valeriannala
meine Worte

Was bisher geschah

Tage vergehen schnell. Aber Tage vergehen nicht so schnell wie Wochen. Eine Woche wird schneller zu einem Monat als man glaubt und am allermeisten staunt man dann, wenn schon wieder ein Jahr vorbei ist.

Ich werde wieder bloggen. Das war ja der Plan. Fast ein Jahr lang habe ich es nicht getan. Was ist seitdem passiert? Oder holen wir ein wenig weiter aus: was ist in den letzten zwei Jahren passiert? Denn „Was willst du dann danach machen?“ ist schließlich eine der meist gehörten Fragen als StudentIn. Jeder will wissen was passiert, wenn ein junger Mensch sein Studium abschließt. „Danach“, das war bei mir im Oktober 2016. Fast genau zwei Jahre ist es also her, dass ich meine Masterprüfung in Psychologie abgelegt habe. Ich verließ diesen kleinen Raum weinend. Nicht weinend, weil es nicht gut gelaufen wäre. Sondern weinend, weil eine unglaublich große Last von meinen Schultern gefallen war. Erleichterung. Der ganze Druck, die ganze Lernerei, diese abscheuliche Masterarbeit, die ganzen bürokratischen Schikanen auf den letzten Metern -das alles fiel an diesem Tag endlich von mir ab.

„Wow, gratuliere. Aber wenn ich ehrlich bin, ich würde mich schon ein bisschen verloren fühlen, wenn ich jetzt schon ganz fertig  mit dem Studium wäre.“ – sagte mir einer. Aber in diesem Moment wollte ich mich noch nicht verloren fühlen. Ich fühlte mich erleichtert, ein wenig seltsam auch, das muss ich zugeben, aber in erster Linie erleichtert. 
Und außerdem ließ ein ganz besonderes Abenteuer nicht lange auf sich warten:  10 Wochen lang reiste ich durch Australien und Neuseeland. Es war der ideale Zeitpunkt dafür.


Nach 10 Wochen in australischen und neuseeländischen Airbnbs, nach einem angsteinflößenden Erdbeben und vielen wunderschönen und aufregenden Erlebnissen ging es dann wieder nach Hause. Und ich wollte noch nie so sehr nicht nach Hause wie damals. Ich wollte weiterreisen, noch viel weiter. Wollte noch mehr erleben, entdecken, erfahren. 

Zurück in Wien. Mitte Jänner 2017. Ich schloss in den darauffolgenden zwei Monaten das Propädeutikum für die Psychotherapie-Ausbildung ab. Kurz darauf fühlte ich mich dann tatsächlich so richtig verloren. 

„Und während ich feststelle, dass mein Netflix-Konsum nichts mit Faulheit zu tun hat und dieses ‚Ich bin halt grad nicht so gut drauf.‘ auch nur zur Selbstberuhigung dient, merke ich, dass ich Angst habe. Eine neue Angst. Die sich unglaublich langsam angeschlichen hat und mir erst jetzt mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. Eine Angst, die mich erst jetzt richtig zusammen brechen lässt. Die mir zeigt, dass diese Freiheit, die ich mir jahrelang herbei gesehnt hatte, gar nicht so furchtbar romantisch ist, wie ich mir das vorgestellt hatte.“

Aus „Wenn die Zukunft dunkel ist“


Dann saß ich eines abends auf der Couch vor meinem Laptop. Ein Geistesblitz. „Mama, wie ist es am Jakobsweg im Mai?“ schrieb ich ihr. Kurz darauf war auch schon der Flug gebucht und eineinhalb Wochen später saß ich alleine im Flieger nach León und ging über 300km vom Jakobsweg. Es war schmerzhaft, es war eine Konfrontation mit mir selbst und es war aber auch auf jeden Fall eines:

„Das hier, diese Reise, ist das Allerbeste, was du zum jetzigen Zeitpunkt machen hättest können!“

Gefunden war ich danach jedoch noch nicht. Aber immerhin einmal wachgerüttelt. 

Spontan ergab sich dann für mich ein richtig cooler Job. Ich durfte für CEWE Fotobuch in Zusammenarbeit mit Leica und Interrail einen Monat lang durch Europa reisen und dabei die besten Momente auf deren Blog und Instagramkanal festhalten. Das war im August.   
Ich war also wieder unterwegs, tankte neue Lebensfreude, fühlte mich so lebendig, so motiviert und inspiriert wie schon lange nicht mehr. Doch auch diese Reise ging zu Ende. Und ich kam zurück. Zurück in ein perfektes Chaos. Zurück zu einem Job, bei dem mich drei Mädls aus der Firma, noch bevor sie mich überhaupt kannten, behandelten als wäre ich ein Parasit. Die mir von Anfang an keine Chance gönnten und mir auf ihre passiv aggressive Art regelmäßig zu verstehen gaben, dass ich nicht erwünscht war. Ich würde dort nicht längerfristig bleiben, das war klar…
Zurück in eine wunderschöne, neue Wohnung, die ich mir mit meinem Exfreund und noch einem Freund teilte. Weil ich es im Frühling noch für eine gute Idee gehalten hatte und später dann keinen Ausweg mehr sah. Ich würde dort nicht längerfristig bleiben, das war klar…

