valeriannala
meine Worte

SehnSucht

Der Junge saß am Fenster. Immer dasselbe Fenster. Vorhänge in rot. Sie sollten ihn warnen.
Der Junge saß am Fenster. Starrte in das Rot. Es brannte in seinen Augen.
Warnung wovor? Manchmal vergaß er.  Manche nannten es anders. Nannten es verdrängen.
Der Junge saß am Fenster und versuchte das Brennen in seinen Augen zu erinnern.
Erinnern an die Warnung. Verborgen im Rot. So präsent, so durchdringend. Und doch.
Für ihn nicht greifbar. Schwindend. Am Anfang so stark, am Ende so schwach.
Es war ein Kampf gegen die Sehnsucht. Ein Kampf gegen das Schöne. Reine, liebliche Schönheit.
Wer siegt nicht gerne über das Böse? Wer würde zögern das Schlechte zu missachten?
Doch sein Gegner war nicht sein Feind. Er war die Erinnerung an Freude.
Seine größte Hoffnung. Verborgen hinter alten Welten. Hinter rot. Warnend.

Der Junge saß am Fenster. Immer dasselbe Fenster. Vorhänge in rot. Sie sollten ihn warnen.
Der Junge saß am Fenster. Starrte in das Rot. Es brannte in seinen Augen.
Warnung wovor? Er hatte vergessen. Vergessen, dass er schon wieder verdrängte.
Der Junge saß am Fenster und versuchte das Brennen in seinen Augen zu erlösen.
Langsam hob er seine Hand. Tief in ihr die Vorfreude. Bald war es soweit.
Langsam führte er die Hand. Weg vom Körper. Plötzlich liebte er rot.
Keine Warnung. Ein Zeichen. Sagte er sich und berührte es. Sein Zeichen. So zart der Stoff.
Freudig war er. Erwartungsvoll. Wozu das lange Leiden? Wozu das Kämpfen ohne Feind?
Lang genug die Starre. Die Leere, wartend. Lang genug die unterdrückte Sehnsucht.
Rasch schob er den Vorhang zur Seite. Ohne weitere Gedanken. Das Rot, es lichtete sich.

Das Herz sprang. Stürzt sich in das Schöne. Tanzte mit der Freude. Alte Welten öffneten sich.
Ein Hoch. Wie high. Sehnsucht befriedigt. Kein sehnen mehr, kein suchen mehr.
Angekommen. Dort verweilend. Umgarnt, wohlig warm, leicht wie auf Wolken.
Dauerte ein paar Tage. Hielt sich so. High.

Bis hoch zu viel war. Bis hoch sich bog. Bis hoch nicht mehr stand hielt.
Der Fall. Vertraut und doch überraschend. Jedes Mal.
Der Junge fiel. Auf dieselbe Stelle.
Dieselbe Stelle wie schon letztes Mal. Das Mal davor. Davor. Davor. Am Anfang.
Er fiel und hielt sich am Vorhang fest. Zog ihn zu. Rasch. Ohne weitere Gedanken. Malte ihn rot.
Es sollte ihn warnen.

Der Junge saß am Fenster. Immer dasselbe Fenster. Vorhänge in rot. Sie sollten ihn warnen.
Der Junge saß am Fenster. Starrte in das Rot. Es brannte in seinen Augen.
Warnung wovor? Manchmal vergaß er.  Manche nannten es anders. Manche nannten es verdrängen.

VA

 

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