Zu Beginn der 2. Staffel unserer Serie ‚the big simple‘, habe ich mir vorgenommen, jedes Thema als Schreibimpuls für mich zu nutzen und darüber einen Post zu verfassen. Der 2-Wochen-Rhythmus, in welchem wir die Folgen produzieren mussten, hat letztendlich dafür jedoch wenig Zeit gelassen, weshalb ich das nachholen möchte. Beginnen wir gleich mit dem ersten Thema: Geld.

Ein Twinni oder 100 Euro? Wofür würdest du dich entscheiden? Wenn du dich nicht gerade bei 40 Grad kurz vor dem Verdursten in der Wüste befindest, dann gehe ich davon aus, dass es Letzteres ist. Marinos Neffe wollte das Twinni, obwohl er nicht in der Wüste war. Und nicht kurz vor dem Verdursten. Marinos Neffe ist 4 und glaubt ans Christkind, an den Nikolaus, an den Osterhasen, aber nicht an Geld. In 10 Jahren wird er nicht mehr ans Christkind glauben, nicht an den Nikolaus, nicht an den Osterhasen. Aber er wird daran glauben, dass ihm ein Papierschein mit der Zahl ‚100‘ mehr bringt als ein Twinni. Ich verwende bewusst das Wort ‚glauben‘. Beim Geld gibt es zwar etwas Materielles, etwas das wir in der Hand halten können. Aber dass es die Funktion hat, die wir ihm beimessen, ergibt sich ausschließlich aus dem Umstand, dass wir daran auch glauben. Nicht nur ich und du und Marinos Neffe irgendwann. Nein, die ganze Welt glaubt daran. Bis auf das Urvolk der ‚North Sentinel Island‘. Ein Glaube, der stärker zu sein scheint, als jeder andere Glaube. Denn aus dem Glauben an Gott, kann man problemlos aussteigen. Nicht mehr an Geld zu glauben, ist ohne gröbere Konsequenzen kaum möglich. Die Welt in der wir leben würde dich auf jeden Fall dafür bestrafen. Geld weist somit tatsächlich sogar parallelen zur Sekte auf. Aber was ist die Alternative? Es hat ja einen Grund, warum es Geld gibt. Es macht ja schon Sinn, dass man eine Lösung dafür gefunden hat, wie man bestimmte Güter aufteilt, wie man unterschiedliche Expertisen belohnt.

Geld ist nicht einfach nur Geld. Versuch einmal bei all deinen Überlegungen die Komponente ‚Geld‘ wegzulassen. „Wenn Geld keine Rolle spielen würde,…“ ist ein häufiges Gedankenexperiment, eben weil Geld fast immer eine Rolle spielt. Geld beeinflusst die Entscheidung, welchen Beruf du ausübst. Also das, was du jeden Tag machst. Und es wird noch dazu in Form von Geld bewertet wie viel eine Stunde Arbeit von dir wert ist. Bei manchen ist sie 6€ wert und bei Messi 1,5 Millionen. Es kann nie gerecht sein. Aber muss es so unfair sein?
Kein Geld zu haben, kann verdammt unglücklich machen. Und krank. Viel Geld zu haben macht aber laut Studien nur bis zu einem bestimmten Punkt glücklicher. Ab ca. 80.000€ Brutto Jahreseinkommen, steigt die Zufriedenheit nicht mehr signifikant weiter an. Weil sich für luxuriöse Lebensumstände auch recht schnell ein Gewöhnungseffekt einstellt.

Was ist Geld für mich? Ob ich es will oder nicht, führe ich insgeheim -wie jede(r) andere- eine Langzeitbeziehung mit Geld. Und irgendwie, irgendwo muss man für sich auch definieren wie wichtig einem dieses ist, welchen Stellenwert und welchen Platz man ihm einräumt. Geld war mir nie wichtiger als Freiheit. Nie wichtiger als Zufriedenheit. Trotzdem ertappe auch ich mich immer wieder dabei, wie ich mir vorstelle was alles besser wäre mit mehr Geld. Mit ganz, ganz viel Geld. Weil Geld ja auch eine Form von Freiheit ist, wobei der Weg dorthin halt nicht immer so frei ist.
Aber auch wenn auf dem Papier Geld der Auslöser für vieles Schlechte zu sein scheint, bin ich nicht der Meinung, dass Geld böse ist. Das Geld ist nicht das Problem. Die Menschen sind es. Wie sie damit umgehen und wie sie es nicht mehr als Mittel zum Zweck sehen, sondern als Möglichkeit sich zu identifizieren, zu präsentieren. Etwas von dem sie so viel wie möglich und vor allem mehr als alle anderen haben müssen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sogar wenn die Welt brennt.
Ich frage mich oft, wofür dieses Geld eigentlich steht? Warum es einem Unternehmen und dem Menschen der an dessen Spitze steht wichtiger ist Profit zu machen, als alles andere. Wichtiger als Menschen, wichtiger als die Grundlage seiner Existenz. Die Luft zum Atmen. Es ist nicht das Geld. Es muss das Ego sein und das Nichtaktzeptierenwollen der Tatsache, dass man selbst nur ein Mensch von vielen ist, gleich wichtig wie jede(r) andere, der/die irgendwann einmal stirbt. Vielleicht hilft ihnen Geld sich darüber hinwegzutrösten. Oder sie reden es sich zumindest ein.

Auf dem 1-Dollar-Schein steht „In God we trust“, was ich ironisch finde, weil ‚money‘ an der Stelle von ‚God‘ viel passender wäre.

 

Hier könnt ihr euch die Folge „Geld“ unserer Serie „the big simple“ kostenlos anschauen.

 

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