„Alle Seiten sind leer und ich weiß nicht wie ich sie füllen soll. Ich sollte inspiriert sein. Mehr denn je. Weil mich die Inspiration gerade umhüllt, umgibt wie sonst selten. Aber irgendetwas saugt mich auf den Boden einer Realität zurück, die ich nicht mag. Aber welche Realität mag ich? Was fühlt sich leicht an? Wenn ich an meinen ‚Plan‘, diesen Realitätsboden denke, dann fühlt sich gar nichts leicht an. Heimkommen fühlt sich nicht leicht an. Einziehen fühlt sich nicht leicht an. Auspacken auch nicht. Das alte Leben wieder in neuen Wänden auspacken. Wozu?“ 

August 17

Ich wollte ursprünglich im Herbst dann den zweiten (und viel wichtigeren) Teil der Psychotherapie-Ausbildung beginnen. Stellte aber während den ersten zwei Wochenenden fest, dass ich es aktuell zu wenig wirklich wollte, um dafür irgendwie 30.000€ aufzutreiben (eine Bank ausrauben vielleicht?) und 4 Jahre intensiv Zeit zu investieren. Vielleicht irgendwann. Wer weiß. Der Traum von der eigenen Psychotherapie-Praxis wurde also vorerst einmal auf Eis gelegt.

Im November beschloss ich, dass es endlich an der Zeit war mir einen anderen Traum zu erfüllen: Ich wollte meinen ersten Roman schreiben und nahm deshalb am National Novel Writing Month teil. Sehr erfolgreich sogar. Ein Monat, in dem ich meinen vollen Fokus auf das Schreiben legte. Es fühlte sich gut und richtig an.

Anfang 2018 war es dann an der Zeit, dass ich mich nach einem anderen Job umsah. Wie gesagt, fühlte ich mich in dem aktuellen absolut nicht wohl, hatte außerdem zu wenig Stunden und eine Beschäftigung, die mich ziemlich unterforderte. Ich sah mich also um. Nach einem klassischen Vollzeitjob. Zum Überleben. Mieten zahlen sich nicht von selbst.
Ich fragte mich relativ bald, wie lange ich in einem bestimmten Job motiviert sein würde, wenn alleine schon die Stellenausschreibung verdammt einschläfernd klang. Fünf Jahre Studium, zwei Bachelorabschlüsse und ein Masterabschluss, etliche Praktika/Ausbildungen/Ferialjobs -all das für einen eintönigen Bürojob, der mich nichts außer müde macht und dabei noch nicht einmal gut bezahlt ist? Ich bekam Bauchweh, wenn ich nur daran dachte.

„Ein Ziehen. Es wird stärker. Es sagt Spürst du mich? Endlich doch? Ich sag Ich will nicht. Nicht Jetzt. Vielleicht später.
Es zieht weiter. Zieht zusammen. Reißt mich auseinander. Zieht alles wieder zurück.
Enger. Fester. Zu einem Knoten. Einem Schmerzknäuel. Leuchtend Rot und voller Fäden.
Mitten in mir. Mein Bauch. Mein Zentrum.“

Aus „Gar nichts. Außer“

Nachdem ich ein wenig halbherzig zumindest zwei Bewerbungen ausschickte, war es dann schlussendlich auch eine Bauchentscheidung, die darauf folgte. „Ich habe mich für einen anderen beruflichen Weg entschieden.“ tippte ich in die Mail an einen potentiellen neuen Arbeitgeber.


Im März 2018 haben mein Freund und ich uns mit einem 2-Personen-Unternehmen selbständig gemacht. Ein Sprung ins kalte Wasser und wir lernen immer noch zu schwimmen. Aber wir sind ein sehr gutes Team, das immer besser wird. Selbständig zu sein ist nicht einfach. Manchmal ist es sogar verdammt schwer und die Unsicherheiten können auch psychisch eine große Belastung sein. Aber was wir alleine schon in diesem halben Jahr gelernt haben ist unbezahlbar und vor allem hätte ich es mir nie verziehen, wenn ich es nicht zumindest versucht hätte. Einen „normalen Job“ kann ich, wenn alle Stricke reißen, immer noch annehmen. Bis dahin möchte ich jedoch alles versucht, von mir aus 1.000 Mal auf die Fresse gefallen und einmal mehr wieder aufgestanden sein. 

Was macht man danach? Nach dem Studium.
Den einen Weg gibt es nicht. Und meiner war/ist sicher nicht sonderlich üblich oder einfach. Aber es ist ja auch meiner. 
Es war nie langweilig. Es war immer abenteuerlich. 
Und obwohl ich mir manchmal ein bisschen weniger Unruhe wünsche, so darf es von mir aus doch gerne spannend bleiben.

VA

You Might Also Like...

No Comments

Leave a Reply

*