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Wo die Reise hingeht

„Ich schalte meinen Kopf aus, lass mich leiten von irgendwas in mir, das immer wieder fragt: „Was wäre wenn?“. Ich drücke auf „Flug buchen“ und weiß gleichzeitig, dass es unangenehm werden wird. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Unangenehm, weil es so spontan ist und ich deswegen nicht wirklich gut vorbereitet bin.
Unangenehm, weil ich in letzter Zeit zwar viel Sport gemacht habe, aber trotzdem nicht weiß, ob ich tagelang problemlos wandern kann.
Unangenehm, weil ich am ersten Tag schon 10 Blasen an den Füßen bekommen könnte.
Unangenehm, weil ich längere Zeit auf ein eigenes Zimmer und allzu viel Privatsphäre verzichten werden muss.
Unangenehm, weil es mitten auf dem Weg zu regnen beginnen kann. Den Gedanken daran finde ich momentan zwar ziemlich cool, das ändert sich aber vielleicht, wenn ich klitschnass und noch kilometerweit von der nächsten Herberge entfernt bin.
Unangenehm, weil ich nicht in der „Wildnis“ pinkeln kann – nein ehrlich, ich bin da ganz untalentiert.
Unangenehm, weil ich einen Rucksack stundenlang mit mir herumtragen muss und aus diesem Grund auch nur das Allernötigste mitnehmen werde.
Und in allererster Linie unangenehm, weil ich das alles ganz alleine mache und mir genau dieser Punkt auch sehr wichtig war.

Was wäre wenn? Wenn ich einfach beschließen würde aufzubrechen. Ohne lange dies und jenes abzuwägen oder zu hinterfragen. Weg und reisen. Aber sicher nicht in das nächste All inclusive Resort.
Eine Weltreise wäre zwar cool, liegt momentan aber nicht unbedingt im Budget.
Ich hatte den Drang zu reisen. Aber nicht zu langweilig und trotzdem auch nicht zu sehr Halligalli. Nicht zu teuer und trotzdem ganz wertvoll.

Der Jakobsweg. Spätestens seit Hape Kerkeling gibt es fast schon einen Hype darum, ich weiß. Aber als meine Mum vor einigen Jahren das erste Mal einen Teil davon ging, schwärmte sie immer wieder so sehr von diesem Gefühl einfach zu wandern. Davon wie beeindruckend es war, jeden Tag anderen Menschen zu begegnen und wie vielseitig und wunderschön die Landschaft ist. Für mich war damals schon klar, dass ich es irgendwann auch einmal wagen würde. Mit wem? – Das war nur immer die Frage. Weil man dies nicht mit jedem machen könne, meinte meine Mum. Weil sie schon von Paaren gehört hat, die sich danach trennten und eine Frau kennen lernte, die nach 30 Jahren Freundschaft nicht einmal mehr im gleichen Flugzeug wie ihre (ehemals) beste Freundin heimfliegen wollte. Darum schien ich für mein Unterfangen immer auf eine Art „Seelenverwandte(n)“ zu hoffen, der/die es cool findet auf minimalistische Art und Weise mit mir durch Spanien zu latschen, am Abend die stinkende Kleidung von Hand auszuwaschen und in Mehrbettzimmern mit schnarchenden Menschen aus aller Welt zu schlafen. Der/Die mit mir reden, aber auch mit mir schweigen kann. Jemand auf selber Wellenlänge, damit wir uns am Ende nicht hassen.
Dieses Mal habe ich mich nicht mehr gefragt „Mit wem?“. Ich habe mich gefragt, warum und wie lange ich noch auf irgendwelche Menschen oder irgendwelche Momente warten möchte. Warum generell immer warten und es von irgendwas oder irgendwem abhängig machen, nur damit man eine Ausrede dafür hat, warum man es doch nicht tut.

Was wäre wenn. Wenn ich meine Liebe zu Spanien (& der spanischen Sprache) mit meinem Bewegungsdrang, meiner Abenteuerlust und meiner Neugierde für Neues verbinden könnte und dabei vielleicht auch noch herausfinden könnte wer ich bin, wenn ich einfach nur ich bin. Ohne irgendwen.
Darum gehe ich den Jakobsweg. Oder zumindest einen Teil davon. Zumindest so viel, wie ich mir für den Anfang zutraue.
Ich habe -wie ihr lest- so meine Vorstellungen wie es werden wird. Aber im Grunde habe ich keinen Plan was mich da wirklich erwartet.
Ich werde am Dienstag noch einen Tag in León genießen und am Mittwoch einfach los starten. Immer den Pfeilen und den Muscheln nach.
Vielleicht werde ich es hassen und mir nach dem ersten Tag wünschen ich wäre nie losgegangen. Vielleicht werde ich es lieben und noch weiter gehen wollen. Ich weiß nicht wie es sein wird und ich weiß auch nicht wie lange ich brauchen werde. Ich habe noch keinen Rückflug. Aber genau das alles macht für mich den Reiz aus.

Meine Mum gibt mir Tipps und kann sich zwischendurch immer wieder einmal ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen. So in die Richtung: „Ach, das Mädchen hat keinen Plan was da auf sie zukommt.“ Aber ich weiß, dass sie es gut findet und ich weiß auch, dass ich es gut finde.
Auch wenn ich von all dem was mich dort erwarten kann und wird auch ein bisschen Respekt habe.

