Valeria Anna Lampert | Autorin. Psychologin. Publizistin.
meine Worte

Wie geil muss mein Arsch sein?

Es ist schon eine Weile her.
Die Schlagzeile war: „Thigh Gap bekommen – wie du es schaffst!“
Oder so ähnlich…

Mein erster Gedanke: „Oh Mann. Ernsthaft? Was zur Hölle
haben sie sich denn jetzt schon wieder ausgedacht, damit sich Frauen schlecht fühlen können?“ Der einzige „Gap“ den ich bis dahin kannte
war ein Kleidungsgeschäft. Ach ja und „Please mind the gap“ war mir auch sehr
geläufig.
Thigh Gap also. 
Kurze Google-Recherche, Bilder angesehen, Ratschläge
durchgelesen und einmal mehr wurde mir bewusst, wie krank unsere Gesellschaft
tatsächlich ist. Sonst geht’s denen aber schon noch gut?! 
Das Einzige was man
mit der medialen Verbreitung eines solchen Hirngespinstes nämlich erreicht ist,
dass unzählige Mädchen sich vor den Spiegel stellen und möglicherweise meinen
etwas stimmt nicht mit ihrer Figur, wenn sie nicht Platz für einen Medizinball
zwischen ihren Beinen haben. Dass es für manche Frauen aus anatomischer Sicht gar
nicht erst möglich ist oder viele dieser „Motivationsbilder“ nichts mehr
mit gesund und sexy, sondern nur noch mit abgemagert zu tun haben, scheinen viele
dabei komplett auszublenden.

Es wird verglichen. Zwischen dem vermeintlichen
Ideal und sich selbst. Ob das jetzt die Augen, Nase, Brüste, Hintern, Beine
oder bei Männern der Bizeps und der Sixpack sind. Es werden Vergleiche mit
anderen gezogen, um sich selbst zu beurteilen. Oder doch eher um sich selbst
hinzurichten?  Damit man sich schön hassen kann. Denn wenn man nur gut genug sucht, findet man bestimmt an
jeder anderen Person etwas, um das man sie zutiefst beneidet. 
Aber das muss nicht einmal unbedingt „nur“ der Körper sein.
Hat
dieser eine ehemalige Schulkamarad etwa einen besseren Job als ich und noch
dazu eine hübschere Freundin? Verreist diese eine Studienkollegin an viel
coolere Orte und kann sich teurere Klamotten leisten? Ach ja und fährt der eine
Kumpel ein besseres Auto und die andere Freundin ist jünger aber hat schon den
längeren und spannenderen Lebenslauf?

Ganz nette Informationen, aber mal ehrlich: Was bringt’s tatsächlich
sich ständig auf andere zu fixieren, wenn man doch einfach einmal darauf achten
könnte, was man denn selbst so für Vorzüge hat? Warum wertvolle Ressourcen
dafür verschwenden im Groll oder der Bewunderung für andere zu leben, sich
dabei nur die Laune zu verkacken und zu verzweifeln, wenn man sich doch
eigentlich den ganzen Stress sparen könnte, um die Energien in sich selbst und
die eigene Entwicklung zu investieren? Manchmal wird man dann nämlich auch erstaunt
feststellen, dass man vieles von dem was als so wahnsinnig erstrebenswert gilt,
eigentlich selbst absolut nicht braucht, um glücklich zu sein. 
Wir setzen uns Maßstäbe,
die wir gar nicht erfüllen wollen. Nur weil sie uns irgendjemand vor
die Nase klatscht und uns mit erhobenem Zeigefinger predigt: „So hast du
gefälligst zu sein! Das hast du gefälligst zu haben!“. 
Aber was juckt’s dich,
wenn der eine Typ mit 25 schon Manager von einem großen Unternehmen ist, wenn dich selbst diese Branche doch einen Scheißdreck interessiert?! 
Warum solltest du größer sein wollen, wenn du es eigentlich ganz cool findest, eine kleine
Frau zu sein?! 
Warum brauchst du den ärgsten Bizeps, wenn du verdammt noch mal
einfach keinen Bock hast jeden Tag ins Fitness-Center zu rennen und du
eigentlich eh keine Arme haben willst, die einen halben Meter vom Körper entfernt hängen?! 
Vergleichen führt dazu, dass man meint Dinge wollen zu müssen, weil andere sie haben. Und weil andere sagen, dass
man sie haben muss. 
Vergleichen macht scheiß unglücklich und bringt gleichzeitig weder mir, noch dem anderen irgendetwas.
Ich kann sowieso nie genau das haben oder genau das machen, was der oder die eine hat/macht. Ich muss es auf meine Art tun. Ich muss auf meine Art sein. Auf meine Art das Beste aus dem machen was ich kann und bin.


