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meine Worte

SEO – verträgt sich das mit Kunst oder kann das weg?!

 

Am Begriff SEO führt heutzutage kaum ein Weg vorbei. Jedes noch so kleine Unternehmen, jeder Blog und jede Marketingagentur macht es.
Ist SEO also der einzige Weg zum Erfolg in der Online-Welt oder ein lästiges, starres Korsett, welches dem Text keinen Platz zum Atmen lässt?

‚Macht ihr SEO oder lasst ihr das einfach weg?‘ las ich vor kurzem in einer der vielen Blogger-Gruppen auf Facebook. SEO aka Search Engine Optimization bzw. ganz einfach Suchmaschinenoptimierung soll genau das tun, was auch schon im Wort selbst steckt. Texte optimieren. Und zwar so, dass die Seiten in Suchmaschinen besser gerankt werden.
Je mehr ich mit SEO konfrontiert wurde, desto neugieriger hat es mich gemacht. Erste Recherchen führten für mich dann aber schnell zu dem Schluss: ‚Nope, ich glaub das ist nichts für mich.‘ Bis ich dann irgendwo einmal den Satz ‚Bloggen ohne SEO ist wie Autofahren mit angezogener Handbremse.‘ aufgeschnappt habe. Dem Gegenüber bin ich auf die Aussage ‚Ich schreibe für Menschen und nicht für Suchmaschinen.‘ gestoßen, mit welcher ich gefühlsmäßig auf Anhieb irgendwie mehr anfangen konnte.

Nun weiß ich aber leider aus Erfahrung, dass es sich mit angezogener Handbremse tatsächlich nicht so gut fahren lässt. Unzählige Workshops, Artikel und Vorträge zum Thema SEO wird es zudem nicht einfach nur zum Spaß geben. Aus diesen Gründen begann ich mich nach meinem Umzug zu WordPress zum ersten Mal richtig mit der Materie zu befassen. Das ‚Yoast SEO‘ Plugin hilft dabei ja ungemein und macht selbst AnfängerInnen mit einfachen Hinweisen deutlich was wichtig ist, damit ein Text als ’suchmaschinenoptimiert‘ gilt und der Blog endlich auch auf die Autobahn auffahren darf.

Du hast noch kein Keyword ausgewählt. Dein Keyword kommt nicht im Titel vor. Dein Keyword kommt nicht im ersten Absatz vor. Die Keyword-Dichte beträgt nur 0,1% – nicht so toll. Dein Keyword ist nicht in der URL enthalten. Es wurde keine Meta-Beschreibung angegeben. Bei der Lesbarkeit besteht Verbesserungsbedarf. Füge mindestens eine Unterüberschrift hinzu.

Viele Aufforderungen, welche im Prinzip auch gar nicht so schwer zu befolgen sind. Denn so viel muss da eh nicht herum-optimiert werden, um zumindest für Yoast ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Aber ist es tatsächlich auf jeden Text anwendbar?

SEO funktioniert meiner Meinung nach hervorragend für Fachartikel, für Anleitungen, Unternehmensblogs, ja vielleicht auch für Reiseberichte und Rezepte. Tatsächlich kann es sogar eine gute Stütze sein, um sich überhaupt einmal Gedanken darüber zu machen, welche Struktur denn inhaltlich sinnvoll ist. Bei plumpen Fashionblogs wird es auch nicht groß einschränkend sein das Keyword ‚Bomberjacke‘ in den Titel, den ersten Absatz und weiß sonst noch wo hineinzupacken, weil der Text ja sowieso zweitrangig zu sein scheint.

Aber was macht Goethe? Was macht Rainer Maria Rilke? Bzw. was hätten die beiden (und viele andere) gemacht, wenn sie in der heutigen Zeit gelebt und ihre Kunst nicht auf Papier gebracht, sondern ins www gestellt hätten? Ich bin mir sicher, keiner der beiden wäre gerne mit angezogener Handbremse gefahren. Aber kann/sollte man Gedanken und Gefühle für Suchmaschinen optimieren? Sollte man den ersten Absatz einer Kurzgeschichte ändern, nur damit das Keyword es sich dort gemütlich machen kann? Und darf der Titel nicht einfach einmal nur aus zwei Worten bestehen, damit er den Ausdruck des Textes unterstreicht?

Genauso sitze ich manchmal vor meinen Texten und denke über Handbremsen und das Schreiben für Menschen nach. Es wäre ein kleiner Stich ins Herz, gewisse Beiträge für Suchmaschinen zu ‚optimieren‘, während sie gleichzeitig für mich zur Hülle werden. Zu einem SEO-Opfer. Weil da einfach keine Überschrift passt. Weil die Worte genau so wie sie da stehen authentisch sind und alles andere für mich keinen Sinn ergäbe.