Ich freue mich auf meine Reise. Auf meinen Weg. Den ich ganz alleine gehen werde. Alles andere ist offen.
Jeder Tag ein spontaner Tag.

VA

Goodbye Comfort Zone

Gemütlich. Alles wäre doch gerade so gemütlich und angenehm. Ich hatte mich eingenistet. Das hier war mein Wohlfühlnest. Ich habe es mir ausgesucht. Ich habe mich hineingelegt und langsam sehe ich darin den Abdruck meines Körpers. In diesem Nest würde ich bleiben, das war klar. Das war damals klar, das war noch bis vor einigen Wochen glasklar. Es würde alles in eine Richtung laufen. Eine Richtung die jeder kennt, die jeder geht. Jeder ähnlich, nur nicht zu sehr anders. Mit dem Nest immer ganz nah. Nie mehr als 10 Schritte davon entfernt. Die einen wünschen es sich noch. Ich hab es schon. Es hat den Abdruck meines Körpers. Sei doch endlich mal zufrieden.

Woher überhaupt der Gedanke, dass ich keinen Plan hätte? Er lag ja da. Der Plan. Schon die ganze Zeit. Mitten auf dem Tisch. Alles stimmig, machte Sinn. Ganz angenehm, ganz unkompliziert. Genau so wie es sein sollte. Genau so, wie man sich wünscht, dass das Leben sich anfühlt. Alles was ich tun musste, war ihn mir ansehen, ihn aufnehmen, ihn befolgen. Das konnte doch nicht so schwer sein. Ich hatte schon viele Pläne gesehen, aufgenommen, befolgt.

Der Plan war unterschrieben von vielen. Investoren. Nur ohne Geld. Möchtegern-Investoren. Meinungs-Investoren. Sie richten ihre Augen auf mich. Jede Handlung wird beobachtet, analysiert, hinterfragt. Ich bräuchte ihn doch nur anzusehen, aufzunehmen, zu befolgen. Ganz angenehm, ganz unkompliziert. Jeder Lebensbereich ganz wunderbar. Ich war doch prädestiniert -so wie alle- für dieses Wohlfühlnest mit Abdruck.

Alles war glasklar. Das Glas liegt jetzt in Scherben und das ist gar nichts Schlechtes. Ich darf mir die Stücke nun aussuchen. Ich darf sie neu zusammen setzen. Genau so, wie mir das gefällt. Vielleicht wird das Fenster dann zum Spiegel und ich sehe mich.

Gemütlich. Alles wäre doch gerade so gemütlich und angenehm. Aber während ich in meinem warmen Nest liege. So gleichmäßig vor mich hin träumend. So geschützt und umsorgt. Denke ich mir: „Was wäre wenn?“ . Wenn ich doch einfach. Und könnte ich nicht? Wäre jetzt nicht genau richtig? Ist JETZT nicht immer genau richtig?

Was wäre wenn? Ich schlafe mit dem Gedanken ein. Ich wache mit dem Gedanken auf und er fühlt sich unangenehm an. Unangenehm richtig. Ich halte den Gedanken. Ich halte ihn zwei Tage lang. Richtig unangenehm. Unangenehm richtig.

So etwas muss ich mir doch nicht antun. Da wird mein Nest nicht mitkommen. 1000 Schritte davon entfernt.

Was wäre wenn? Ich halte den Gedanken zwei Tage und merke, dass ich dadurch für mich eine Grenze überschreite. Etwas Neues wage. Mich herausfordere, genau dort wo ich es brauche.

Ich schalte meinen Kopf aus, lass mich leiten von irgendwas in mir, das immer wieder fragt: „Was wäre wenn?“. Ich drücke auf „Flug buchen“ und weiß gleichzeitig, dass es unangenehm werden wird. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 
VA

Life Update: Wenn die Zukunft dunkel ist

Ich klicke das nächste Video an, obwohl ich das eigentlich gar nicht müsste. Schließlich habe ich nun Netflix und Netflix meint, wenn ich es in 15 Sekunden nicht schaffe mich loszureißen, habe ich eh schon verloren. Soll Netflix das nur machen. Mein Schweinehund wehrt sich kein Stück dagegen. Ganz im Gegenteil. Der freut sich über noch mehr Unterstützung. Und während ich dies selbst damit zu rechtfertigen versuche, dass ich momentan nun einmal nicht so gut drauf bin oder zur Abwechslung einfach einmal faul sein will, merke ich, dass dies nur dumme Ausreden sind. Ich bin nicht faul. Mich macht nichts nervöser als faul zu sein. Ein Tag nichts tun und ich bin unzufrieden, zwei Tage nichts tun und ich werde gereizt, drei Tage nichts tun und ich bin für mich (und andere) unausstehlich. Und während ich feststelle, dass mein Netflix-Konsum nichts mit Faulheit zu tun hat und dieses ‚Ich bin halt grad nicht so gut drauf.‘ auch nur zur Selbstberuhigung dient, merke ich, dass ich Angst habe. Eine neue Angst. Die sich unglaublich langsam angeschlichen hat und mir erst jetzt mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. Eine Angst, die mich erst jetzt richtig zusammen brechen lässt. Die mir zeigt, dass diese Freiheit, die ich mir jahrelang herbei gesehnt hatte, gar nicht so furchtbar romantisch ist, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Ich hatte diese Angst vielleicht schon einmal im Kleinen. Nach der Matura. Aber da war ich 17 und mit 17 nimmt es dir keiner Übel, dass du keinen Plan hast, was du mit deinem Leben machen sollst. Niemand, außer ich selbst vielleicht. Weil ich immer die mit Plan war. Immer die Zielstrebige, die Ehrgeizige. Nach einem halben Jahr Au-pair und insgesamt 6 verschiedenen Inskriptionen auf der Uni, war ich dann wieder in meinem Element. Voll auf Kurs. Zwei Studien. Weil eines ganz bestimmt zu wenig ist und das jeder kann. Zwei Studien und mir war klar, dass mehr als Mindeststudienzeit für mich absolut nicht in Frage kam. Master war es dann nur noch einer. Zusatzausbildungen zwei. Praktika vier, längerfristige Jobs einer, dazu ein zeitaufwendiges kleines Herzensprojekt namens Blog und das alles in 5 Jahren.

