valeriannala
meine Worte

Vom Suchen und gefunden werden

Da ich dieses Jahr Teil der Osterparade von und mit einigen österreichischen Bloggerinnen bin, soll der heutige Beitrag einen Bezug zum nahenden Osterfest haben.

Nun wurde mein Bastel-Talent in der Kindheit zwar als äußerst vielversprechend eingeschätzt, ist dann aber irgendwie im Kokon stecken geblieben und hat sich leider nicht zum prächtigen Schmetterling entwickelt…
Nun backe ich zwar (wenn ich es tue) gut und gerne, nur leider habe ich gestern beim Versuch einen eher speziellen Kuchen zu backen die Kenwood meiner Mum zum Rauchen, Stinken und Ableben gebracht (sie wurde aber reanimiert – thank god)…

Ich weiß jetzt wann und wo das doofe Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ tatsächlich Sinn macht. Weshalb ich genau das tue und einfach „nur“ schreibe.
Weil wir an Ostern Dinge verstecken, sie suchen und dann finden.
Weil ich trotz Google den Sinn/Ursprung des Brauchs immer noch nicht ganz verstanden habe, aber für euch heute eine besondere Geschichte zum Thema „suchen und gefunden werde“ zu erzählen habe und gerne meine Gedanken dazu mit euch teile.  

Er war 7. Vielleicht auch erst 6 und was die Erwachsenen da so lange über ihn redeten, langweilte ihn. Es war ihm generell ein Rätsel wieso er überhaupt hier war. Bei dieser Frau, die so intensiv die Aufmerksamkeit seiner Mutter in Anspruch nahm und bei dieser zweiten, jüngeren Frau, die daneben saß. Aber immerhin schien diese bereit zu sein mit ihm zu spielen. Und obwohl er die Frau erst seit 5 Minuten kannte, begann er langsam sich mit ihr vertraut zu machen und seine Optionen auszutesten. Nicht lange dauerte es, bis er sich für sein liebstes Spiel entschied.
„Ich verstecke mich und du stehst da.“, sagte er und positionierte mich mit dem Gesicht zur Wand.
„Du zählst bis 10 und dann suchst du mich.“
Er sah mich von unten mit seinen vor Aufregung leuchtenden Augen an und hüpfte nervös auf und ab.
„Also, los geht’s!“
Ich hörte wie er mit seinen kleinen Füßen davon tapste, zählte langsam bis 10 und drehte mich dann um. Obwohl ich sein Versteck natürlich sofort entdeckt hatte, begann ich zuerst an den unwahrscheinlichsten Stellen zu suchen. Im Mülleimer. In der Schublade. Unter der Couch. Aber mein kleiner neuer Freund konnte nicht ruhig bleiben, gab Laute von sich und rief schon nach den ersten 10 Sekunden meiner Suche: „Hier bin ich. Ich bin doch hier!“. Man merkte auf Anhieb, wie wichtig es ihm war auch wirklich gefunden zu werden. 
Umso größer war die Freude, als ich tatsächlich sein Versteck entdeckte und ihn erkannte. Ein Strahlen über das ganze Gesicht. Gequietsche. Die Aufforderung sofort noch einmal zu spielen.
Wir wiederholten das Spiel gefühlte 50 und reale 20 Mal. Während ca. die ersten 10 Mal nach dem gleichen Schema abliefen wie der erste Durchgang, war es erstaunlich zu beobachten, wie er nach und nach an Sicherheit gewann. Die Sicherheit, dass ich ihn immer finden würde. Die Sicherheit, dass er nicht verloren gehen würde. Die Sicherheit, dass er schlussendlich immer gesehen und erkannt werden würde. 
Gegen Ende unserer „Spielphase“ gab es keine nervösen „Hier bin ich doch!“-Rufe mehr. Er ertrug das Verstecktsein. Er ertrug das Stillsein, das Alleinsein. Denn er hatte Vertrauen gefasst. Vertrauen darin, dass er nicht im Stich gelassen werden würde.

Wir wollen alle gefunden werden. Erkannt für das was und wer wir in unserem tiefsten Innern sind.
Gerade gestern habe ich ihn wieder gehört. Den Satz: „Ich suche jetzt nicht mehr, ich lasse mich finden.“
Ich erkenne darin fast schon konstruktivistische Züge. Es erinnert mich an: „Wenn ein Baum im Wald umfällt, und keiner hört es, gibt es dann ein Geräusch?“
– „Bin ich auch wenn ich einfach nur bin, oder nur wenn ein anderer mein Sein wahrnimmt?“

Im besten Fall können wir alleine sein. Im besten Fall genügen wir uns selbst. Sind wir selbst unser Freund. Aber letzten Endes sind wir alle soziale Wesen. Sich nach Liebe sehnende Wesen. Wir brauchen das Miteinander, das Füreinander und gewisse Facetten unseres Selbst lernen wir erst im Umgang mit anderen kennen.
Wir müssen nicht von allen gefunden werden. Manchmal reichen auch drei. Oder zwei. Einer.
Einer der uns sagt: „Ich sehe dich. Ich habe dich gefunden. Egal wie oft du dich verkriechst. Egal wo du dich versteckst. Ich lasse dich nie dort zurück. Ich finde dich. Immer.“

„You found me
When no one else was lookin‘
How did you know just where I would be?
Yeah, you broke through
All of my confusion
The ups and the downs
And you still didn’t leave
I guess that you saw what nobody could see
You found me.“
Kelly Clarkson – „You found me“

 VA

Alle Teilnehmerinnen der Osterparade im Überblick (20.03.-27.03):

Sonntag

Jasmin von Mary Jay und Jasmin von Viennalicious

 
Montag

Caro von Gute Güte und Lina von Glittery Peonies

 
Dienstag

Sonja von Ginger in the Basement und Alicja von duftlos

 
Mittwoch

Katii von Süchtig nach, Martina & Elisabeth & Marjorie von Vienna Fashion Waltz und Trixi von Amigaprincess

 
Donnerstag

Heli von Lavender Province und Jasmin & Beatrice von Jatrice

 
Freitag

Valeria Anna von valeriannala und Nelli von ELLEUNDSPEICHE

 
Samstag

Sonja von Cupcakes&Balloons und Vanessa von Vrban Diaries

 
Sonntag

Melli Seltmann von SIEMUND und und Corinna von wingsaregolden

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4 Comments

  • Reply
    chachamisu
    5. April 2016 at 20:29

    Wunderschön. Ich hatte niemals über dieses Spiel gedacht wie du das hier erzählt hast. That game is a good lesson. Danke.

  • Reply
    Ziska
    12. April 2016 at 14:55

    Liebe Valeria,
    wieder einmal spielst du mit den Worten, als würden sie direkt aus deinem Herzen kommen. Ja, klingt komisch, aber deine Texte sind was besonderes in der riesengroßen Internetlandschaft. Es ist so schön, dass du deine Erinnerung an den Jungen mit uns, mit dem Internet, teilst. Und das du daraus diese Lehre ziehst. Gefunden werden wollen. Es passt aktuell so gut zu meiner Situation, zu dem, worüber ich nachdenke und du gibst ein stückweit Antwort. Und ich wiederhole mich, aber auch hier gibts wieder einige Sätze, die an eine Zimmerwand gehören.
    Bitte schreib immer weiter!
    Liebst, Ziska.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      13. April 2016 at 15:04

      Liebe Ziska,

      vielen, vielen Dank für die lieben Worte, die mir gerade ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben :)!

      Liebe Grüße,
      Valeria

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