Warum warten wir?
Nur noch 1 Jahr, nur noch diesen Abschluss hinter mich bringen, nur noch 5 kg abnehmen, nur noch seine Aufmerksamkeit erlangen, nur noch ein bisschen besser, schöner, stärker, mutiger, wilder, größer sein,… dann bin ich glücklich. Dann wird alles in Ordnung sein.

Und während wir planen passieren sie. Die Dinge. Passiert alles. Das Leben. Ohne dass wir es wahrnehmen, weil wir ja immer noch warten. Gebannt. Erstarrt. Mit Blei an den Füßen und dem Fernrohr in der Hand. Nicht nur auf den nächsten Zug, das nächste Wochenende, den nächsten Urlaub. Sondern auf den Tag an dem es endlich beginnt. Das worauf wir immer gewartet haben und was das genau ist wissen wir selbst nicht so genau. Warten. Suchen. Warten und suchen. Erwarten, dass nur er/sie/es dich wirklich glücklich macht. Dabei können wir nur frei sein, wenn wir Glück nicht ständig externalisieren. An andere(s) binden, ihnen umhängen und sie dann mit großen Katzen-Baby-Augen anstarren und hoffen, dass sie Scheiße in Gold spinnen. Oder war das Stroh? Vollkommen egal, solange du kein Rumpelstilzchen an deiner Seite hast wird sich das wohl nicht spielen.

Wie lange ich dachte ich wäre abhängig. Mein Glück wäre es. Abhängig von anderen Dingen, Menschen und Umständen. Auf die wir warten. In passiver Lauerstellung. Irgendwann muss sie ja kommen, diese eine Chance. Irgendwann gibt es bestimmt einen besseren Augenblick um Ideen umzusetzen. Noch nicht. Noch ist er nicht da. Der ideale Zeitpunkt. Tausende Wünsche, Träume, Hoffnungen im Kopf, aber zu viele Hindernisse auf der Strecke. Wir stellen sie selbst dorthin. Diese kleinen fiesen Barrieren in Form von gesellschaftlichen Normen, von Ängsten, von Zweifeln, von Gefühlen der Einsamkeit. Doch von dem allem dürfen wir nicht abhängig sein. Sind wir nicht abhängig. Von nichts und niemandem.
Weil warten auf andere Menschen, andere Zeiten, Orte und Begebenheiten uns versteinert, taub und blind macht und wir eingeschränkt sind wie ein Schmetterling in einer Zwangsjacke.

Warum warten wir? Ständig. Starr.
Auf wen warten wir? Blei an den Füßen.
Auf was warten wir?  Fernrohr in der Hand.

Ich weiß es nicht.

VA

12 Comments

  1. Avatar Barbara 19. Mai 2015 at 7:12

    Das habe ich mich auch schon so oft gefragt. Danke, dass du diesem unbestimmten Gefühl ein paar Worte gegeben hast…

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    1. Valeria Anna Valeria Anna - Site Author 28. Mai 2015 at 15:33

      Ich gebe gerne allem Worte und freue mich umso mehr wenn sie dir gefallen :)!

      Reply
  2. Avatar Maribel 19. Mai 2015 at 8:06

    Und wieder so ein Text ♥ Dafür könnt ich dich knutschen! Ich fühl mich einfach jedes Mal so angesprochen. Zum Glück muss ich im Moment nicht auf viel warten in meinem Leben. Vielleicht ein bisschen auf die Jobsituation, naja.. Und das Outfit könnt ich dir so klauen und selbst anziehen. Gefällt mir super gut!

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    1. Valeria Anna Valeria Anna - Site Author 28. Mai 2015 at 15:36

      Daaaaankeeeeee <3 :D! Freu mich so über solche Komplimente :)!

      Das ist eh schön – warten ist nämlich scheiße ;)! Hoffe also, dass sich bei dir auch noch das mit der Jobsituation regelt :)!

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  3. Avatar Märchenkind 19. Mai 2015 at 8:49

    "Life is what happens to you while you are busy making other plans" – John Lennon. Ich liebe dieses Zitat. Natürlich kann und muss man manchmal planen, aber in den meisten Fällen funktioniert es ja doch nicht und man macht sich nur unglücklich. Vor allem, weil man die Zeit zum Planen so viel schöner hätte nutzen können … wir leben zu wenig, manchmal.
    Der Text auf jeden wundervoll, genau so fühle ich mich manchmal!

    Alles Liebe,
    Mara

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    1. Valeria Anna Valeria Anna - Site Author 28. Mai 2015 at 15:38

      "Wir leben zu wenig." triffts auf den Punkt! Und das Zitat mag ich übrigens auch sehr gerne :).
      Dankeschön <3

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  4. Avatar Ziska 21. Mai 2015 at 15:32

    Richtig toller Text, ich fühl mich mal wieder angesprochen, aufgehoben, so als würden meine Gedanken da stehen, nur eben in Worte gefasst.
    Wie machst du das nur?

    Aufhören zu warten und beginnen zu leben… Ein Entschluss der schnell gefasst und schwer umgesetzt ist. Immerhin gibt es da einfach eine Menge Verpflichtungen, die erst erledigt werden müssen, bevor irgendwas anderes passieren kann. Und bis dahin ist schon wieder Abend, der Tag vorbei und eine erneute Chance vergeben. Genau das, was du bechreibst.
    Aber vielleicht sollte man sich deinen Text ausdrucken und immer wieder durchlesen, damit man immer wieder daran erinnert wird, dass das nicht der richtige Weg ist.
    Danke dafür!
    Liebste Grüße, Ziska 🙂

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    1. Valeria Anna Valeria Anna - Site Author 28. Mai 2015 at 15:41

      Hab ich mir bei deinen Texten auch schon gedacht ;)!
      Und ich freu mich, dass du das so empfindest :).

      Ja genau, oder Zitate in der ganzen Wohnung aufhängen oder sich eine Tritt-in-den-Arsch-Memo aufnehmen und immer wieder abspielen lassen oder,… Irgendwas in die Richtung halt :D!

      Danke :)!

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    2. Avatar Ziska 16. Juni 2015 at 12:33

      Freut mich auch! 🙂
      Am liebsten bunte Post-Its überall da, wo man den ganzen Tag verbringt. Damit das alles nie vergisst.
      Obwohl ich im Moment einfach nur Motivation-Post-Its brauchen würde 😀 Ich verbringe meine Zeit z.B. lieber auf deinem Blog als bei meiner Bachelorarbeit 😀 Also in diesem Sinne: Danke für die Ablenkung! 😉

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    3. Valeria Anna Valeria Anna - Site Author 19. Juni 2015 at 12:37

      Find ich zwar eigentlich ganz schön, aber ich will dich natürlich nicht von deinen Aufgaben abhalten :D. Also wenn du das hier liest – schnell wieder weg mit dir ;)!

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    4. Avatar Ziska 20. Juni 2015 at 10:36

      Na dann werd ich mich mal wieder dransetzen! 😉

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