valeriannala
meine Worte

Alltagsworte zum Welttag der Poesie

Einundzwanzigster März. Tag der Poesie. Und ich bin inspirationslos. Begann gestern zu viele Sätze, die wieder beiseitegelegt wurden. Wollte bedeutsam schreiben. Konnte mich in nichts bedeutsam hinein fühlen.
Darum habe ich einen Versuch gestartet. Wollte etwas Neues ausprobieren.
Ich habe die ersten zehn „Sätze“, welche mir auf dem Weg zum Fitnesscenter zu Ohren gekommen sind aufgeschrieben. Ganz banale Sätze. Alltagssätze. Die ich von Menschen am Telefon oder in Gesprächen in der Straßenbahn und an der Haltestelle aufgeschnappt habe.
Zehn Sätze aus denen ich dann einen Text schreiben würde. Was gar nicht so einfach war. Weil man zuerst überhaupt einmal eine Geschichte in unzusammenhängenden Sätzen sehen muss. Weil man den Bogen spannen sollte. Weil man Sätze, die vielleicht absolut nicht poetisch oder schön klingen, passend einbetten muss.
Zuerst dachte ich mir, ich lass es doch lieber. Blöde Idee, viel zu einschränkend. Aber schließlich ist einer der Gründe warum ich diesen Blog habe, dass ich was mein Schreiben betrifft reifen möchte. Besser werden. Mich entfalten. Darum nahm ich die kleine Herausforderung an. Aus Alltagsworten einen Text, Gedicht oder wie auch immer man es nennen möchte zu zaubern. Nicht die schönste Poesie. Poesie aus Alltagsworten. Alltagspoesie. Und vielleicht ist es aus diesem Grund gerade auch wieder so passend. Weil das Schöne an Poesie ist, dass sie überall sein kann.

 

In deinen Augen die Poesie

Du rechts und ich links. Wir nebeneinander.
Du schweigst. Zuckst mit den Schultern.
Ein Blick nach oben. Den Kopf wieder gesenkt.
Öffnest die Lippen. Schließt sie wieder.
Schon alles gesagt und nichts gesprochen. Nonverbale Kommunikation.
Keine Worte sind deine Worte.

Du rechts und ich links. Wir nebeneinander.
Eine Parkbank im Dunkeln. Das Licht weit entfernt.
Hier waren wir oft. Hier schweben Erinnerungen wie graue Federn.
Wunderschön. Aber total ungemütlich.
Ungemütlich. Nicht die Parkbank. Das dazwischen.
Zwischen dem Rechts und dem Links. Dem Dir und dem Mir.

‚Ich mag das nicht mehr.‘, hör‘ ich mich sagen.
Schutzlose Worte in die Stille hinein.
Dein Kopfschütteln klingt nach ‚Oh really? Oh nice.‘
Really nice, denk‘ ich mir auch. Dass wir hier sitzen.
Ich. Mit meiner Unfähigkeit zu fühlen.
Du. Mit deiner Unfähigkeit Gefühltes zu sprechen.

‚Alles Roger?‘, frag ich. Will die Kälte durchbrechen.
Humor. Das war doch immer unsere Stärke.
Aber am Galgen zieht der wohl nicht. Zieht zu fest.
Nichts ist Roger. Zu viel Ernst. Aber ein bisschen komisch.
Ich blicke dich an und du schüttelst den Kopf.
Hebst deine Hand und lässt sie wieder fallen.

‚Und jetzt auf einmal nicht. Das versteh ich nicht.‘
Für dich jetzt auf einmal. Für mich schon viel zu lange.
Mit Abweichungen, aber trotzdem.
Ich frag mich ob du nie gesehen hast. Wie wir uns nicht gesehen haben.
Frag mich ob du nie gefühlt hast. Wie wir uns nicht berührt haben.
Frag mich ob du nie gesehen hast. Wie das Wir in jedem Tag versank.

Da ist noch so viel Liebe übrig. Der Tank noch lange nicht leer.
Und trotzdem fahren wir nicht mehr.
Sind stehn‘ geblieben. Still geblieben.
Vielleicht auch verfahren. Ich weiß es nicht mehr.
‚Gemeinsam sind wir stark.‘, war die Devise.
Nur leider sind wir nicht mehr so stark gemeinsam.

Du rechts und ich links. Wir nebeneinander.
Eine Parkbank im Dunkeln. Du schweigst.
Zwischen dem Dir und dem Mir. Nimmst du meine Hand.
Zerdrückst sie fast. Schaust mich an. Verzweifelt. Bittend.
Deine dunklen Augen, sie sprechen Gefühltes.
‚Das schaffen wir schon. Das schaffen wir schon.‘

VA

 

 

Die zehn aufgeschnappten Sätze/Phrasen waren:
Nonverbale Kommunikation.
Oh really? oh nice!
Ich mag das nicht mehr.
Wunderschön, aber total ungemütlich.
Alles Roger?
Und jetzt auf einmal nicht, das versteh ich nicht.
Mit Abweichungen, aber trotzdem.
Aber ein bisschen komisch.
Gemeinsam sind wir stark.
Das schaffen wir schon, das schaffen wir schon.

 

 

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2 Comments

  • Reply
    Kea
    21. März 2017 at 20:54

    Das ist wirklich schön geworden! Eine ganz wunderbare Idee – aufgeschnappte Alltagssätze können so inspirierend sein und die Poesie der kleinen Momente ist ein ganz besonderer Schatz, den du mit diesem Text ganz wunderbar gehoben hast! Liebe Grüße, Kea

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2017 at 21:05

      Vielen Dank, ich finde auch, dass die kleinen Dinge des Lebens oft die größte Inspirationsquelle sind 🙂

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