Jetzt steh‘ ich da. Und jeder sagt: ‚Du hast so viel erreicht.‘ Ich stehe da und mich interessiert nichts von all dem was da auf dem Papier steht. Weil ich Angst habe. Und mir all das nicht hilft. Weil es höchstens schlechte Anker sind. Dinge, die ich erzähle, wenn mich jemand fragt, was ich denn ’so mache‘. Ich erzähle was ich gemacht habe. Damit ich mich über die Frage nach dem Jetzt hinwegretten kann und jeder einmal seinen „Oh Psychologie, dann muss ich jetzt aber aufpassen was ich sage.“-Schmäh anbringen kann. Ich tu dann so, als ob ich ihn zum ersten Mal höre und belohne ihn mit einem gezwungenen Lächeln.

Meine Freunde sind inzwischen (fast) alle Project Manager, Controller, Junior Consultant oder sonst irgendwas in einem großen Unternehmen. Das klingt super fancy und ich freu mich für sie alle. Aber im Grunde sind es auch wieder nur diese Ganztags-Bürojobs bei denen man ein Mini-Rädchen im großen System ist. Wahrscheinlich klinge ich verwöhnt und arrogant, aber ich kann das nicht. Ich kann nicht 40h oder mehr meiner Lebenszeit pro Woche für irgendetwas verschwenden, hinter dem ich nicht stehe, worin ich keinen Sinn sehe und was mich nicht glücklich macht. Nein, es muss nicht einmal glücklich sein. Es reicht auch schon zufrieden.

Ich bin keine Schülerin mehr, aber wahrscheinlich weil ich mich genau wieder wie eine fühle, hat mich der Vortrag von Ali Mahlodji (whatchado.com) bei der Bloggerkonferenz in Linz so bewegt. Weil all das wovon er geredet hat, einfach eins zu eins zu meiner aktuellen Situation passt.

„Wenn die Zukunft dunkel ist, dann hat man Angst und keine Perspektive. Und wer Angst hat, hat keine Möglichkeiten sich zu entfalten.“

Ich verstehe das nicht nur, sondern ich spüre es ganz stark. Er sagt wir leben unser Leben als wäre es eine Generalprobe für später. Und genau das will ich nicht. Wir sind in diesem Land so unfassbar privilegiert mit all dem was wir haben. Mit all den Möglichkeiten, den Absicherungen. Selbst wenn ich wenig Geld habe, lebe ich in Österreich im Vergleich zu anderen im puren Luxus. Und wie jeder weiß, steht in der Maslowschen Bedürfnispyramide an der Spitze die Selbstverwirklichung. Wenn alle grundlegenden Bedürfnisse gestillt sind, dann wollen wir mehr. Ich will mehr. Nicht mehr Geld. Sondern mehr Leben. Sinnvoll leben. Nicht nur für mich oder für den Profit eines Unternehmens. Ich will auch für andere leben. Für mehr Menschlichkeit. Die Welt im Kleinen verändern, auch wenn ich sie alleine nicht retten kann. Ali meint, auch wenn man nur einem Menschen hilft, dann hat man zumindest seine Welt für immer verändert.

Wenn ich mich in meiner Ahnungslosigkeit manchmal doch noch traue auf mein Innerstes zu hören, dann gibt es genau drei Dinge die ich machen möchte. Ich möchte schreiben & kreativ sein, ich möchte reisen und die Welt entdecken und ich möchte mit Menschen in Kontakt treten und ihnen helfen. So gut ich kann. So viel ich kann. Drei große Leidenschaften, die zusammen meine Berufung sind und die ich irgendwie zu meinem Beruf machen möchte. Nicht nur möchte, sondern muss. Weil ich weiß, dass ich sonst für immer ein Leben leben würde, das mich nicht erfüllt.

„Die Welt braucht mehr Orientierung!“, sagt Ali. Und ich weiß, dass er recht hat. Ich weiß, dass ich persönlich sogar ganz viel davon brauche. Denn wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann weiß ich, dass ich es umsetzen kann und werde. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, weiß ich, dass sich alles genau richtig ergeben wird. Dass ich alles dafür tun werde.

Momentan versteckt sich dieses Ziel noch. Ganz gekonnt. Hinter Zweifeln und ganz viel Angst. Aber ich weiß, dass Angst offen zuzugeben der erste Schritt in die richtige Richtung ist. Weil es schon mehr ist, als viele andere schaffen. Ich will ehrlich und authentisch sein. Auch wenn mich das verletzlich macht. Weil ich Verletzlichkeit zuzulassen und herzuzeigen sowieso als große Stärke sehe.

