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Und wer sagt mir jetzt was wirklich Bio ist?

Werbung – In Kooperation mit Tchibo

Einen Tag, nachdem ich mir den Film „The Green Lie“ von Werner Boote in einem Open-Air-Kino ansah, erreichte mich eine E-Mail von Tchibo. Ob ich Interesse hätte bei der Blogparade „Ich steh auf Bio“ teilzunehmen. Im Fokus soll dabei die neue Socken-Kollektion stehen, welche ab 11.09. bei Tchibo erhältlich sein wird. Warum? Weil diese Socken aus zertifizierter Bio-Baumwolle bestehen.

Nun wie gesagt habe ich am Tag zuvor den Film „The Green Lie“ gesehen. Eine Dokumentation, in der „Greenwashing“ thematisiert wird. Also die Methoden, welche Unternehmen anwenden, um in der Öffentlichkeit als besonders verantwortungsbewusst und umweltfreundlich wahrgenommen zu werden -obwohl sie es eigentlich gar nicht sind. Ich fand den Film ziemlich gut, jedoch ließ er mich mit einem „Alle sind böse und verarschen mich“-Gefühl zurück und bot dabei gleichzeitig nicht wirklich eine Lösung für das Problem. Denn scheinbar kann man sich bestimmte Gütesiegel einfach kaufen, nachhaltiges Palmöl soll eine Erfindung der Konzerne sein und „Bio“ ist schon längst ein Modewort, dessen Bedeutung ganz offiziell Auslegungssache ist.

Da ich die Kooperation mit Tchibo sehr gerne eingehen wollte, aber kein Fan von banalen „Hier sind Fotos, auf denen ich Socken von Tchibo trage.“-Blogartikeln bin, wollte ich das Ganze anders angehen. Ich habe mir meine Gedanken nach dem Film und die Bio-Baumwoll-Socken von Tchibo zum Anlass genommen. Ich wollte wissen, ob Tchibo wirklich ein verantwortungsbewusstes Unternehmen ist. Vor allem aber wollte ich auch wissen, ob und wie ich als KonsumentIn das überhaupt herausfinden kann. 

Also begann ich zu recherchieren.

Wenn man Tchibo und Nachhaltigkeit googelt, findet man gleich eine Menge durchwegs positiver Informationen. Natürlich zunächst einmal von Tchibo selbst. Aber dass ein Unternehmen über sich selbst gut schreibt ist eigentlich eh klar.
Was ich persönlich jedoch auf den ersten Blick sehr sympathisch fand, ist ein einleitendes Statement auf der Tchibo Website: „Ehrlich gesagt: Es gibt noch so einiges zu tun. Aber wir sind auf dem besten Weg und haben auch schon ein gutes Stück geschafft.“ Immer wieder definieren sie 100% nachhaltiges Handeln als ihr Ziel, geben aber gleichzeitig zu, noch lange nicht dort angekommen zu sein.
Tchibo setzt laut eigenen Angaben auf nachhaltigen Kaffee, nachhaltige Baumwolle und nachhaltiges Holz. Außerdem geben sie Upcycling-Tipps, haben Schulungsangebote für Farmer in fünf Ländern, fördern die Bildung von Kindern in Tansania und bieten in Deutschland mit „Tchibo-Share“ eine Möglichkeit an, Baby- und Kindermode zu mieten, statt neu zu kaufen. Tchibo nutzt den klimafreundlichen „GoGreen“-Versand der deutschen Post und in einem weiteren Online-Folder sehe ich etliche Zertifizierungslogos abgebildet. Auf Youtube gibt es Videos über die einzelnen Projekte und in einem davon stellt sich die Dame als Mareike aus dem „Tchibo Nachhaltigkeits-Team“ vor. 
Als interessierte Konsumentin, die Wert auf Nachhaltigkeit legt, bin ich nun überzeugt und hellauf begeistert, wenn ich mir ansehe, was Tchibo alles so angibt zu machen.

Aber wie gesagt, dass Tchibo über sich selbst gut schreibt und spricht ist klar. Wenn ich also kritisch bin, weil ich mich beispielsweise gerade am Tag davor eingehend mit dem Thema „Greenwashing“ beschäftigt habe, dann verlasse ich mich nicht nur auf das was das Unternehmen selbst sagt. Die erste logische Konsequenz ist also: Ich schaue was andere so über die Nachhaltigkeit von Tchibo sagen.
Und weil ich während meiner Studienzeit darauf gedrillt wurde, überprüfe ich auch immer gleich die Quelle und schaue mir an, wer denn das sagt und ob ich es als glaubwürdig und vor allem auch unabhängig einstufen kann. Und siehe da, WWF sagt mir, Tchibo gelte als Vorreiter in Bezug auf Bio-Baumwolle. Ich finde auch auf Anhieb drei wissenschaftliche Bücher auf GoogleBooks, welche über Tchibo als positives Beispiel einer nachhaltigen Geschäftspolitik berichten. Ich finde außerdem bei einer anderen Quelle die Info, dass Tchibo 2016 zu Deutschlands nachhaltigstem Großunternehmen ausgezeichnet wurde.
Zwei voneinander unabhängige Seiten berichten darüber, dass gerade am 14. August eine Sportkollektion ins Tchibo-Sortiment kam, bei der die 3/4 Laufhosen aus 17 recycleten PET-Flaschen und andere Teile aus ECONYL-Garn aus alten Fischernetzen bestehen. 

Aber kurzum: Ich habe in den Weiten des Internets unglaublich viel darüber gefunden, was Tchibo im Bereich Nachhaltigkeit alles macht. Klar könnte es noch mehr sein, aber dass sie auf dem Weg und noch nicht am Ziel sind, geben sie offen zu.
Ich persönlich habe auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl gegenüber Tchibo bekommen und hatte davor ehrlich gesagt keine Ahnung vom großen Engagement des Unternehmens.
Was mir jedoch wirklich zu denken gibt ist die Tatsache, dass ich mich als Konsumentin scheinbar nicht einfach auf das Wort „Bio“ oder ein Gütesiegel verlassen kann, sondern immer zuerst alles hinterfragen muss. Und selbst dann ist es nicht einfach herauszufinden, auf wen oder was man sich wirklich verlassen kann. 

Ich sollte eigentlich einfach nur ein Outfit zu den Bio-Socken zusammenstellen. Was gar nicht so einfach war, weil ich meine Socken normalerweise am liebsten so „unsichtbar“ wie möglich trage. Aber um einiges schwieriger als das Socken-Outfit, war auf jeden Fall der Bio-Aspekt des Ganzen. 


Auf dem Etikett der Socken steht „Bio“ und eigentlich sollte das genügen. Eigentlich sollte ich mich darauf verlassen können, ohne zuerst kritisch recherchieren zu müssen. Oder ein ganz anderer Gedanke: Warum ist nicht „Bio“ und „Fair“ das Normale und auf allen anderen Produkten steht „Ich wurde nicht nachhaltig produziert!“?

Das Greenwashing bestimmter Unternehmen gibt nicht nur den KonsumentInnen ein schlechtes Gefühl, sondern macht es leider auch anderen Unternehmen schwerer, in ihrer Nachhaltigkeits-Mission wirklich ernstgenommen zu werden.

VA

Ab Mittwoch könnt ihr auf dem Tchibo-Blog für mich voten und Wertkarten gewinnen.

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