Posts tagged Gedanken

Ich wünsche mir Mut

Für 2017 wünsche ich mir Mut.

Ich wünsche mir den Mut Entscheidungen zu treffen die mich glücklich machen, auch wenn sie unvernünftig sind. Unerwartet.
Ich wünsche mir den Mut unperfekt zu sein. Ich möchte ohne schlechtes Gewissen entspannen können. Genießen.
Ich wünsche mir den Mut loszulassen. Alles was mich offensichtlich unglücklich macht und woran ich trotzdem noch festhalte.
Ich wünsche mir den Mut nicht den einfachen Weg zu gehen. Den vermeintlich angenehmen, geregelten. Mut, zuerst alle möglichen Umwege auszuprobieren. Mit dem Strom schwimmen kann ich später immer noch.
Ich wünsche mir den Mut authentisch zu bleiben, stets so wie ich bin. Mut mein eigenes Vorbild zu sein. Nicht solche zu wählen die zwar erfolgreich, aber nicht erstrebenswert sind.
Ich wünsche mir den Mut mir keine Gedanken darüber zu machen was andere von mir halten. Die falsche Akzeptanz irgendwelcher Menschen bringt mir weder Freude, noch Glück noch Erfüllung.

Ich wünsche mir den Mut so zu leben wie ich mich gerade fühle. Wenn ich tanzen möchte, mitten auf der Straße, dann sollte ich das tun.
Ich wünsche mir den Mut der Welt ein wenig Liebe zu schenken. Komplimente auch wirklich auszusprechen und sie nicht nur zu denken. Mich über die Erfolge und schönen Erlebnisse anderer zu freuen und nicht verbittert und neidisch zu sein. Dankbar zu sein, für alles was ich selbst habe und erleben darf.
Ich wünsche mir den Mut ‚Jetzt‘ als den richtigen Moment zu erkennen. Im Jetzt die Chance zu sehen, sie zu ergreifen. Nicht mehr länger warten, Ausreden erfinden.
Ich wünsche mir den Mut Veränderungen nicht zu vermeiden.
Mut, keine Angst zu haben.
Um später nichts bereuen zu müssen.

Ich wünsche mir Mut.

Fotos: Carlo Sandblow, Rainbow Beach, Australia

VA

Wenn wir schon einmal hier sind

„…und dann denke ich mir, wenn wir schon einmal hier sind, dann können wir ja auch genauso gut einfach das Beste daraus machen.“

Wenn wir schon einmal hier sind… Er wusste nicht wie treffend er gerade laut ausgesprochen hatte, was sie schon so lange in sich trug.

All diese Gedanken. Warum wir hier sind. Wenn wir sowieso wieder gehen. Diese ständigen Versuche das Glück in irgendwelchen Dingen, irgendwelchen Menschen an irgendwelchen Orten zu finden. Eine Suche. Ein Wandern. Vielleicht auch mehr ein Umherirren. Das Leben ist ein Weg und wenn wir uns ehrlich sind – wir haben kein Ziel. Darum schaffen wir uns selbst welche. Kleine, große. Ziele, weil sie Halt geben. Anhaltspunkte sind, warum wir hier sind. Wenn wir sowieso wieder gehen.

Jeder braucht immer Ziele. Menschen ohne Ziele werden ausgelacht. Menschen ohne Ziele gelten als orientierungslos, bemitleidend. Andere sagen dann seufzend „Sie wird ihren Weg schon noch finden.“ Dabei ist sie oder er sowieso schon auf dem Weg. Immer auf ihrem oder seinem Weg. Man braucht kein Ziel, um zu gehen. Kein Ziel, um zu leben. Und wer bestimmt eigentlich was Umwege sind?
Ein Ziel ist immer ein Ende. Eines Weges. Und ein Anfang für das nächste Ziel. Das nächste werdende Ende.

Fotos: Byron Bay, Australia
Sie sind gut. Als Halt. Als Anhaltspunkt. Als Motivation bestimmte Dinge zu tun. Ziele.

Aber wenn wir schon einmal hier sind. Lass uns einfach das Beste daraus machen. Auch wenn wir gerade kein bestimmtes Ziel haben. Keines sehen. Keinen Grund wissen. Warum wir hier sind. Wenn wir sowieso wieder gehen.