An jeder Ecke wird uns eingeflößt wie motiviert und inspiriert wir doch 24/7 zu sein haben. Wie kleine Einhörner, die ständig über Regenbögen springen als wären sie auf Koks. So ist es aber nicht. Und ich will jedem Mut machen zu seiner Angst zu stehen, zu seiner Menschlichkeit. Und auch einmal zuzugeben, wenn man gerade an der Motivations- und Inspirations-Front komplett scheitert.

Einen Plan zu haben ist unglaublich sexy. Wir mögen solche Menschen. Vielleicht weil wir merken, dass man nie alles planen kann und diese Menschen uns zumindest noch an der Illusion festhalten lassen. Ich gebe aber ganz offen zu, dass ich was dies betrifft momentan alles andere als sexy bin. Ich will es auch gar nicht mehr vorspielen.

Im Grunde ist es erst ein Monat her, seit ich meine letzte Ausbildung am Postgraduate Center der Uni abgeschlossen habe. Ich bin offiziell also immer noch Studentin und habe im letzten Monat auch nie nichts getan. Trotzdem fühlt es sich so an. Weil in unserer Gesellschaft scheinbar immer noch nur ein klassischer Vollzeitjob ein richtiger Job ist und man für alle anderen Dinge die man sonst macht und erreichen möchte schräg angeschaut wird. Weil man dann nur naive Träumerin ist. Darum tut es mir so gut unter Menschen zu sein, die mich verstehen. Unter anderen vermeintlich naiven Träumern und unter solchen, die dadurch inzwischen sogar Großes bewirkt haben.

Gestern hat es geregnet, heute scheint die Sonne. Der April und ich. Wir schwingen momentan im Einklang.
Ich freue mich auf den Mai.
Und spüre mehr denn je, irgendetwas wird passieren.

VA

Von Influencern & Prinzessinnen und was ich mir für meine Tochter wünsche

Es waren nur noch ein paar wenige. Ein paar wenige Bücher, die aus einem vollen Regal übrig blieben.
So versuchte ein Video deutlich zu machen, wie Frauen in Kinderbüchern dargestellt werden. In vielen davon gab es nicht einmal eine weibliche Figur. In einigen durften sie zwar existieren, aber nicht sprechen. Zum Schluss gab es noch jene mit weiblichen, existierenden und sogar sprechenden Charakteren, die aber allesamt Prinzessinnen waren und deren Sehnsüchte sich auf einen Prinzen beschränkten. Nahm man all diese Bücher weg, blieb also aus einem vollen Regal mit Kinderbüchern nur noch eine Handvoll übrig. Eine Handvoll Bücher, in denen Mädchen/Frauen als mündige Personen mit Ambitionen dargestellt werden.

Sind ja nur fiktive Geschichten, könnte man jetzt sagen. Leider aber sind es ebendiese Geschichten, die den Kindern vorgelesen werden. Geschichten, die sie vor dem Schlafengehen hören, sich merken, weitererzählen. Geschichten die ein Stück weit ihr Weltbild prägen und Anleitungen sind, Vorbilder. Wer wollte nicht als kleines Mädchen einmal Prinzessin sein?
Diese Mädchen werden dann älter. Und vielleicht sind es dann nicht mehr Geschichten aus Büchern, sondern die Stories auf Instagram, Youtube etc. womit sie täglich konfrontiert werden. Nun weiß ich nicht wann und ob ich überhaupt jemals eine Tochter haben werde. Trotzdem mache ich mir in letzter Zeit hin und wieder darüber Gedanken. Darüber Gedanken, was sie in den (sozialen) Medien präsentiert bekommen würde. Darüber, was ihre potentiellen „Vorbilder“ wären.

Wenn ich dann die 12-jährigen Mädchen in der Straßenbahn begeistert über ‚BibisBeautyPalace‘ „philosophieren“ höre…
Wenn ich mitbekomme wie die Mädls bei GNTM jedes Jahr gefühlt immer noch dümmer werden…
Wenn nicht nur der Bachelor noch nicht abgeschafft wurde, sondern sich Frauen auf Puls4 im Bikini von einem Mann als „Absage“ in den Pool schmeißen lassen und dann auch noch traurig sind, weil dieser sie nicht genommen hat…
Wenn ich lese wie sich manche Bloggerinnen aus Prinzip weigern ernstere oder intellektuellere Themen auf ihrem Blog anzusprechen, weil es ja nur um ‚die schönen Dinge im Leben‘ gehen soll…
Wenn ich sehe wie Frauen in ihren Instastories den ganzen Tag nur vom Shoppen und vom Schminken sprechen und jegliche weiblichen Klischees bilderbuchartig erfüllen…
Dann mache ich mir ernsthafte Sorgen.

