valeriannala
meine Worte

Tage vergingen

Fernweh nach zu Hause und dass man das Heimweh nennt ist mir egal.
Das Herz brennt, pocht ein bisschen schneller, dann langsamer, irgendwann wieder normal. Weil Herzen anders ticken als Uhren. Weil es für gewisse Dinge tatsächlich weder Zeit noch Raum gibt, sondern nur diesen Zustand des Ganzen.


Tage vergingen und jetzt ist es wieder anders. Ganz anders. Zwischen Tränen und einem Lächeln liegen nicht viele Augenblicke, zwischen Durchdrehen und die Welt umarmen wollen liegen oft nur Sekunden. Manchmal möchte man in einer Zwangsjacke stecken und schreiend zurückrennen.


Zur Startlinie. Sie soll die Ziellinie sein.
Aber manchmal möchte man in einem luftigen Kleid jauchzend einen Marathon rennen. Nach vorne.
Zur Ziellinie. Sie soll die Startlinie sein.


Ich glaube ich muss nicht mehr rennen, weder zurück, noch nach vorne. Ich glaube ich darf jetzt tanzen. Nach rechts und nach links, aber am liebsten im Kreis.


Und ich achte behutsam darauf, wie Gollum auf seinen Schatz. Weil hinter jeder Ecke Gefahr lauern kann, an jedem Horizont auf einmal Rauch aufsteigen kann. Doch wer ohne Angst wandert geht beschwingt. So wie ich irgendwie immer, sogar dann wenn ich mich nicht beschwingt fühle.


„Du wippst immer so auf und ab beim Gehen, weißt du das?“
Äh, ja danke, inzwischen schon. Aber wenn ich mich bemühe normal zu gehen, dann fühle ich mich als hätte ich einen Stock geschluckt. Dann fühle ich mich nicht mehr wie ich. Nicht mehr beschwingt, nicht mehr ohne Angst, nicht mehr tanzend.


Regen. Starker Regen. Die Menschen warten drinnen bis es aufhört. Bis das Schlimmste vorbei ist. Stehen in Reih und Glied. Niemand will nass werden. Niemand will der begossene Pudel sein. Dabei ist es so schön. Nur leider nicht, wenn man darauf achten muss das Immunsystem nicht noch mehr zu schwächen. Doofes Immunsystem. Dabei bin ich doch so immun gegen das System bei Regen unter ein Dach zu rennen.


Regen. Starker Regen. Ich würde so gerne darin tanzen. Ihn willkommen heißen. Soaking wet. Wieder einmal so ein englischer Ausdruck für den es kein 100%ig passendes Pendant im Deutschen gibt. Soaking wet vom Regen. Aber trotzdem glücklich, weil ich nicht renne, sondern tanze.


Fernweh nach Hause und dass man das Heimweh nennt ist mir egal.
Das Herz brennt.
Tage vergingen und jetzt ist es wieder anders.

Ganz anders.

VA

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6 Comments

  • Reply
    Nina L
    3. Juni 2014 at 15:01

    So ein schöner Text!♥

  • Reply
    neontrauma
    6. Juni 2014 at 19:35

    Was für ein wundervoller Text… und, was noch wundervoller ist, dass es auf deinem Blog ja noch mehr davon gibt. Ich hab mich gerade festgelesen und lass dir zwischendrin mal einen lieben Gruß hier.

  • Reply
    theatergeist
    7. Juni 2014 at 16:31

    So wunderschön und tiefgehend. Ich hoffe, dass du dein Fernweh überwunden hast und und doch noch genießen konntest.

    Grüße,
    Theatergeist

  • Reply
    Miriam
    9. Juni 2014 at 17:42

    Der Text gefällt mir ehr gut und die bilder sind auch toll geworden! 🙂

  • Reply
    Sweet and other Spices
    7. Oktober 2014 at 14:37

    Hey,

    du hast einen wirklich schönen Blog 🙂 Es hat mir wirklich gefallen hier zu lesen und rumzustöbern 🙂

    Liebe Grüße,
    Olga

    sweetandotherspices.blogspot.de

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      7. Oktober 2014 at 14:50

      Das freut mich sehr, danke :)!
      Du darfst gerne wiederkommen ;)!

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