Lass uns das Beste daraus machen. Einfach so. Jeden Tag. Mit dem was wir haben. Mit dem was wir sind.

VA

Wenn die Erde bebt – Das Erdbeben in Wellington

Ich wache auf. Und alles geht ganz schnell. Viel zu schnell um sofort realisieren zu können was eigentlich gerade passiert. Mein Freund neben mir ist ebenfalls wach. Wer könnte da auch weiterschlafen. Wenn die Erde bebt. Wenn unser Fundament plötzlich beschließt nicht mehr stabil zu sein. Das Selbstverständlichste der Welt. Einen Boden unter den Füßen zu haben. Nicht ein Dach über dem Kopf. Nicht Nahrung im Magen. Noch viel basaler. Einen Boden unter den Füßen. Und genau dieser Boden bebte.

Wir sahen uns gegenseitig an. Halb verschlafen und vollkommen perplex. Das Zimmer bewegte sich. Das ganze Haus bewegte sich. Vor und zurück. Eine surreale Situation. Denn wie kann sich ein ganzes Haus gefühlt einen Meter nach vor und wieder zurück bewegen?

Es war nicht nur ein kurzer Moment. Es war mehr als nur ein Wackeln, ein kurzes Schütteln. Es blieb genug Zeit für Schock, gefolgt von dem Gefühl, dass es wohl ein schlechter Scherz sein musste, dass man zuvor noch von Erdbeben in Neuseeland gelesen hatte und am ersten Tag in diesem Land genau ein solches passierte. Kein normales, kleines, wie man es hier eh gewohnt war. Eines, welches die EinwohnerInnen von Wellington als das stärkste, welches sie bisher erlebt hatten beschrieben.

Erdbeben sind gruselig. Erdbeben sind wie Unfälle. Weil man machtlos ist. Weil es da diesen einen Moment gibt, diese eine Millisekunde, in welcher man die Kontrolle verliert. Sie abgibt. An das Ungewisse, den Lauf des Lebens, das Schicksal – irgendetwas da draußen. Wie auch immer man es nennen mag.

Ich hatte bisher nur einen kleinen Verkehrsunfall. Auf dem Moped. Wir saßen da zu zweit. Eine ziemlich starke Kurve voller Kies vor uns. Und dann erinnere ich mich nicht mehr an viel. Aber ich erinnere mich an diesen Moment des Fallenlassens. An den Moment, an dem ich die Kontrolle über mich selbst verlor und sie abgeben musste. Würde es nur ein kleiner Sturz sein, oder eine große Tragödie? Es war bereits entschieden und genau in dieser Millisekunde hatte ich kein Mitbestimmungsrecht mehr.

So lagen wir also im Bett. Nebeneinander. Und ich spürte den Moment. Den Moment in dem ich machtlos war. Kontrollverlust. Den Moment, in dem ich einfach alles ablegen und abgeben musste. Ausgeliefert. Wir lagen im Bett und wussten nicht was zu tun war. Wussten nicht ob man in so einer Situation schreiend nach draußen rennt oder sich auf den Boden legt und den Kopf schützt. Wir blieben liegen und jeder Meter vor. Jeder Meter zurück. War Kontrollverlust. Ich wusste, dass es jetzt nicht mehr in meiner Hand lag. Ob das Haus einstürtzt, ob der Spiegel zerspringt, wir den Hang hinunter rutschen, oder ob alles gut sein wird.

Die starken Nachbeben und Tsunamiwarnungen machten das Ganze nicht besser. ‚Move to higher ground immediately.‘ hieß es in offiziellen Meldungen auf Twitter. Waren ca. 60m auf einem Hügel genug ‚higher ground‘? In meinem Kopf spielten sich Szenen ab, in denen eine Monsterwelle über dem Hügel direkt gegenüber von uns brach.
Früher war ich nie ängstlich. Ich weiß nicht wo diese übertriebene Furcht auf einmal herkam.

