valeriannala
meine Worte

Warum wir nie ständig immer sagen sollten

Irgendwo habe ich einmal gelesen man sollte im Umgang mit dem eigenen Partner Wörter wie „immer“, „ständig“ und „nie“ aus seinem Wortschatz streichen, weil sie in einer Diskussion oder einem Streit einfach nicht zielführend sind, sondern alles nur noch mehr emotional aufladen und für Spannungen sorgen. Schließlich würde ich mich auch vehement mit vielen ‚Abers‘ wehren, wenn mich jemand in die „Immer machst du…“-Schublade stecken würde. Mit „Nie bist du…“, „Ständig sagst du…“ fühlt man sich tatsächlich ziemlich vor den Kopf gestoßen und kontert dann möglicherweise mit einem genauso wenig konstruktiven „Immer beschwerst du dich, dass…“.

Ich ließ mir diesen Punkt länger durch den Kopf gehen, war auch der Meinung, dass so ein Verhalten ziemlich dumm ist und ich so bestimmt nie(!) handle. Tatsächlich aber habe ich mich dann kurze Zeit später dabei ertappt meinem Freund ein „Mensch, immer tust du…“ um die Ohren geworfen zu haben. Ich habe mir anschließend überlegt wie ich das denn wohl besser formulieren hätte können und habe bemerkt, wie schwer es tatsächlich ist, eine Meinungsverschiedenheit mit dem Partner auf einer rein sachlichen Ebene ohne verallgemeinernde Wörter wie „immer“, „nie“ etc. zu führen. Dann muss man nämlich plötzlich richtig nachdenken, kann sich nicht einfach ein paar Phrasen zurecht legen und diese à la „Friss oder stirb!“ dem anderen vor die Füße werfen, während dieser dann frisst und stirbt oder sich mit ebenso dummen Aussagen verteidigt. Eine Beziehung ist kein Kindergarten. Und auch wenn sie im besten Falle vorwiegend eine Bereicherung für das eigene Leben ist, einen glücklich macht, Leichtigkeit verleiht, so ist sie doch auch keine meiner Kakteen, welche nach einem halben Jahr ohne Wasser immer noch tapfer die Stellung halten.

Man muss investieren. Zeit, Aufmerksamkeit, Respekt. Und das nicht nur einmal alle paar Wochen, sondern tatsächlich jeden Tag. Denn kaum hört man auf sich gegenseitig wirklich wahrzunehmen und nicht einfach nur zu sehen, beginnt man sich zu verlieren, arbeitet nicht wirklich an den Problemen (weil es zu anstrengend ist), sondern bleibt lieber unzufrieden und gibt hin und wieder einmal tödliche „Nie bist du für mich da…“-ähnliche Sätze von sich. Viel wichtiger wäre es jedoch sich mit dem Ursprung des Problems du befassen. Warum denke ich das? Warum stört es mich? Macht er/sie das wirklich immer/nie oder empfinde ich das nur so und fühle mich dadurch angegriffen? Viel öfter liegt der Konflikt den wir mit unserem Partner haben nämlich tatsächlich nicht an ihm/ihr, sondern an uns selbst. Weil wir nicht damit klarkommen, weil es für uns nicht nachvollziehbar ist, weil es uns schwer fällt es zu verstehen oder wir zu unsicher, zu verletzt,… sind. Aus diesem Grund lohnt es sich zu versuchen diese bösen ISN-Sätze (=immer,ständig,nie), wie ich sie jetzt einfach nenne, weg zu lassen. Ebenfalls dieses DU, DU, DU zu begraben und aus der Ich-Perspektive zu schildern, warum man denn gerade so sauer ist und diesen Umstand so empfindet. Ein „Schau, es tut mir leid, aber ich bin gerade richtig schlecht gelaunt, weil heute schon den ganzen Tag alles schief gelaufen ist und ich jetzt einfach nur noch in Ruhe zu Hause fern sehen möchte.“ klingt doch gleich viel besser als ein „Immer willst du mich zu Sachen zwingen die ich nicht mag. Du bist einfach egoistisch, nur weil du da hin gehen willst, heißt das nicht das ich auch mit muss.“
Wenn wir schlecht gelaunt sind und generell unzufrieden kann es schnell sein, dass der Partner davon etwas abbekommt. Dass das bescheuert ist wissen wir alle. Denn dann sind auf einmal zwei scheiße drauf und nicht mehr nur einer. Darum ist es so unglaublich wichtig, dass man miteinander redet. Auch Metakommunikation führt.

„Wenn ich wieder einmal so eine unausstehliche Phase habe und du das Gefühl hast ich hasse dich, dann denk dir einfach ‚Die spinnt!‘ und ignoriers‘. Der Grund ist, dass ich dann mit mir selbst gerade ein Problem habe. Das ist dann meines, aber nicht deines. Nicht unseres!“

Was ich zusammenfassend sagen will?
1. Reden ist anstrengend -wenn man es richtig macht. Reden kann aber auch den Unterschied machen ob eine Beziehung funktioniert oder nicht und dabei ist es nicht nur wichtig das man redet, sondern auch vor allem wie man in einer Streitsituation redet. Sachlich, konkret, respektvoll und zielführend.
2. Emotionen beeinflussen uns oft darin wie wir reden. Wenn wir sauer, enttäuscht, traurig sind, sagen wir Dinge, die wir nicht so meinen. Hier hat der Satz „Es liegt nicht an dir, es liegt jetzt einfach nur an mir!“ tatsächlich auch einmal seine Berechtigung. Damit der andere weiß wo er steht, es nicht persönlich nimmt, sich nicht angegriffen fühlt und nicht auch noch emotional darauf einsteigt.

Man kann nicht immer einer Meinung sein, aber man kann sich ständig bemühen liebevoll und konstruktiv zu streiten, damit man nie das eigentlich Wichtige aus den Augen verliert:

You love him/her. 

VA

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6 Comments

  • Reply
    Rucia
    29. April 2015 at 19:51

    Wow! Echt toller Text. Da kommt man wirklich ins Nachdenken darüber, wie oft man doch Vorwürfe macht, ohne wirklich objektiv bleiben zu können. Der Kakteen-Beziehung-Vergleich gefällt mir ganz besonders gut 🙂 Und auch das Bild ist super schön!

  • Reply
    Veronika Krytzner
    30. April 2015 at 5:42

    Schöner Artikel! Es ist wichtig bei sich zu bleiben und zu schauen, was ist wirklich meines und hat gar nichts mit dem anderen zu tun. Das ist nicht immer leicht und erfordert, Ehrlichkeit mit sich selbst.

    Von Herzen liebe Grüße
    Veronika

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. April 2015 at 15:41

      Vollkommen richtig!
      Danke dir und auch liebe Grüße :)!

  • Reply
    März Mädchen
    30. April 2015 at 6:39

    Ein sehr schöner und so wahrer Text! Ich kenne das, ich bin unglaublich stur – leider. Aber ich arbeite an mir, wir arbeiten an uns. Wir haben uns geschworen, dass wir zuerst versuchen alles zu 'reparieren', bevor wir uns 'wegwerfen', wie es heutzutage doch leider häufig der Fall ist.

    Liebst ♥

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      30. April 2015 at 15:45

      Mehr kann man eh nicht tun, als sich vornehmen gemeinsam zu arbeiten, zu wachsen. Schließlich ist niemand perfekt.
      Sehr schön, dass ihr eine solche Einstellung dazu habt!
      Ich wünsche euch nur das Beste <3

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