Klar, viele dieser „Influencer“ haben es geschafft. Frauen die sich eigenständig und mit harter Arbeit ein Imperium aufgebaut haben. Aber ist es im Grunde nicht auch wieder nichts anderes als ein Königreich für die Prinzessin? Sie existieren, sie können sprechen, aber was sind ihre Ambitionen? Vielleicht kein Märchenprinz – immerhin steht die Abhängigkeit von einem Mann nicht mehr im Zentrum. Jedoch besteht dieses Imperium der Frauen in den meisten Fällen aus Klamotten, Make Up und Fashionshows. Und genau das ist der Punkt. Erfolgreiche Frauen – ja natürlich. Aber wenn dann bitte als Modepüppchen und Kleiderständer. Als Bussi-Bussi-Tussi, deren schwierigste Entscheidung es ist, ob sie sich morgens Cherry Pie Matt oder doch lieber Glossy Grapefruit auf die Lippen schmieren soll.
Und wo ist das Talent? Wo sind die (intellektuellen) Fähigkeiten die den Frauen eh schon oft genug abgesprochen werden? Ja klar, das Talent sich gut zu verkaufen. Aber das kann Strache auch.
Und ganz am Rande – muss man das selbstbestimmte Boss, wirklich noch mit einem Girl verniedlichen und auf ein rosarotes Cover packen? Ich meine, wie ironisch ist das denn bitte? Aber alle springen darauf an, alle sind jetzt „girlboss“. So ein bisschen wie Chefin der Barbie-Abteilung.
Ich verstehe bei bestem Willen nicht, warum so viele Frauen Personen wie z.B. Caro Daur folgen. Nein, sie verherrlichen sie sogar nahezu. Ist Geld, ein Promi-Lifestyle und komplett abgemagert sein wirklich alles was für eine Frau noch als erstrebenswert gilt?

Es ist ein bisschen wie mit den rassistischen und sexistischen Kommentaren auf irgendwelchen unterirdischen Online-Medien. Man weiß, dass man sie gar nicht erst lesen sollte, tut es dann aber doch und kommt aus dem Kopfschütteln und dem Verzweifeln gar nicht mehr heraus. So geht es mir regelmäßig, wenn ich z.B. wieder einmal schockiert auf Zahnstocherbeine auf Instagram blicke und dann im nächsten Moment einen Kommentar darunter mit „Body Goals <3“ lese. Wirklich? Das sind also die Goals, die Ziele, die eine Frau heutzutage hat bzw. haben sollte? Es soll (unabsichtlich oder absichtlich) mager sein wer will, aber dass das dann auch noch zum Ziel erklärt wird, ist in so vielerlei Hinsicht bedenklich wie ich es kaum in Worte fassen kann. Die Zahlen der essgestörten Mädchen/Frauen sind wirklich erschütternd und was noch viel verstörender ist: nicht nur Jugendliche, sondern auch schon kleine Mädchen, die noch Kinder sind, empfinden sich oft unbegründet als zu dick. Wie konnte es nur so weit kommen? Warum müssen so viele unglücklich mit ihrem Körper sein? Warum müssen so viele einen solchen Druck verspüren einem Ideal zu entsprechen? Einen Druck, welcher sie zutiefst traurig und unsicher macht.
Dann sehe ich den Kommentar „Body Goals <3“. Und auch wenn für mich „abgemagert“ schon lange nicht mehr für „Schönheit“ steht, frage ich mich, was meine kleine 11-jährige Tochter sich einmal denken soll, wenn sie so etwas sieht/liest. Wenn sie dann in den Spiegel blickt und eigentlich wunderschön aussieht, aber verwirrt ist, weil Leute sagen etwas anderes wäre das Ziel. Wenn ihr überall irgendwelche Bibis entgegen lächeln und ihr ein schreckliches Frauenbild vermitteln.

Ich höre schon die „Aber,…“-Sager. Und ja, natürlich kann man nicht alles verallgemeinern und natürlich ist ein Mädchen solchen Inhalten nicht komplett hilflos ausgeliefert. Sie kann im Idealfall auch noch selbst reflektieren, erfährt einen positiven Einfluss seitens der Eltern etc. Jedoch abgesehen davon ist es sehr wohl so, dass Influencer, Youtuberinnen, Bloggerinnen, TV-Sendungen etc. eine große Wirkung auf Mädchen/junge Frauen haben.
Es wurde schon oft über Verantwortung diskutiert. Jeder weiß wie schrecklich Frauenmagazine sind, welche furchtbaren Werte GNTM vermittelt, wie beinahe jedes Werbeplakat den Frauen einreden möchte, dass hier und da noch ein Makel beseitigt werden muss. Jeder weiß es. Doch getan wird nichts. Stattdessen beginnen Mädchen im stillen Kämmerlein ihre Beauty-Tutorials. Ihre Fashionblogs. Aus manchen wird dann etwas. Etwas „Großes“. Und alles wovon sie dann öffentlich reden sind Designertaschen und Lippenstiftnuancen. Sie vermitteln, dass Reichtum und eine seelen- und gedankenlose Mager-Prinzessin zu sein das Nonplusultra ist. So viel zur Verantwortung.

Es ist ein Teufelskreis. Ein Teufelskreis von „was Leute gut finden wird in und was in ist finden Leute gut“. Ich würde mir nur wünschen, dass mehr weibliche Vorbilder „in“ werden, die auch noch etwas anderes können als schön aussehen und ihr Gesicht verkaufen. Weibliche Vorbilder, die eine eigene Meinung haben, kritisch sind, die nicht nur in Frauenklischees leben, sondern auch andere Interessen haben. Solche die nicht immer nur mit Samthandschuhen angegriffen werden wollen. Solche mit einem Ziel, mit Werten, mit einer Botschaft. Weniger leere Prinzessinnen-Hüllen, mehr echte Menschen. Damit man ohne schlechtes Gewissen eine Tochter in diese Welt schicken kann. Ohne Angst davor, dass sie mit 8 schon glaubt sie wäre zu dick, oder dass alles was sie erreichen kann mit Klamotten zu tun haben muss, dass alles worum es im Leben geht Geld ist.
Das wünsche ich mir.