Ich habe zwei Nächte gar nicht und eine Nacht nur ganz unregelmäßig geschlafen. Ich konnte sie nicht freiwillig abgeben. Meine Kontrolle. Im Schlaf war ich zu machtlos. Aber ich wollte bereit sein.
Als unsere liebe Host-Lady dann meinte ich solle schlafen, ‚Wenn das Erdbeben noch einmal kommt, dann kommt es.‘, war mir bewusst wie recht sie hatte. Dass ich auch wach und bei vollem Bewusstsein nicht kämpfen konnte. Dass ein Erdbeben eines von diesen Dingen im Leben war, die sich unserer Kontrolle entzogen. Und dies zu wissen schmerzte. Entweder würden die Nachbeben stärker werden und ganz Wellington zerstören (es gibt eindeutig zu viele Weltuntergangs-Filme), oder wir würden beruhigt unsere Reise gen Norden der Insel fortsetzten können. Es lag nicht in meiner Hand.

Es gibt diesen einen Moment. Diese eine Millisekunde. In der man alles abgibt. Loslässt. Weil gar nichts anderes möglich ist. Der Augenblick, der sich wie eine Szene in Zeitraffer anfühlt. Vertrauen oder verzweifeln? In jedem Fall jedoch abgeben. An etwas das wir nicht verstehen.

‚What’s comin‘ will come and we’ll meet it when it does.‘

VA

Ich glaube, also kann ich

„Whether you think you can, or think you can’t. You’re right.“ 
– Henry Ford

Ich suche stets die Geschichten. Geschichten, die für mich aus der Begegnung mit anderen Menschen entstehen. Geschichten, die sich zwischen den Zeilen ergeben.

Vor kurzem hat mich Pascal Hefti in sein neues Studio eingeladen, in welchem er sich den Traum vom Vollzeit-Fotografen erfüllen möchte. Als ich nach dem Besuch wieder ins Auto stieg, war mein erster Gedanke: So muss man es machen. Das eigene Ding durchziehen und einfach mit einer Selbstverständlichkeit daran glauben, dass es funktioniert.

Eigentlich sollte ich nicht jedes Mal vom Selbstbewusstsein anderer Menschen so überrascht sein.  Denn während ich gewisse Dinge zuerst hundert Mal abwäge, ob ich dies und jenes tatsächlich so oder so umsetzen kann, tun es andere einfach. Lassen sich nicht von der Konkurrenz einschüchtern. Glauben mit einer Leichtigkeit an sich und an das was sie tun.
Ein gutes Fähigkeitsselbstkonzept, würde man in der Psychologie sagen. Die Annahmen, welche man über die eigenen Fähigkeiten hat. Und tatsächlich ist ebendieses Fähigkeitsselbstkonzept zu einem großen Teil mit ausschlaggebend für den Erfolg.

Immer mehr wird mir dies bewusst. In den unterschiedlichsten Situationen. Dass dieser Glaube an die eigenen Fähigkeiten nicht nur Gerede ohne Inhalt ist. Im Studium, im Job, im Erfüllen der eigenen Träume, im Sport.

Früher habe ich mich beim Fußball spielen öfters dabei ertappt, wie ich mir gedacht habe: „Bitte kommt der Ball jetzt nicht zu mir, ich versau es eh nur.“ Eine solche Einstellung, diese permanente Angst vor Misserfolg -sie lähmt. Dass dann tatsächlich nicht mehr so viel gut gehen kann, ist quasi vorprogrammiert.
In diesem Sommer habe ich wieder angefangen zu spielen. Und ich habe beobachtet, wie viel mehr ich aus meinen eigenen Fähigkeiten heraus holen kann, wenn ich an sie glaube. Lockerer bin, Herausforderungen annehme anstatt mich von ihnen einschüchtern zu lassen. Denn wenn du auch nur den Bruchteil einer Sekunde an dir zweifelst, ist eine andere vor dir am Ball.

Einstellungen im Sport lassen sich oft auf viele andere Situationen im Leben übertragen. Vielleicht ist es also nicht der Ball, der uns gespielt wird. Vielleicht sind es neue Chancen, die uns zugeflankt werden. Von weitem, in hohem Bogen. Und der Moment, kurz bevor ich sie annehme, ist der entscheidende. Wende ich mich innerlich ab, ängstlich, ohne Zuversicht. Oder bin ich bereit, freue mich darauf Verantwortung zu übernehmen und zu zeigen was ich kann.

