„One does not simply walk into Mordor.“

Oder doch?
Nicht nur Hobbiton befindet sich in Neuseeland, auch der Schicksalsberg (bzw. Mount Doom) und das düstere Mordor. In Wirklichkeit heißt der imposante Berg Mount Ngauruhoe und die dazugehörige Wanderung zu seinen Füßen ist unter dem Namen Tongariro Alpine Crossing weltbekannt.

Wer auf der Nordinsel Neuseelands in der Nähe vom Tongariro National Park Halt macht, sollte die Anstrengungen auf jeden Fall in Kauf nehmen und sich für das Tongariro Alpine Crossing entscheiden. Es gibt jedoch einige wichtige Punkte, die zuvor geplant bzw. beachtet werden sollten. Denn so spontan wie man vielleicht manchmal gerne möchte, lässt sich diese Wanderung leider nicht angehen.
Zum einen spielt der Faktor Wetter eine entscheidende Rolle. Denn auch wenn im nächstgelegenen Ort vielleicht gerade die Sonne vom wolkenlosen Himmel strahlt, heißt das noch lange nicht, dass perfekte Wettervoraussetzungen für die Wanderung gegeben sind. Tatsächlich hatten wir ein ziemliches Glück. Da wir durch die kurze Zeit in Neuseeland einen relativ straffen Zeitplan hatten, blieb uns nur ein Tag, an welchem wir die Tour starten konnten. Das heißt also eine einzige Chance. Bei zu viel Wind am Gipfel wird nämlich strengstens von der Wanderung abgeraten.
Ein zweiter Faktor, welcher gute Planung erfordert ist die Tatsache, dass es sich eben um ein ‚Crossing‘ handelt und man somit die Wanderung an einem ganz anderen Ort beginnt als man sie schlussendlich auch wieder beendet. Aus diesem Grund muss bereits im Vorfeld ein Shuttle gebucht werden, welcher einen zum Startpunkt bringt und vom Endpunkt wieder abholt. Bzw. kann man auch das Auto z.B. am Endpunkt abstellen und sich vom Shuttle zum Startpunkt bringen lassen. Ebendiese Umstände, dass sich der Shuttle nicht einfach vor Ort buchen lässt, dieser zudem nicht sehr häufig fährt und wir zu weit weg wohnten, ließ unser ‚Crossing‘ nämlich zu einer normalen Wanderung, also hinauf zum höchsten Punkt und wieder den gleichen Weg hinunter, werden.

Begonnen haben wir unseren Weg beim Mangatepopo Car Park, wo wir unser Auto stehen ließen. Nur mit Glück fanden wir noch einen freien Platz. Der Weg zum Carpark ist von der ‚Hauptstraße‘ aus angeschrieben und führt ca. 10 Minuten über einen holprigen Weg bis zum Parkplatz.
Danach ging es los Richtung Soda Springs. Eine ziemlich gemütliche Strecke, welche noch nicht sonderlich große Anstrengung erfordert. Danach beginnt dann der ein wenig schwierigere Teil zum South Crater. Oben angekommen mussten wir feststellen, dass alles komplett voller Schnee war. Uns war zwar schon im Vorfeld bewusst, dass normale Sportschuhe für eine solche Wanderung nicht unbedingt geeignet sind. Dass jedoch so viel Schnee liegen würde hatten wir nicht geahnt und es machte das Ganze ein wenig komplizierter. Der Anstieg Richtung Red Crater wurde somit zur richtigen Herausforderung. Nicht nur weil es steil war. Sondern weil es steil und dank Schnee verdammt rutschig war. Hinzu kam dann ab einer gewissen Höhe der eisig kalte Wind, welcher immer stärker wurde. Kurz vor dem Ziel war ich mir nicht mehr sicher, ob die Wetterbedingungen ein Weitergehen wirklich noch zulassen, meinen höhenängstlichen Freund zurücklassend kämpfte ich mich dann jedoch gegen den unfassbar starken Wind noch weiter hoch. Ich merkte, warum man hier bei schlechter Witterung nicht unbedingt wandern sollte. Belohnt wurde ich an der Spitze des Red Craters dafür mit einem fantastischen Ausblick, welchen ich wohl nicht mehr so schnell vergessen werde.

Wir waren insgesamt ca. 4,5h unterwegs, wenn man das Crossing macht, also den Abstieg auf der anderen Seite des Red Craters, dann soll man ca. 6h unterwegs sein. Dieses führt dann noch weiter an den Emerald Lakes, dem Central Crater, dem Blue Lake und dem Ketetahi Hut vorbei bis zum Ketetahi Car Park. Generell empfehle ich die Wanderung absolut jedem.
Mir persönlich gibt das Ankommen auf einem Berggipfel sowieso schon immer einen kleinen Adrenalin-Kick. Wenn dann aber noch diese atemberaubende und extrem facettenreiche Landschaft dazu kommt, kann man die Schönheit der Natur und das eigene Glück sie bestaunen zu dürfen kaum fassen. Auch wenn der Schnee alles ein wenig mühsamer gemacht hat, so war die Wanderung dadurch doch auch gleichzeitig noch einmal besonderer.
Bei guter Witterung ist die Wanderung auch wirklich für jeden ‚Durchschnittswanderer‘ locker machbar. Vor allem wenn man österreichische Berge gewohnt ist.

Wer wirklich keine Lust auf eine Wanderung hat und/oder gesundheitlich nicht fit genug ist, dem empfehle ich zumindest das relativ flache Stück bis nach Soda Springs zu gehen. Es dauert ca. eine Stunde und auch wenn man die Gegend noch nicht in all seiner Schönheit erlebt, bekommt man zumindest schon einen kleinen, wunderbaren Vorgeschmack.

Zu beachten:

  • Wetterbedingungen (sehr wechselhaft und wirklich nicht zu unterschätzen)
  • Shuttle früh genug buchen und in der Planung berücksichtigen, dass er nicht allzu oft fährt
  • gutes Schuhwerk
  • eine Windjacke ist sehr wichtig; Handschuhe und Mütze fanden wir übertrieben, haben sie danach aber schmerzlich vermisst
  • Sonnenbrille und vor allem auch Sonnencreme IMMER verwenden (ich hatte im Gesicht den Sonnenbrand meines Lebens und wurde aufgrund der Botox-artigen Schwellungen von meinem Freund 5 Tage lang nur noch ,Renée Zellweger‘ genannt)
  • genügend Wasser mitnehmen und wenn kein Essen, dann wenigstens ‚Notfalls-Riegel‘

Ansonsten: Genießen und die Eindrücke so richtig aufsaugen!

VA

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