VA

Es gibt sie! Viele großartige und starke weibliche Vorbilder. Und ich finde es sollte noch deutlich mehr von ihnen geben bzw. sollten sie viel mehr ins Rampenlicht gerückt werden. Eine Frau, die ich persönlich sehr inspirierend finde, darf ich euch schon bald auf dem Blog vorstellen und ich hoffe es folgen in Zukunft noch mehr.

SEO – verträgt sich das mit Kunst oder kann das weg?!

 

Am Begriff SEO führt heutzutage kaum ein Weg vorbei. Jedes noch so kleine Unternehmen, jeder Blog und jede Marketingagentur macht es.
Ist SEO also der einzige Weg zum Erfolg in der Online-Welt oder ein lästiges, starres Korsett, welches dem Text keinen Platz zum Atmen lässt?

‚Macht ihr SEO oder lasst ihr das einfach weg?‘ las ich vor kurzem in einer der vielen Blogger-Gruppen auf Facebook. SEO aka Search Engine Optimization bzw. ganz einfach Suchmaschinenoptimierung soll genau das tun, was auch schon im Wort selbst steckt. Texte optimieren. Und zwar so, dass die Seiten in Suchmaschinen besser gerankt werden.
Je mehr ich mit SEO konfrontiert wurde, desto neugieriger hat es mich gemacht. Erste Recherchen führten für mich dann aber schnell zu dem Schluss: ‚Nope, ich glaub das ist nichts für mich.‘ Bis ich dann irgendwo einmal den Satz ‚Bloggen ohne SEO ist wie Autofahren mit angezogener Handbremse.‘ aufgeschnappt habe. Dem Gegenüber bin ich auf die Aussage ‚Ich schreibe für Menschen und nicht für Suchmaschinen.‘ gestoßen, mit welcher ich gefühlsmäßig auf Anhieb irgendwie mehr anfangen konnte.

Nun weiß ich aber leider aus Erfahrung, dass es sich mit angezogener Handbremse tatsächlich nicht so gut fahren lässt. Unzählige Workshops, Artikel und Vorträge zum Thema SEO wird es zudem nicht einfach nur zum Spaß geben. Aus diesen Gründen begann ich mich nach meinem Umzug zu WordPress zum ersten Mal richtig mit der Materie zu befassen. Das ‚Yoast SEO‘ Plugin hilft dabei ja ungemein und macht selbst AnfängerInnen mit einfachen Hinweisen deutlich was wichtig ist, damit ein Text als ’suchmaschinenoptimiert‘ gilt und der Blog endlich auch auf die Autobahn auffahren darf.

Du hast noch kein Keyword ausgewählt. Dein Keyword kommt nicht im Titel vor. Dein Keyword kommt nicht im ersten Absatz vor. Die Keyword-Dichte beträgt nur 0,1% – nicht so toll. Dein Keyword ist nicht in der URL enthalten. Es wurde keine Meta-Beschreibung angegeben. Bei der Lesbarkeit besteht Verbesserungsbedarf. Füge mindestens eine Unterüberschrift hinzu.

Viele Aufforderungen, welche im Prinzip auch gar nicht so schwer zu befolgen sind. Denn so viel muss da eh nicht herum-optimiert werden, um zumindest für Yoast ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Aber ist es tatsächlich auf jeden Text anwendbar?

SEO funktioniert meiner Meinung nach hervorragend für Fachartikel, für Anleitungen, Unternehmensblogs, ja vielleicht auch für Reiseberichte und Rezepte. Tatsächlich kann es sogar eine gute Stütze sein, um sich überhaupt einmal Gedanken darüber zu machen, welche Struktur denn inhaltlich sinnvoll ist. Bei plumpen Fashionblogs wird es auch nicht groß einschränkend sein das Keyword ‚Bomberjacke‘ in den Titel, den ersten Absatz und weiß sonst noch wo hineinzupacken, weil der Text ja sowieso zweitrangig zu sein scheint.

Aber was macht Goethe? Was macht Rainer Maria Rilke? Bzw. was hätten die beiden (und viele andere) gemacht, wenn sie in der heutigen Zeit gelebt und ihre Kunst nicht auf Papier gebracht, sondern ins www gestellt hätten? Ich bin mir sicher, keiner der beiden wäre gerne mit angezogener Handbremse gefahren. Aber kann/sollte man Gedanken und Gefühle für Suchmaschinen optimieren? Sollte man den ersten Absatz einer Kurzgeschichte ändern, nur damit das Keyword es sich dort gemütlich machen kann? Und darf der Titel nicht einfach einmal nur aus zwei Worten bestehen, damit er den Ausdruck des Textes unterstreicht?

Genauso sitze ich manchmal vor meinen Texten und denke über Handbremsen und das Schreiben für Menschen nach. Es wäre ein kleiner Stich ins Herz, gewisse Beiträge für Suchmaschinen zu ‚optimieren‘, während sie gleichzeitig für mich zur Hülle werden. Zu einem SEO-Opfer. Weil da einfach keine Überschrift passt. Weil die Worte genau so wie sie da stehen authentisch sind und alles andere für mich keinen Sinn ergäbe.