Ich will keine Angst mehr haben. Vor Bällen. Egal in welcher Form. Ich will sie annehmen und das Beste daraus machen. Glauben, dass ich es kann.
Nicht mehr vom Selbstbewusstsein anderer überrascht sein. Es sollte selbstverständlich sein.

VA

Fotos (c) by pascal-hefti.at

Du kommst wohl wirklich nie wieder zurück

Ich glaube nicht, dass es Phasen waren. Trauerphasen. So wie man das in Filmen oder Serien immer wieder sieht. Leugnen, Trauer, Wut,… und am Schluss die Akzeptanz.
Ich glaube, dass es bei mir von Anfang an immer ein bisschen von allem war. Überschattet von Unverständnis. Und Hilflosigkeit. Ganz viel davon.

Wenn man weiß, dass ein über alles geliebter Mensch bald sterben wird, dann hat man zumindest Zeit, sich darauf vorzubereiten. Ein großer Vorteil, sagt man. Vielleicht, ja. Nur weiß ich nicht, ob ich dieses Auf und Ab, dieses ständige Klammern an jeden noch so kleinen Hoffnungsfunken damals als Vorteil sehen konnte. Denn im Nachhinein fühlt man sich vom Leben verarscht. Dafür, dass man so sehr mit sich und gemeinsam mit ihr gekämpft hat. Dafür, dass man so sehr gelitten, sich Sorgen gemacht und sich Möglichkeiten überlegt hat.
Denn am Ende war da sowieso nur eines: Leere.
Und man fragt sich, wofür man sich das alles überhaupt angetan hat.

Wir hatten Zeit uns vorzubereiten. Die Frage aber ist, ob man denn je bereit sein kann.
Und ob man nicht eigentlich immer bereit sein müsste.

Seit sie weg ist, denke ich viel öfter über solche Dinge nach. Viel zu oft wahrscheinlich. Darüber, dass ich mich von geliebten Menschen jedes einzelne Mal so verabschieden sollte, als bestünde zumindest die geringste Chance, dass ich sie nie wieder sehe. Bei jedem Streit denke ich mir, oft mittendrin, ob mir nicht einfach alles egal sein sollte. Denn schließlich liebe ich diesen Menschen. Immer. Und alles andere ist doch völlig belanglos.
Aber das ist er eben, dieser schmale Grat, den man gehen muss. Zwischen ständig an die Sterblichkeit zu denken und sie völlig auszublenden.
Normalerweise sind wir ganz gut darin. Im Ablenken. Damit es uns nicht überwältigt. Das soll so sein.

Seit sie gegangen ist, bin ich nicht mehr ganz so gut darin. Denn seit sie gegangen ist, gestern vor drei Jahren, versuche ich zu begreifen. Und sobald man versucht zu begreifen, hat man wohl sowieso schon verloren.
Ich schaffe es inzwischen sehr gut, längere Zeit nicht daran zu denken. Aber wenn ich daran denke, dann sind da immer noch Wut, Trauer, Unverständnis. Umgeben von einer monotonen Hilflosigkeit.
Auch Akzeptanz. Man merkt irgendwann, dass einem sowieso nichts anderes übrig bleibt. Man merkt, dass der Tod einem die unvermeidliche Endgültigkeit ins Gesicht schlägt. Eine Endgültigkeit, die man so nicht kennt. Denn im Leben können wir Fehler machen und es wird uns verziehen. Wir können Jobs kündigen und finden andere. Können Ehen beenden und uns wieder neu verlieben. Aber wenn ein Mensch stirbt. Dann ist er weg. Und die damit verbundene Endgültigkeit ist wohl das was am meisten schmerzt.

Drei Jahre ist es her. Und erst jetzt. Langsam. Langsam komme ich an den Punkt an dem ich merke, dass sie wohl wirklich nie wieder zurück kommt. Dass das jetzt das Leben ist. So wie es ist. Ohne sie. Ohne ihre Umarmungen. Ohne ihr Lachen. Ohne ihre verrückte Art und ohne ihre unerfüllten Träume.
Akzeptanz. Eine bittere. Gegen die ich eigentlich rebellieren möchte, die mich aber schon zu sehr abgestumpft hat.

