valeriannala
meine Worte

Warum ich ab sofort schlechte Texte schreiben werde

Ich schreibe nicht.
Und ich habe gute Ausreden dafür. Ja, wirklich. Ich kann nicht schreiben, wenn noch jemand im selben Raum sitzt. Wenn es zu laut ist, die To-do-Listen zu lang sind, meine Stimmung nicht gut ist, der Raum zu warm, der Sitz zu unbequem, die Neurodermitis zu stark juckt, ich zu müde bin, es zu spät ist,…

Ich schreibe nicht. Und auch wenn das alles ganz fantastische Ausreden sind, so sind sie nicht der entscheidende Grund, warum ich nicht schreibe.
Ich schreibe nicht. Weil in meinem Kopf eine Wächterin sitzt, die mir zu verstehen gibt, dass ich nur schreiben soll, wenn ich gut schreibe. Das Problem ist, dass ebendiese Wächterin diesbezüglich sehr streng ist. Was gut ist. Was schlecht ist. Zufrieden ist sie nie. Naja, manchmal vielleicht. Für fünf Minuten. Aber bei genauerem Betrachten dann doch wieder nicht. Verdammt frustrierend, wenn man doch eigentlich schreiben will. Viel schreiben will, gut schreiben will, erfolgreich schreiben will. Oh, genau da liegt ja der Fehler. Solange ich gut schreiben will, werde ich gar nicht schreiben. Das ist mir inzwischen klar. Solange ich erfolgreich schreiben will -was auch immer das sein soll- werde ich erst recht nicht schreiben. Minus schreiben quasi.

Schreiben an sich ist ja einfach. Man setzt einen Buchstaben nach dem anderen auf eine weiße Fläche. Es tippt sich so leicht. Aber ich habe über die Jahre hinweg das Schreiben zu etwas gemacht, was mich einschüchtert. Zu etwas Großem. Etwas, das ich mir zuerst verdienen muss. Etwas, das manche haben und ich nicht. Ein komplett falscher Ansatz. Ich behalte Ideen in meinem Kopf. Schreibe in meinem Kopf. Bin Schreiberin in meinem Kopf. Und wenn es dann darauf ankommt. Wenn ich die Tastatur vor mir sehe, dann sehe ich keine Buchstaben mehr. Sondern Hürden. Dann blockiert mein ganzer Körper und es geht nicht. Nein, ich kann keine Buchstaben aneinanderreihen. Und wenn ich das so sage, so schreibe, merke ich wie lächerlich das ist.
Meine Selbstzweifel langweilen mich. Sie sind ausgelutscht, wenig originell und keiner hat etwas davon. Ich muss eine Entscheidung treffen. Ich kann entweder schlechte Texte schreiben. Und dafür schreiben. Oder einfach gar keine Texte mehr schreiben.

Wenn ich mich selbst vor diese Entscheidung stelle, dann merke ich, dass es sowieso nur eine Antwort gibt. Ich meine, ich könnte mich schon noch ein bisschen weiter in Selbstmitleid suhlen. Ich könnte mir schon noch ein bisschen länger vorstellen, wie einfach es doch wäre meinen größten Traum aufzugeben. Ich kann mir schon noch ein bisschen einreden, dass ich das doch sowieso gar nicht will. Weil ich doch eh nie weiß was ich will. Aber ich könnte auch einfach einmal ehrlich sein. Könnte mir eingestehen, dass es schon einen Grund hat, warum ich andere so sehr dafür bewundere, wenn sie von einer Lesung zur anderen reisen. Wenn sie mir mit ihren eigenen Büchern in der Hand auf Instagram entgegen strahlen. Dass es schon einen Grund hat, wenn es sich ein bisschen wie Verliebtsein anfühlt, wenn ich einen Text schreibe und die passenden Wörter finde.

Darum ist die Entscheidung eh klar. Ich werde schlechte Texte schreiben. Ich werde so viele schlechte Texte schreiben wie notwendig sind. 100, 1000, ganz egal. Jedes Mal, wenn die Tastatur zu Hürden wird, die Wächterin im Kopf zu mir spricht und mein ganzer Körper blockiert kann ich dann sagen: „Chill, ich will eh nichts Gutes schreiben. Ich schreibe jetzt einen schlechten Text.“ Und dann werden sich hoffentlich alle beruhigen und mich einfach schreiben lassen. Schlecht schreiben. Aber schreiben.

Denn meine Selbstzweifel langweiligen mich und so sehr ich mir immer wieder sage „Du hast es ja eh schon versucht, aber es klappt halt nicht.“, weiß ich, dass das eine Lüge ist. Ich habe bei Weitem noch nicht alles versucht, um dort hinzukommen, wo ich sein möchte. Um am Ende die zu sein, die von einer Lesung zur anderen reist und ihr eigenes Buch anstrahlt, als wäre es ein Vollmilch-Schoko-Donut.

Aber das soll vorerst gar nicht das Ziel sein. Schreiben darf für mich nichts Großes sein. Nichts das andere haben und ich nicht. Ich habe es. Ja, ich kann tatsächlich tippen.
Vorerst schreibe ich also. Schlechte Texte. Schlechte Sätze, schlechte Wörter. Am besten jeden Tag. Und dann werde ich sehen, wohin mich das bringt.

VA

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2 Comments

  • Reply
    Marten Steppat
    13. September 2019 at 19:18

    Großartiger schlechter Text. Damit kann ich mich voll identifizieren. Bestimmt auch viele andere. Ich möchte auch schlechte Texte schreiben. Danke für die Inspiration.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. September 2019 at 8:36

      Dankeschön!
      Ich wünsche dir, dass du viele schlechte Texte schreiben kannst :D!

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