valeriannala
meine Worte

Warum primitiv (k)ein Synonym für glücklich ist

Dummheit ist in der Menschheit ungefähr so stark verbreitet wie diese komischen Hüte bei Fashionblogger, allgemeine Panik vor der Prüfungswoche bei Studenten oder Montag-Hass-Statements beim braven, arbeitenden Volk.

Dummheit begegnet dir, wenn du aus der Straßenbahn aussteigen willst, aber 10 Personen meinen es wäre wahnsinnig schlau zuerst die Aussteigenden umzurennen bevor sich diese dann irgendwie noch an die Tür und ins Freie retten können.
Dummheit begegnet dir, wenn gesunde Menschen den Aufzug verwenden, während die Frau mit dem Kinderwagen gekonnt ignoriert wird und warten muss.
Dummheit begegnet dir, wenn dir Typen auf der Straße irgendwelche komischen Geräusche nachrufen die klingen als kämen sie von einem gehirnamputierten Meerschweinchen und dann auch noch meinen, man würde daraufhin glatt freudestrahlend ihren Sack kraulen.
Dummheit begegnet dir, wenn Ausländer ohne Grund diskriminiert, Homosexuelle an einem bestimmten Ort nicht geduldet und Kinder wegen jedem Wort, welches die Flüster-Lautstärke überschreitet, gleich grantig zurechtgewiesen werden.
Dummheit begegnet dir ziemlich oft wenn Politiker den Mund aufmachen, du den Fernseher auf RTL2 laufen lässt oder die wahnsinnig geistreichen Tageszeitungen unserer Nation durchblätterst.

Dummheit ist allgegenwärtig und je mehr ich mir dieser Tatsache bewusst werde, desto mehr wünsche ich mir auch dumm zu sein. Nein ehrlich, es muss wunderschön sein, sich nicht mehr aufregen zu müssen. „Gib meinem Vater ein Bier und er ist glücklich!“, hat er gesagt. Genau so will ich sein, ein Mann mittleren Alters, der glücklich ist solange er sein Bier hat. Ohne dem ständigen Drang alle Menschen über soziale Werte aufklären zu müssen, ohne dem dauerhaften Bedürfnis als kleine Weltverbesserin das Weiße Haus zu erobern und die gesamte Politik zu revolutionieren.

So war ich immer schon. Bereits als junges Mädchen habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie ich allein durch meine guten Worte einen Vergewaltiger dazu bringen würde mich in Ruhe zu lassen und sein Leben zu verändern. Lächerlich, denke ich mir heute. Manchmal schmerzt es nämlich, ständig das Gute in allem und jedem krampfhaft suchen zu müssen. Manchmal raubt es einem sämtliche Energien, wenn man hirn- und herzlose Kommentare im Internet so furchtbar und zutiefst traurig findet, dass man am liebsten auf der Stelle zu jedem einzelnen nach Hause fahren würde um ihm 3 Stunden lang zu erklären warum so eine Aussage mehr als nur verwerflich ist. Manchmal fühle ich mich wie die Zeugen Jehovas, die mit einem naiven Verdacht-auf-Hanf-Lächeln unermüdlich alle Häuser abklappern und doch eigentlich von niemandem wirklich ernst genommen werden. „Chill mal!“, „Ist halt so.“ „Einfach ignorieren.“, sind zwar gut gemeinte Ratschläge, machen die Menschheit jedoch nicht weniger dumm -wenn nicht sogar noch mehr.
Darum dieser Mann mit dem Bier auf der Couch. Der chillt. Der ignoriert (seine Frau, die Weltgeschehnisse, sein Alkoholproblem,…). Dem macht es nichts aus, dass es nun einmal so ist. „Primitiv, aber glücklich.“ So sagt man doch immer…

Vielleicht geht’s aber auch anders. Bier mag ich nämlich nicht. Älter möchte ich auch noch nicht sein und ständig so einen Penis zwischen den Füßen baumelnd zu haben stelle ich mir furchtbar nervig vor.
Kein Mann. Nicht im mittleren Alter. Kein Bier. Nicht primitiv. Sondern eine junge Frau, welche all ihren Frust, ihre Empörung und Traurigkeit gegen diese Dummheit bündelt, um sie als Antrieb zu verwenden tatsächlich irgendwann einmal etwas zu bewirken. Auch wenn es nur etwas Kleines ist. Auch wenn ich nur ein Steinchen ins Meer werfe…
Schließlich schlagen auch diese oft wunderbare Wellen.