Ich würde mich ja wehren, gegen das alles. Ich bin schließlich bekannt dafür, dass ich bei wichtigen Angelegenheiten lieber einmal zu viel den Mund aufreiße als einmal zu wenig.
Aber hier bin ich machtlos. Ich akzeptiere das, größtenteils. Sie wird nie mehr wieder kommen. Egal wie oft ich mir das sehnlichst wünsche. Egal wie oft ich mir für einen kurzen Augenblick denke, dass sie jeden Moment vor der Tür stehen könnte. Ich akzeptiere es. Größtenteils. Und trotzdem ist da immer noch Wut. Trauer. Unverständnis. Hilflosigkeit.

Du solltest jetzt eigentlich hier sein.
In besonderen Momenten, besonderen Umschwungs-Lebensphasen vermisse ich dich nämlich am meisten.
Und manchmal auch einfach zwischendurch. Wenn ich weine und zuerst nicht weiß warum und dann merke, es ist wegen dir.

Weil für immer etwas fehlt.

VA

Jetzt ist nicht mehr später

Es ist Fluch und Segen zugleich. Mehr Segen, auf alle Fälle. Aber im Moment doch auch noch ein bisschen Fluch.
Die Aussicht auf das was bald kommt. Die Antwort auf ‚Was machst du eigentlich nach dem Studium?‘.
Zumindest eine vorübergehende.

Der Gedanke an diese Reise ist Fluch und Segen zugleich. Bald. Noch ca. vier Wochen. Und auch wenn es keine Weltreise ist. Auch wenn es nur ein bisschen mehr als zwei Monate sind. Ich werde jedes Mal ganz aufgeregt, wenn ich nur daran denke.

Australien und Neuseeland, ich komme!

In welcher Hinsicht das jetzt neben Segen auch Fluch sein soll? Naja, während mein Gehirn sich momentan noch zu 100% auf die bevorstehende Masterprüfung konzentrieren sollte, schwirren im Hinterkopf ununterbrochen andere Gedanken herum. Subjektiv empfunden viel wichtigere.
Welche Route, welche Unterkünfte, Kreditkarte brauch ich, Auto muss gebucht werden, was gibt es wo zu sehen, was nehme ich mit,…

Denn plötzlich ist es nicht mehr später.
Früher da war es immer später. Mit einem schüchternen vielleicht.
Jetzt nicht mehr. Ich habe es endlich geschafft banale Gründe nicht mehr zu Hindernissen werden zu lassen. Hindernisse, die den kleinen Träumen im Weg stehen. Jetzt ist der Moment, um das zu machen was mir gut tut. Nicht mehr erst wenn ich dies und jenes noch erledigt und geschafft habe.
Jetzt. Zumindest ganz bald. In weniger als einem Monat.

Und man braucht gar nicht viel zu rechnen, um zu merken, dass in diesen Zeitraum auch ein bestimmtes Ereignis fällt.
Advent. Weihnachten.
Überall lese ich bereits von Adventkalendern, sehe Lebkuchen und Deko und wie jedes Jahr denke ich mir: „Ernsthaft? Jetzt schon?“. Nur dieses Mal schwingt da noch etwas anderes mit. Denn dieses Mal habe ich das Gefühl, es betrifft mich nicht. An den winterlich verpackten Leckereien gehe ich schmunzelnd vorbei und stelle mir vor, wie ich an einem heißen Tag im Advent den Strand entlang schlendere.
Es hat mich schon ein wenig Überwindung gekostet. Eine Reise zu buchen, bei welcher ich an Weihnachten nicht bei meiner Familie sein und Wien im Advent erleben kann.
Trotzdem gibt es da doch auch ein paar Vorteile, die ich für mich darin sehe. Ich liebe die Weihnachtsstimmung, aber mein größter Feind ist die Kälte. Die Kälte und das Grau. Welches besonders in einer Großstadt auf Dauer unerträglich wird.
Darum freue ich mich nun einfach auf das diesjährige Weihnachtsfest. Welches so anders sein wird. Ungewohnt. Ein Erlebnis.