Beispiel: Der erste ‚Absatz‘ von Wunder Punkt…‚:

„Du bist mein wunder Punkt. Mein Wunderpunkt.
Verwundet sind wir beide.“

Kein SEO-Parade-erster-Absatz. Und ich wüsste nicht wo und wozu ich in diesen Text eine Unterüberschrift platzieren sollte. Außerdem will ich nicht Punkt. Oder Wunder. Oder Wunderpunkt. So und so viele Male einbauen, nur weil es der Suchmaschine besser gefällt. Es muss genau so oft da drin stehen, wie es sich beim Schreiben richtig angefühlt hat. Ich will ja schließlich Geschichten erzählen. Es sind nicht nur bedeutungslose Buchstaben.

SEO und ich, das habe ich beschlossen, werden uns versuchen anzufreunden. Aber nur so weit, wie es auch tatsächlich Sinn macht. Dann, wenn es sich halbwegs natürlich einbauen lässt und der Struktur hilft. Dann, wenn die Ästhetik und Authentizität dadurch nicht in den Hintergrund rückt.

SEO – Ja okay, aber nicht auf Biegen und Brechen.
Liebe sollte nur im ersten Absatz stehen, wenn auch wirklich Liebe drin steckt.

VA

 

Ich habe mich neu verliebt

„Ich bin noch nicht bereit alles hinzuschmeißen. Aufgeben ist irgendwie nicht so meins und solange sich aufhören noch nach aufgeben anfühlen würde, weiß ich, dass ich noch weiter machen muss.“

Fast ein halbes Jahr ist es her. Und während ich dies schreibe kann ich es kaum glauben. Ein halbes Jahr. Seit ich in einer Phase geprägt von Lernstress und größten Selbstzweifel diesen Beitrag veröffentlicht habe.

„Ich muss mich neu verlieben. In das regelmäßige Schreiben, in das Teilen des Geschriebenen, in das Gefühl nach dem Klicken des ‚Veröffentlichen‘-Buttons und in mein Wozu? Warum? Für was überhaupt?.“

Und knapp ein halbes Jahr später saß ich nach einer wunderbaren Reise wieder in Wien. Anstatt dass ich Klarheit gewonnen hätte, wuchs die Verzweiflung. Wozu, warum, für was überhaupt schreibe ich noch? Merkt überhaupt irgendwer wie viel Liebe und Gefühl ich in meine Texte stecke oder geht das alles sowieso einfach nur unter? Im Überfluss. Weil doch niemand mehr Zeit hat sich auf etwas Geschriebenes einzulassen. Jeder sieht sich nur wie ein Kleinkind beim Comic die Bilder an.
Begreift überhaupt noch jemand, dass Worte genauso sehr Kunst sein können wie ein Gemälde, wie eine Melodie, ein Tanz?
Ich wusste nicht, ob ich noch schreiben mochte. Ich stellte mir vor wie einfach es wäre einen endgültigen Schlussstrich darunter zu ziehen. Aufhören mit etwas das man liebt, damit man nie wieder enttäuscht werden kann. Oder liebte ich es sowieso schon gar nicht mehr? Redete ich es mir nur weiter ein, um nicht einen Teil meiner Identität zu verlieren?
„Willst du noch schreiben? Macht es dir noch Spaß? Alles andere ist unwichtig.“
„Ich weiß es nicht.“


Die Tür ging vor uns auf und die Kälte schlug uns ins Gesicht. Es war mehr als nur Kälte. Es war ein Wachrütteln. Unsanft. Willkommen in der Realität. Wir stiegen in das Auto ein. Endlich geschafft. Wir setzten uns auf die Rückbank. Das Auto fuhr los. Ich sah aus dem Fenster. Es war schon dunkel. Die Nacht schwarz, die Straßen weiß. Helle Lichter ließen mich das Tanzen der Schneeflocken beobachten.
Kälte erinnert. Erinnert an dich.
‚Erzählt doch mal! Was war denn nun das Highlight?‘ Gespräche im Auto.
Der Winter schlug ihr ins Gesicht. Schlug ihr ins Herz. Ein Stich.
‚Und wie war es mit der Hitze?‘
Mit drei Menschen im Auto. Und ich schrieb in meinem Kopf Texte. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Ich saß in einem meiner letzten Kurse. Der Vortragende war so schlecht, dass ich mich fragte wie sie für so etwas überhaupt Geld verlangen dürften. Noch dazu nicht wenig. Ich saß ganz hinten. Die vier Stunden zogen sich in die Länge. Seine Vorträge langweilten mich und Langeweile machte mich unruhig. Machte mich immer nervös, manchmal fast schon aggressiv. Zeit verschwenden, wenn man im Leben eh nur so wenig hat. Schrecklich.
Freiheit. Frei. Fliegen. Angst. Gefangen werden? Freiheit. Frei. Alles möglich. Keine Ahnung heißt alles ist möglich. Freiheit. Frei. Ich.
Mit dreißig Menschen in einem Raum. Und ich schrieb in meinem Kopf Texte. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Ich saß da und es hatte mich überwältigt. Weder positiv, noch negativ. Nur überwältigt. Es kam überraschend. Und eigentlich doch schon lange erwünscht.
Mit vier Menschen an einem Tisch und ich wollte nur aufstehen und Texte auf Papier schreiben. Musste Worte finden, um Gefühle zu verdauen. Mit ihnen spielen, ihnen Bedeutung schenken. Keine Pflicht. Reiner Impuls.


Wie merkt man, dass man etwas noch liebt?
Liebe ist. Und ich glaube genau das ist der Punkt. Wenn es einfach nur ist. Einfach da ist. Ob ich will oder nicht. Ohne Anstrengung. Ohne Zwang. Wenn es Impulse weckt, ein intensiveres Fühlen erlaubt. Sowohl positiv als auch negativ. Man sich selbst dadurch mehr spürt.