VA

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10 Comments

  • Reply
    Yvonne
    5. Mai 2015 at 18:27

    Haha, sehr gut! Kann ich voll und ganz unterschreiben, und ich hab mir durchaus auch schon gewünscht, dümmer zu sein. Zumindest scheint es so, als wäre das Leben dann leichter. Aber letztlich bin ich dann doch froh, dass es nicht so ist und ich das ein oder andere bewirken kann. Und große Veränderungen fangen manchmal klein an. 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      7. Mai 2015 at 18:22

      Du sagst es! Man wünscht es sich dann doch nicht wirklich dumm zu sein, auch wenn es vielleicht den einen oder anderen Vorteil hätte ;).

  • Reply
    annosarusrex
    6. Mai 2015 at 1:29

    kann ich so nachempfinden, mir geht es genauso… wie oft habe ich schon mit meinem freund philosophiert und über die welt und menschen diskutiert und wie oft haben wir uns gesagt, wie viel einfacher es doch wäre, wenn man dümmer wäre. dumme menschen machen sich eben nicht so viele gedanken, wollen nichts verändern. andererseits lebe ich lieber mit diesem gefühl der machtlosigkeit und der traurigkeit darüber, dass man manche menschen nicht erreichen kann und sie nie verstehen werden, wie dämlich ihre aktionen sind, als dass ich selbst dumm rumsitze und mir alles am arsch vorbei geht.
    ein einfaches leben wäre ja auch langweilig! und so kann man wenigstens ein stück weit die "welt verbessern" 🙂
    liebste grüße,
    maze

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      7. Mai 2015 at 18:28

      Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist mit solchen Gedanken – manchmal fühlt man sich nämlich so!
      Schlussendlich kann man dann aber vielleicht doch froh sein nicht dumm zu sein. Die Frage ist dann nur immer wie man mit ebendieser Machtlosigkeit und Traurigkeit die einen so zum Verzweifeln bringt umgeht. Ich suche noch nach dem richtigen Weg ;).

  • Reply
    März Mädchen
    6. Mai 2015 at 6:57

    Oh Gott wäre es einfach dumm zu sein! Man kriegt einfach nix mit und ist mit den allerwinzigsten Dingen zufrieden! Andererseits… könnten dann die schlauen Leute wirklich ALLES machen, ohne dass jemand hinterfragt. Es hat also wie immer auch seine Schattenseiten 😉

  • Reply
    Ziska
    6. Mai 2015 at 15:43

    Wenn jeder von uns ein Steinchen ins Meer schmeißen würde, dann wäre die Welle so groß, dass sie etwas bewirken würde!
    Vielleicht nicht sofort und nicht bei allen, aber mit der Zeit würde sich vielleicht etwas ändern! Große Veränderungen passieren ja leider nicht von heute auf morgen…
    Guter Text!
    Und das mit dem Vergewaltiger und den Worten, die ihn davon abhalten, mich in Ruhe zu lassen…Ja, willkommen im Club! Damit bist du nicht allein gewesen! 🙂

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      7. Mai 2015 at 18:25

      Genau, daran glaube ich nämlich auch (immer noch). Irgendwo irgendwie und irgendwer muss halt einmal damit anfangen, auch wenn die "Mission" zu Beginn vielleicht aussichtslos scheint.
      Haha, na dann bin ich froh, dass nicht nur ich so ein naives Kind war :p

    • Reply
      Ziska
      11. Mai 2015 at 16:57

      Nein du warst keineswegs das einzige naive Kind 😀
      Und so eine "Mission" sieht zu Beginn immer aussichtslos aus, aber wenn man an verschiedene Kriege denkt oder andere Dinge, da bauchte es immer einen Anstoß, damit etwas ins Rollen kam. Und so ist es hier wohl auch.
      Viele Steine, große Welle!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      18. Mai 2015 at 18:42

      Genau so muss man wohl denken, um nicht zu verzweifeln und tatsächlich etwas zu bewirken :)! Danke dir!

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