Und eben weil ich nicht da sein werde, muss auch ich notgedrungen für einen „Ernsthaft? Jetzt schon?“-Moment sorgen. Denn nicht nur die Wahlkarte muss vorab beantragt werden (!), sondern auch um die Geschenke für die Familie muss ich mich frühzeitig kümmern. Auch wenn diese bei uns nie im Vordergrund standen und wir keine dieser verwöhnten ich-bekomme-10-Geschenke-an-Weihnachten-Kinder waren, so finde ich es doch schön, meinen Liebsten zumindest mit einer Kleinigkeit eine Freude bereiten zu können. Und weil ich Einkaufsstress nicht ausstehen kann, erledige ich die Weihnachtseinkäufe seit Jahren immer online.

Dieses Jahr habe ich radbag entdeckt. Bzw. hat radbag eher mich entdeckt. Beim Durchstöbern des Online-Shops war ich sofort von der Vielfalt der Geschenks-Ideen begeistert. Des Öfteren konnte ich mir bei den Produkten auch ein Schmunzeln nicht verkneifen. Neben Praktischem gibt es nämlich auch kreativ Unnützes – was als Geschenk richtig originell sein kann. Besonders gefällt mir auch die Suchoption, durch welche man schneller einen Überblick bekommt, was denn wirklich für die entsprechende Person und das Budget in Frage kommen könnte.

Um euch einen kleinen Eindruck zu verschaffen, hier ein paar meiner persönlichen Favoriten:

 copyright by radbag.at
Jon Snow Tasse – Leuchtende Einhorn Hausschuhe – Star Wars Salz- und Pfefferstreuer
Hüftgold Muffin Formen – Mathematik Uhr – Cerealien Spender

Ich habe mich natürlich vom Shop auch selbst überzeugen lassen und eine Bestellung aufgegeben. Rasch und unkompliziert. Schon hatte ich zwei wichtige Accessoires für meine Reise. Ein Mikrofaser-Donut-Strandtuch und ein Nackenhörnchen mit Massagefunktion. Die beiden zeige ich euch dann am besten auf Instagram live in action -aus dem Flugzeug und vom Strand.

Zwei Dinge die also schon einmal von der gedanklichen Reisevorbereitungs-To-do(or buy)-Liste gestrichen werden können. Zweieinhalb. Denn jetzt weiß ich auch schon wo ich meine Weihnachtsgeschenke vorab bestellen oder mir einfach Inspiration holen kann.

Der Rest muss noch warten. Ein allerletztes Mal. Auf ein klitzekleines Später. Das letzte Später.
Eine Woche noch, dann können sich meine Gedanke voll und ganz auf das Planen konzentrieren und die Vorfreude darf sich offiziell breit machen!

VA

 *In freundlicher Kooperation mit radbag

Master in the making

07:10.
Weil 07:00 Uhr zu radikal wäre.
Radikal sind Geräte die dich aus dem Schlaf reißen sowieso schon genug.
Ein Zeichen ihrer Barmherzigkeit ist die Schlummertaste.
Schlummertaste. Meine größte Hassliebe.
Man meint das wohlige Gefühl im Bett verlängern zu können, dabei wiederholt man nur die Ernüchterung.
Jedes Klingeln ein erneuter Schlag ins Gesicht. Eine erneute Erinnerung daran, dass es jetzt zu spät ist, um gestern früher ins Bett zu gehen.

Ich mache mir meinen Morgenkaffee. Eigentlich gibt es bei mir keinen anderen Kaffee als Morgenkaffee.
Letztens war keine Milch da. Ein schlimmer First-World-Problem-Moment für mich als Baby-Kaffee-Trinkern.
Aber ich habe ihn getrunken. Ohne Milch, nur zwei Löffel Zucker. Habe ihn sogar ein bisschen genossen.
Heißt das, dass ich jetzt offiziell erwachsen bin? Oder erst wenn mir auch Rotwein schmeckt?