Wie merkt man, dass man etwas noch liebt? Liebe ist. Und ich glaube genau das ist der Punkt.
Mein Schreiben ist. Mein Schreiben braucht kein Außen, um zu sein.

Ich habe mich neu verliebt.
Vielleicht war ich schon immer verliebt. Habe mich nur nicht getraut es zuzulassen.
Ich brauche das Schreiben. Ich brauche meinen kleinen Blog. Egal wer mich versteht und wer nicht. Egal wer liest und wer nicht.

Mein Schreiben ist.
Und ich höre nicht damit auf.

VA

Genieß es!

Ich grabe die Hände in den Sand. Nasser Sand. Weicher, weißer Sand. Meine Zehen spielen mit dem Wasser. Klares, salziges Wasser. Ich sitze da in meinem Ganzkörperanzug. Quallenschutz, haben sie gemeint. Es stört mich nicht. Immerhin muss ich mir so keine Gedanken um genügend Sonnenschutz machen. Entspannen. Vor mir, neben mir, um mich herum das Meer. Ein Horizont, die Weite. Unter mir der Sand. Ich grabe die Hände hinein. Hole mir eine Handvoll heraus. Lass ihn durch die Finger rieseln. Grabe die Hände wieder in den Sand. Anfang und Ende. Ende und Anfang. Nur der Sand, das Meer und ich.
Zum ersten Mal seit langem habe ich das Gefühl genau in diesem Moment genau am richtigen Ort zu sein. Nämlich hier. Und jetzt.
Ich werde ruhig. Ich fühle. Die Nässe, die Wärme, die kleinen Wellen, die an mir brechen. Happy place. Darüber sprechen doch immer alle. Das hier muss er sein. Mein Happy place. Zumindest für diesen Moment. Zumindest für diesen Moment bin ich vollkommen glücklich.

„Genieß es!“, gibt man Reisenden immer gerne mit auf den Weg. Und ich habe viele von diesen „Genieß es!“ gehört, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe. Die ersten zwei Wochen waren dann vielleicht nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich wollte mich eigentlich vom Master-Abschluss-Stress erholen und den ganzen „Genieß es!“ folge leisten. Die ersten paar Tage in Australien hat mich der Jetlag dann jedoch ziemlich mitgenommen, danach mussten wir dummerweise eine Nacht am Flughafen in Neuseeland verbringen, was dem Schlafrhythmus auch nicht unbedingt half. Direkt gefolgt von einem Tag an dem ich mein Handy verloren, verzweifelt gesucht und dann (längere Geschichte) fünf Stunden später wiederbekommen habe. Am selben Abend war das Erdbeben. Wieder kein Schlaf. Zwei Nächte schlaflos in Wellington.
Danach wurde ich krank. Nicht schlimm. Nur eine klassische Erkältung. Der Schlafmangel hat sicher seinen Beitrag dazu geleistet. Verzichtet haben wir auf unser Programm jedoch trotzdem nicht.
Nach einer Wanderung dann der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens. Im Gesicht. Vollkommene Entstellung. Und zum Schluss überfahren wir noch einen Stein und hätten beinahe unser Mietauto geschrottet.

„Genieß es!“ hieß es. Zu Beginn sah es für mich jedoch absolut nicht nach genießen aus. Aufregend. Ja. Wertvolle Erfahrungen, neue Eindrücke, ein beeindruckendes Neuseeland. Ja. Ja. Und ja. Aber vom entspannten Genießen konnte noch nicht wirklich die Rede sein.

Dann wieder zurück nach Australien. Nach und nach ließ die Anspannung nach. Mehr und mehr kam ich zur Ruhe. Ich begann Momente aufzusaugen. Bewusst innezuhalten, um sie zu zelebrieren. Ich machte mir immer wieder bewusst wie glücklich ich mich in diesen Momenten schätzen konnte. Wie wertvoll das alles war. Zehn Wochen der Welt zu Hause einfach einmal den Rücken zukehren. Den Winter ein wenig verkürzen. Unbeschwert sein. Jeden Tag einfach leben. Und nicht „zerdenken“. Nicht von einem Punkt auf der To-Do-Liste zum nächsten springen. Und wenn es To-Do-Listen gab, dann nur voll mit schönen neuen Orten und Dingen die entdeckt werden wollten.

Ja, ich begann zu genießen. Im Hier und Jetzt. So wie es einem immer gepredigt wird. So wie ich bisher gedacht hatte es wäre gar nicht möglich.

Die letzten Tage dann. Es schmerzte. Ja es hatte noch nie so sehr geschmerzt – das Ende einer Reise. Ich wollte noch weiter. Wollte alles über den Haufen werfen und einfach den nächsten Flug buchen. Wenn man einmal genießt, dann wird man süchtig. Süchtig nach einem Leben, welches mehr ist als nur das Reden über irgendwelche Abschlüsse und nächsten Karriereschritte. Stattdessen reden über schon gesehen Orte und wohin der nächste Flug geht.
Die letzten Tage. Es schmerzte. Ja es hatte noch nie so sehr geschmerzt – das Ende einer Reise.
Und jedes Mal wenn ich mir die Fotos ansehe schmerzt es wieder – das Ende dieser Reise.

Wohin geht die nächste?

VA