valeriannala
meine Worte

Reden ist silber

Wir reden ständig.
Trauen uns gar nicht damit aufzuhören.
Smalltalk an jeder Ecke. Inhaltsleer.
Zu wenig aufrichtige Gespräche. Gespräche die gut tun, die weiterhelfen, die motivieren, die inspirieren.

Schweigen empfinden wir als schlecht, als unangenehm.
Wer schweigt hat nichts zu sagen. Ist nicht interessant.
Es wird krampfhaft nach Worten gesucht, die dann sowieso keine Bedeutung haben.
Wir machen das alle. Tagtäglich. Und wer es gut beherrscht, gewinnt.

Stille ist unerträglich.
Schweigen ist komisch.
Ein Wortschwall erhält mehr Aufmerksamkeit als ein ruhiger, gut überlegter Satz.

Bist du schon einmal einem fremden Menschen gegenüber gesessen und hast einfach nur zugehört? Dir eine halbe Stunde lang einfach nur alles erzählen lassen, ohne zu urteilen, ohne zu werten, ohne Ratschläge zu geben? Nur empathisch sein, einfühlend, verstehend, annehmend. Jede Frage zum richtigen Zeitpunkt und wohlüberlegt.

Ich habe mich zuerst innerlich gegen diese Übung, welche wir im Rahmen eines Seminars durchführen mussten, gewehrt. Eine Therapeut-Klient-Situation nachzuspielen mit einer fremden Person, die mir ein reales Problem erzählt. Es war ein richtiger Schubser raus aus meiner Comfort-Zone, in welcher ich es mir oft einfach viel zu gemütlich mache.
Aber wie soll man jemals gut in seinem Job werden, wenn man sich nicht traut auch unangenehme Situationen in Kauf zu nehmen, die einen schlussendlich weiter bringen?

Wir saßen uns also gegenüber. Der Fremde und ich. Den ich zwar vom Sehen kannte, aber mit dem ich zuvor wohl noch keine 5 Worte gewechselt hatte. Er begann zu erzählen. Zuerst zögernd, dann immer mehr und mehr. Und während sich in meinem Kopf schon 1000 Fragen und Anmerkungen sammelten, wurde mir bewusst wie schwer es tatsächlich ist sich einfach einmal vollkommen auf eine andere Person und deren Gefühle einzulassen, ohne sich dabei selbst in den Mittelpunkt rücken zu wollen.
Denn man will ja ganz automatisch von der ähnlich durchlebten Situation berichten.
Will erzählen, wie man selbst damit umgegangen ist.
Will unbedingt mitteilen, was für tolle Ratschläge man dafür bereit hätte.

Wir sind es nicht gewohnt, uns ein ganzes Gespräch lang immer nur in der passiven Rolle zu befinden, weil wir doch selbst auch so unglaublich viele interessante Dinge preiszugeben haben.
Aber darum geht es nicht. Es geht einzig und allein um das Gegenüber und seine Erzählungen, seine Empfindungen, seine kleine Welt.

Es ist erstaunlich, was für eine neue Erfahrung es für mich war auf diese Art und Weise zuzuhören. Wie ruhig man in dieser Rolle plötzlich wird, wie in sich gekehrt, wie aufmerksam für das was zwischen den Worten passiert.
Man merkt, wie wichtig es manchmal ist, eine Stille, ein Schweigen auszuhalten, damit sich die Wirkung des Wesentlichen erst so richtig entfalten kann.

Wir reden ständig.
Trauen uns gar nicht damit aufzuhören.
Smalltalk an jeder Ecke. Inhaltsleer.
Zu wenig aufrichtige Gespräche. Gespräche die gut tun, die weiterhelfen, die motivieren, die inspirieren.

Bist du schon einmal einem fremden Menschen gegenüber gesessen und hast
einfach nur zugehört? Dir eine halbe Stunde lang einfach nur alles
erzählen lassen, ohne zu urteilen, ohne zu werten, ohne Ratschläge zu
geben? Nur empahtisch sein, einfühlend, verstehend, annehmend. Jede
Frage zum richtigen Zeitpunkt und wohlüberlegt.

Probier’s aus!

VA

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6 Comments

  • Reply
    Kristina
    13. November 2015 at 18:38

    Sehr schöner Text! Einfach mal zuzuhören ist etwas, an dem ich viel stärker arbeiten muss.
    Liebe Grüße ♡ Kristina
    TheKontemporary

  • Reply
    Lisa Schmidt
    15. November 2015 at 22:30

    Ein toller text & du bist verdammt schön <3

    Ich würde mich freuen, wenn du an meiner Blogvorstellung teilnimmst ♥ 🙂

  • Reply
    Ruhrstyle
    17. November 2015 at 9:01

    Ein wirklich guter Text! Ich bin jetzt eh nicht so die Redenschwingerin und schon garnicht wenn mein gegenüber mir belanglosen Quark erzählt….

    Doch wenn es interessant ist, höre ich unheimlich gerne zu und das auch lange. Anschließend lasse ich natürlich meinen Gedanken dazu freien lauf und kommentiere auch das ein oder andere. Aber ich denke gern erst über gesagtes nach und gebe dann meinen Senf dazu ab. Drauflos plappern liegt mir garnicht.

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