Ich mag neue Tage.
Kaffee, kleines Frühstück, ein Glas Wasser, Laptop, Bücher.
Handy. Am besten außer Reichweite.

Wie groß die Motivation an einem neuen Tag sein kann. Man hat da meistens schon verdrängt wie frustriert man am Vortag war.
Neuer Tag. Neue Motivation. Ein ganzer Haufen voller Bücher. Voller offener Fragen und Wissenslücken, die gefüllt werden wollen.
Sollten. Müssen.

Knapp vor dem Ziel durchzudrehen, zwischen Wut, Tränen und übertriebener Gelassenheit hin und her zu schwanken – das habe ich perfektioniert.
Knapp vor dem Ziel ist weder am Ziel noch am Weg. Ungefähr wie Schlummertasten-Schlaf.
Unangenehm, unbefriedigend, unnötig.

Nie wieder. Denke ich mir inzwischen jeden Tag. Nie wieder stupide bücherweise Wissen in meinen Kopf klopfen. Theorie ist einfach nicht so meins. Ich bin viel zu ungeduldig, viel zu unruhig, viel zu lebendig für ein klassisches Universitäts-Studium.
…merkte sie zwei Bachelorstudien und ein Masterstudium später.

Mich vom Handy nicht ablenken zu lassen funktioniert grandios. Ich lege es ein wenig Abseits. Ganz weg legen geht nicht. Es könnte ja jemand etwas Dringendes von mir wissen wollen. Aber ich lege es auf die Seite, drehe es um. Damit es mich nicht ansieht, denke ich mir. Das Display sind die Augen, eh klar.
Mindestens zwei Stunden wollte ich es nicht beachten, 10 Minuten später frage ich mich, wie es denn jetzt so plötzlich in meinen Händen gelandet ist.
Dabei übertrumpft sogar mein Lernstoff den Content von Facebook und co.

Wenn ich nicht gerade grandios daran scheitere mein Handy nicht zu beachten, lenkt mich mein Kopf ab. Ebenjener der eigentlich damit beschäftigt sein sollte seine Höchstleistungen zu vollbringen. Wenn da nicht mindestens tausend andere Sachen herumschwirren würden.
Nur weil du sieben Bücher lernen musst, hält niemand die Zeit an. Rundherum passiert trotzdem noch das normale Leben. Stellt dir lauter Fragen und gibt sich mit „Sorry, ich kann jetzt grad nicht.“ nicht zufrieden.

Lernen. Verzweifelter Versuch nicht abgelenkt zu werden. Mittagessen.
Lernen. Verzweifelter Versuch nicht abgelenkt zu werden.
Nachmittagskaffee ohne Kaffee. Einfach nur der Kuchen. Lernen und
merken, dass nichts mehr geht. Sport. Serie schauen. Bett. Viel zu spät.

07:10.
Ein paar Schlummertasten später.
Leggins, Wollsocken, T-Shirt und die alte Adidas Trainingsjacke drüber – seit Wochen mein Outfit of the day. Ich wäre der Star auf jeder Bad-Taste-Party des Landes.
Kaffee, kleines Frühstück, ein Glas Wasser, Laptop, Bücher.
Handy. Am besten außer Reichweite.

Rhythmus. Immer derselbe.
Ich bin kein Alltagsmensch. Andere finden Sicherheit in der Routine, mir macht sie Angst. Macht mich auf Dauer unruhig. Vor allem wenn ich ihren Sinn nicht sehe. Ihn nicht glaube.

Langsam wird ‚knapp vor dem Ziel‘ anstrengend.
Im Moment gerade
übertriebene Gelassenheit. In einer Stunde vielleicht schon Panik.
Kurz vor dem Ziel.

07:10 ist das neue fünf vor 12.
Bald da. Bald kann ein Ende zum Anfang werden. Ein ‚knapp vor dem Ziel‘ zum Start.

Ich quäl mich jetzt noch ein wenig.
Denn was anderes ist es im Moment nicht mehr.
Ein Quälen zum Ziel.
Ein Sprint.
Mit letzten vereinten Kräften.

Ich freue mich auf das Gefühl danach.
Und auf alles was dann so kommt.

VA