valeriannala
meine Worte

Semesterende

Schon wieder ein Jahr um. Schon wieder steht einer an der Tür und geht. Ein Neuer kommt.
Schon wieder stehen wir zwei hier und bleiben da. Uns gibt’s noch.
Schon wieder gehen alle irgendwohin ihre Wege und ich werde unruhig. Unruhig weil irgendwie die Konstante wegfällt. Ich bin gerne heute hier und morgen da, bin gerne frei. Aber auch ich brauche meine Anker die mich daran erinnern, dass zumindest gewisse Dinge Bestand haben. Dass immer zumindest irgendetwas da ist, an dem ich mich im Notfall festhalten kann. Ein Rettungsring, eine Notbremse, eine Boje.

Schon wieder gehen alle irgendwohin ihre Wege und ich sitze da und rekapituliere. Lasse alles vor meinem inneren Auge noch einmal abspielen. Für mich ist Silvester Anfang Juli.
Schon wieder Sommer. Schon wieder steige ich bald in die Zeitmaschine namens Zug und mache mich auf den Weg nach Hause. Zu Hause ist für mich der Ort an dem die Zeit stehen geblieben ist. Als ob dort immer noch 2009 ist und ich 17 bin. Die Zeiten haben mich geändert, aber meine Stadt nicht. Mein süßer Häuserfurz im ländlichen Vorarlberg bleibt irgendwie immer der selbe.

Schon wieder ein Jahr um. Schon wieder steht einer an der Tür und geht. Ein Neuer kommt.
Schon wieder stehen wir zwei hier und bleiben da. Zumindest für jetzt. Ein paar Tage noch. Und dann dürfen wir uns wieder vermissen. Kann ja auch schön sein. Absence makes the heart grow fonder. Und immer wenn ich alleine bin, dann wird mir vieles klarer. Immer wenn ich alleine bin werde ich ein kleines bisschen besser im Ich-sein. Im Ich-verstehen. Das ist wichtig. So sagt man doch.

Mich nervt es selbst schon wenn die „alten“ Leute ihre Hände über dem Kopf zusammenklatschen und „Oh wo sind denn all die Jahre hin?!“ jammernd rufen. Aber sie sind nun einmal tatsächlich ziemlich flüchtige Bekanntschaften, die oft so schnell an dir vorbeirauschen, dass du gerne sagen würdest: „Jetzt bleib doch bitte kurz einmal stehen, ich komm nicht hinterher!“.
Warten tut nur keiner. Das Einzige was man tun kann, ist danach noch einmal innerlich auf den Replay-Knopf zu drücken. Sich für sich selbst Zeit nehmen und noch einmal in Ruhe Vergangenes durchspielen, damit das Zukünftige Sinn macht.

Schon wieder ein Jahr um. Und ich klatsche meine Hände über dem Kopf zusammen und frage mich wo es hin ist. Es war ungefähr wie alle 3 Teile Herr der Ringe hintereinander und trotzdem kam es mir nie lang vor. Einer geht, einer kommt. Du bleibst da. Ich geh auch. Aber ich komme wieder. Ich werde wiederkommen und wissen, dass das kommende Jahr wie alle 3 Teile Herr der Ringe und alle 7 Teile Harry Potter hintereinander werden wird und es mir trotzdem nie lang vorkommen wird. Weil es noch intensiver und mit viel mehr Veränderungen geprägt sein wird als das Letzte.

Schon wieder gehen alle irgendwohin ihre Wege und es macht mich unruhig.
Aufbruchsstimmung ist immer intensiv. Ist immer ungewiss. Ist immer komisch.
Zu Hause wartet die Vergangenheit auf mich. Aber ich bin nicht mehr 17.
Ich muss mich nur nach meinen Ankern umsehen, dann wird schon alles gut sein.
Leben bedeutet nun einmal Veränderung.

So sagt man doch.

VA

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2 Comments

  • Reply
    Fräuleins Tagebuch
    14. Juli 2015 at 7:44

    Wow, der Text gefällt mir unglaublich gut! Ich frage mich auch immer wieder, wo die Zeit eigentlich geblieben ist, schließlich habe ich in etwas mehr als zwei Monaten hoffentlich meinen Bachelor in der Tasche. Wohin es danach geht? Gute Frage. Die Umbruchstimmung, die du beschreibst, kommt mir also recht bekannt vor. Ungewissheit ist schon ein komisches Gefühl. Du hast es schön auf den Punkt gebracht. 🙂

    Liebe Grüße!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 13:48

      Dankeschön 🙂
      Ich mag deine Texte auch immer sehr gerne!

      Und wohin es danach geht, wirst du bestimmt auch noch heraus finden :).

      Liebe Grüße,
      VA

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