanken zu machen. Kein Drüberlesen, kein Bearbeiten und Hinterfragen, einfach nur schreiben. Einen Monat lang.
Ich hätte nie gedacht, dass man so ein Buch schreiben kann. Ich brauche normalerweise für alles einen Plan, zwanzig Listen und zerdenke die banalsten Dinge. Aber vermutlich hat genau darum diese Methode für mich so gut funktioniert. Nicht denken, schreiben.

Es war also einfacher als gedacht. Nicht einfach, aber einfacher. In diesem Monat war mir nichts wichtiger. Zum allerersten Mal hatte mein großer Traum die oberste Priorität. Alles andere sollte sich unterordnen. Sogar alle anderen. „Wir können uns erst sehen, wenn ich meine 1666,67 Wörter für heute geschrieben habe.“ Ich war stolz, dass ich diese Worte sogar frisch verliebt über die Lippen brachte.

We are almost there and nowhere near it…

30 Tage waren vorbei. 50.000 Wörter waren geschrieben. Ich fühlte mich unglaublich gut und endlich darin bestätigt, dass ich es auch wirklich schaffen kann. Ein Buch schreiben. Das war nicht mehr nur eine Fantasie im Kopf.
30 Tage waren vorbei. 50.000 Wörter waren geschrieben. Aber fertig, fertig war der Roman deshalb noch lange nicht. Ich hatte ein grobes Ende geschrieben, dazwischen gab es noch ein paar Lücken. Ich hatte kein einziges Mal das Geschriebene Korrektur gelesen. So, wie es der NaNoWriMo ja auch vorsah. 
Im Dezember gönnte ich mir bewusst eine Pause. Im Jänner wurde die Pause verlängert. Im Februar hatte ich eine berufliche Sinnkrise, im März gründete ich gemeinsam mit meinem Freund eine Firma… 
Und so vergingen Monate. Monate, in denen 50.000 Wörter irgendwo auf meiner Festplatte schlummerten.

Es ist nicht so, dass ich ihnen gar keine Beachtung schenkte. Es ist nicht so, dass ich nie daran dachte. Im Gegenteil. Der Gedanke begleitete mich ununterbrochen. Aber ich habe es vor mir hergeschoben. Weil immer alles andere wichtiger war. Wichtiger, als mein größter Traum.

Es fiel mir schlussendlich schwer, wieder in die Geschichte zu finden. Mich in diese Stimmung vom November zurück zu versetzen, mich wieder mit den Charakteren anzufreunden und in ihre Gefühl einzutauchen. Und weil es mir so schwer fiel, wollte ich es vermeiden. 

Who am I to have a voice?

Die 30 Tage. Die 50.000 Wörter. Das war einfacher als gedacht. Nicht einfach, aber einfacher. Den Roman jedoch von vorne bis hinten zu überarbeiten und die fehlenden Passagen zu schreiben war und ist eine der größten Herausforderungen. Und das nicht einmal, weil es mir handwerklich so schwer fällt. Sondern weil es immer und immer wieder ein unglaublicher Kampf ist, den ich mit mir selber führe. Jedes einzelne Mal, bevor ich mich an das Manuskript setze, muss ich eine innere Blockade überwinden. Eine Blockade, die so unglaublich stark ist. Von Selbstzweifeln und Ängsten getrieben. Dann mache ich alles andere lieber, als mich wieder vor mein Buch zu setzen. Jedes einzelne Mal, wenn ich dann doch davor sitze, dauert es meist keine zwei Absätze, bevor in meinem Kopf 100.000 Stimmen „Das ist Bullshit!“ schreien, ich den Laptop zuschlage und mich unter meiner Bettdecke verkrieche.

Und dann, vor kurzem, hat mich NaNoWriMo wieder gerettet. Mit einem Newsletter. Ja, genau. Newsletter können tatsächlich auch noch wertvolle Informationen enthalten. Denn in diesem Newsletter war ein Link zu einem Artikel mit dem Titel „Know thyself… by writing your first novel“. Ich habe mich beim Lesen so sehr verstanden gefühlt wie schon lange nicht mehr. Ich bin also nicht komplett wahnsinnig geworden, ich muss das alles einfach als natürlichen Teil des Prozesses verstehen. 