Beispiel: Der erste ‚Absatz‘ von Wunder Punkt…‚:

„Du bist mein wunder Punkt. Mein Wunderpunkt.
Verwundet sind wir beide.“

Kein SEO-Parade-erster-Absatz. Und ich wüsste nicht wo und wozu ich in diesen Text eine Unterüberschrift platzieren sollte. Außerdem will ich nicht Punkt. Oder Wunder. Oder Wunderpunkt. So und so viele Male einbauen, nur weil es der Suchmaschine besser gefällt. Es muss genau so oft da drin stehen, wie es sich beim Schreiben richtig angefühlt hat. Ich will ja schließlich Geschichten erzählen. Es sind nicht nur bedeutungslose Buchstaben.

SEO und ich, das habe ich beschlossen, werden uns versuchen anzufreunden. Aber nur so weit, wie es auch tatsächlich Sinn macht. Dann, wenn es sich halbwegs natürlich einbauen lässt und der Struktur hilft. Dann, wenn die Ästhetik und Authentizität dadurch nicht in den Hintergrund rückt.

SEO – Ja okay, aber nicht auf Biegen und Brechen.
Liebe sollte nur im ersten Absatz stehen, wenn auch wirklich Liebe drin steckt.

VA

 

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8 Comments

  • Reply
    Robert
    14. März 2017 at 15:48

    Man kann Google zwar immer noch manipulieren und austricksen um vielleicht mal einen Artikel nach oben zu bekommen.
    Aber viel wichtiger ist mittlerweile, dass die Leute auf deiner Seite bleiben, deine Artikel auch mal in den sozialen Medien teilen usw usf.

    Man darf den Suchmaschinen bloß den Zugang zur Seite nicht so schwer machen. Und was nicht gesucht wird, kann noch so gut auf den einzelnen Suchbegriffen ranken.

    Als literarischer Autor muss man dann halt eher die Startseite / Themenseiten optimieren als die Texte selbst.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      15. März 2017 at 23:10

      Danke für deinen Kommentar, das ist auf jeden Fall ein guter Gedanke!

  • Reply
    *thea
    14. März 2017 at 16:07

    Schön geschrieben! Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen und sehe das ähnlich. Wenn es ein Beitrag mit vielen Bildern ist, nenne die ich die Bilder oft so, wie ich es googlen würde – mit verschiedenen Varianten – und hoffe, dass es dann auch gut gefunden wird, auch wenn der Text selbst nicht so optimiert ist. Liebe Grüße *thea

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      15. März 2017 at 23:08

      Dankeschön!
      Ja das macht wohl auf jeden Fall Sinn 🙂

  • Reply
    Kea
    22. März 2017 at 16:31

    Hach, meine Liebe, ich werde ein immer größerer Fan deiner Seite! Mit der Diskrepanz zwischen Blogger-Regeln und der Freiheit der Kunst habe ich auch schon einige Male gehadert – theoretisch, in Artikeln zu diesem Thema, aber auch ganz praktisch, im täglichen Dialog mit Yoast 😀 Für mich die Lösung: Beiträge, in denen es um Prosa oder Lyrik geht, optimiere ich nicht. Denn genau, wie du sagst, auch Goethe hätte über SEO sicher nur müde gelacht. Manche Dinge passen nicht in’s Profiblogger-Schema und vielleicht ist das sogar ganz gut so – denn damit sind sie diese funkelnden Diamanten, die schwer zu finden, aber unbeschreiblich schön sind. Liebe Grüße, Kea

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2017 at 21:04

      Das freut mich sehr :)!
      Ja genau das habe ich für mich auch beschlossen. Macht ja keinen Sinn Lyrik zu verSEOen :D. Der Gedanke mit den Diamenten gefällt mir <3

  • Reply
    Melanie Pignitter
    24. März 2017 at 13:56

    Ach ich kann dich zu gut verstehen!
    Mir ergeht es ähnlich mit Seo. Bei manchen Beiträgen denke ich mir – lieber nicht gefunden werden, aber dafür authentisch und stilvoll sein. Für diejenigen deren wahre Leidenschaft das Schreiben ist und nicht das Thema Mode, Rezepte…. dahinter, ist Seo eine riesige Einschränkung. Es nimmt uns quasi die künstlerische Freiheit.
    Ich für mich habe beschlossen den Mittelweg zu gehen.
    Danke für diene Worte, lg Melanie

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      24. März 2017 at 15:58

      Ja genau, es ist auf jeden Fall eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit. Weshalb ich mich dort, wo die Kunst im Vordergrund steht, nicht einschränken lassen möchte. Bei anderen Beiträgen -wenn es möglich und sinnvoll ist- versuche ich auf SEO zu achten.
      Ich glaube auch, dass dieser Mittelweg am besten ist.
      Ganz liebe Grüße!

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