There is no reason in the world why you can’t write a novel and the only thing stopping you from doing so is yourself. It seems such an insurmountable task and, in any case, you might ask yourself, why would anyone be interested in what I have to say? Who am I to have a voice? It is this lack of self-belief that is the main hindrance. It is the first thing any aspiring author has to get to grips with every time they sit down to write.

zum Artikel


Ich merke oft, wie sehr meine Stimmung vom aktuellen Stand meines Schreibprozesses abhängt. Wenn es gut läuft, ist alles gut. Wenn es schlecht läuft, ist alles schlecht. Ich war schon unzählige Male kurz davor aufzuhören. Ich war schon unzählige Male kurz davor einfach nicht wieder anzufangen. Ich habe mich selbst und das was ich schreibe schon so oft hinterfragt. Bei mir muss immer alles schnell gehen und wenn es nicht schnell geht, habe ich das Gefühl, dass es gar nicht geht. Genau da liegt das Problem.

You must protect yourself and your space, because writing your first novel is a very precious process.


Ich bin kurz vor dem Ziel. Ich bin manchmal frustriert und manchmal wütend. Ich bin manchmal überglücklich, meistens extrem kritisch und manchmal denke ich, es ist mir scheiß egal.
Aber zwischen alldem will ich einfach nur diese Geschichte endlich zu Ende schreiben. Ich habe keine Ahnung, wie man einen Roman schreibt. Beistriche sind für mich in den meisten Fällen immer noch ein Mysterium und ich weiß, dass es vermutlich nichts Frustrierenderes gibt, als einen Verleger zu suchen.
Aber ich will diese Geschichte zu Ende schreiben. Sie hat es eindeutig verdient. Diese Geschichte, die aus einem Bild in meinem Kopf entstanden ist. Die danach einfach so passiert ist. Aus dem Bauch. Eine Geschichte, die leise ist. Die nicht den Anspruch hat jemandem zu gefallen. 

The first person you are writing for has to be yourself. So don’t worry what anyone else thinks. They don’t matter.


Irgendwann werde ich ein Buch in den Händen halten. Über dessen Oberfläche ich streiche. Durch dessen Seiten ich mit meinem Daumen blättere, während ich den „Neues-Buch-Duft“ einatme.

Ein Buch, auf dem mein Name steht.

VA

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2 Comments

  • Reply
    Dany
    28. August 2018 at 13:27

    Valeria, Du sprichst mir aus der Seele. Jeden Tag nehme ich mir vor weiter zu schreiben. Jeden Tag denke ich wie schön es wäre dieses Buch fertig zu bekommen und es in meinen Händen zu halten. Ein Buch auf dem mein Name steht. Ein Roman, mein Roman. Aber ich halte mich immer und immer wieder an Dingen auf die eigentlich nicht wichtig sind. Muss ich ein Gewerbe anmelden wenn es sich wirklich verkauft, was, wenn ich etwas vergesse. Ich habe noch nie ein Buch geschrieben und habe das nicht gelernt. Vielleicht sollte ich mich erst weiterbilden… Und wo geht das Tag für Tag. Dabei fühlt es sich immer so gut an wenn ich dann in meiner Leseecke sitze und schreibe, Lese und überarbeite. Ich grinse vor mich hin und mein Herz ist glücklich.

    Liebe Grüße, Dany von https://www.danyalacarte.de

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      29. August 2018 at 9:24

      Hallo Dany,
      ich verstehe dich vollkommen. Aber diese Dinge, über die du nachdenkst, sind vorerst wirklich absolut nicht wichtig. Das Wichtigste ist, dass dein Herz glücklich ist. Und wenn es das ist, wenn du an deinem Buch weiterarbeitest, dann hast du eh alles richtig gemacht 🙂
      Ich wünsche dir ganz viel Motivation und vor allem auch Kraft, um gegen diese ablenkenden oder negativen Gedanken in deinem Kopf anzukämpfen!
      Du schaffst das! – Wir schaffen das 🙂
      Liebe Grüße,
      Valeria

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