Persönlichkeit beginnt da, wo der Vergleich aufhört.
-Karl Lagerfeld
VA

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26 Comments

  • Reply
    Kristina
    13. Juli 2015 at 15:14

    Schöner Text und sehr wahr…ich merke selbst häufig das Vergleichen nur zum Unglücklichsein führt, obwohl man gar keinen Grund dafür hat.
    Liebe Grüße Kristina
    http://thekontemporary.blogspot.com

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:24

      Dankeschön :).
      Ja genau, so ist es leider viel zu oft. Und trotzdem ertappt man sich immer wieder dabei. Ist nicht so leicht damit komplett aufzuhören…
      Liebe Grüße,
      Valeria

  • Reply
    Lotta Leben
    13. Juli 2015 at 16:46

    Toller Beitrag, mehr hab ich dazu gar nicht zu sagen, absolut auf den Punkt! 🙂

  • Reply
    März Mädchen
    13. Juli 2015 at 17:27

    Ein wunderbarer Text. Ich bin immer selbst wütend auf mich, wenn ich mich wieder dabei ertappe, kritisch vor dem Spiegel zu stehen. Es ist schwer, sich selbst zu akzeptieren. Und noch schwerer wird es, wenn man so idiotische Ideale vorgestellt bekommt. Seit Neuestem ist man schlank, wenn man seinen Arm um den Rücken legt und seinen Bauchnabel trotzdem berühren kann! Verrückt!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:29

      Vielen Dank 🙂

      Hast du das jetzt grad erfunden oder ist das tatsächlich einer dieser "neuen Maßstäbe" :D? Wär ja komplett bescheuert!! Als nächstes ist man schlank, wenn man auf einem Bein stehend die Zunge bis zur Nase bekommt und währenddessen die Nationalhymne singt ;).

  • Reply
    Corinna
    13. Juli 2015 at 20:05

    Danke, Danke, Danke für deine Worte. Du hast es genau auf den Punkt gebracht. Besser hätte man das nicht sagen können! Wen zum Teufel interessierts wie erfolgreich und schön andere sind? Es kommt in deinem Leben immer nur auf dich an. Man kann verschiedene Leben nicht vergleichen. Jeder hat andere Interessen, Talente und Ziele.

    LG Corinna (yogiinside.at)

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:31

      Gerne 🙂
      Genau so sehe ich das auch 🙂

  • Reply
    Anonym
    14. Juli 2015 at 0:56

    Comparision is the thief of joy.

  • Reply
    Maribel
    14. Juli 2015 at 9:21

    Ich finde das teilweise auch einfach nur krank, was da abgeht. Der Schritt, den die Franzosen da gehen mit einem Mindestgewicht finde ich überhaupt nicht schlecht. Ob sich das wirklich so durchsetzt und ob es andere Länder bald mal nachmachen, bleibt abzuwarten, aber mir geht dieser ständige Schlankheits- und Schönheitswahn auch mächtig auf die Eierstöcke. Wieso kann man nicht einfach zufrieden sein mit sich, so wie man ist. Es wird immer ganz natürlich bleiben, dass mann hier und da ein bisschen abspecken, mehr Sport machen oder vielleicht sogar zunehmen will, aber das sollte sich irgendwie alles in moderaten Grenten bewegen. Kanns nicht anders sagen, wie auch schon die Herrschafften über mir: du sprichst mir aus der Seele, Schwester!! ♥

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:34

      "Mächtig auf die Eierstöcke" triffts gut :D.
      Ja genau! Ich will auch auf meine Figur und mein Äußeres achten, will fit sein und Sport machen, aber dabei vollkommen zu übertreiben oder sich ständig an kranken Idealen festzuhalten ist einfach nicht gut.
      Danke, Schwester <3 😉

  • Reply
    hello-mrs-eve
    14. Juli 2015 at 9:30

    Danke! Kann man gar nicht oft genug sagen!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:31

      Gerne 🙂 Und danke auch dir für deinen Kommentar 🙂

  • Reply
    Anonym
    14. Juli 2015 at 11:54

    Ja, eh. Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube. Hängt vielleicht mit der Bilderflut einer – zugegebenermassen sehr adretten jungen Dame – zusammen, deren Subtext wohl lauten soll "Bestätige mich" (habe ich hiermit getan). Dass natürlich besagte Lifestyle/Travel/IrgendwasmitGirlie-Blogs recht wesentlich zu dieser Affirmationshyperbel beitragen, könntest Du gelegentlich auch mal thematisieren. Gibt ja sonst nicht wenige Themen, über die man sich der Inszenierung des Ichs nähern könnte.
    Keep going.
    – Marko

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      14. Juli 2015 at 12:42

      Yes, endlich einer dieser Kommentare, welcher mir bestätigt, dass den Artikel ausreichend viele Menschen gelesen haben, um auch solche frustrierten Wesen anzulocken, welche meinen es wäre cool mit irgendeiner Aneinanderreihung von hochtrabenden Aussagen ihre bescheidene Meinung kundzutun. Du hättest auch einfach sagen können: "Ich find dich geil und darum kauf ich dir nicht ab, dass deine Botschaft authentisch ist." Oder so…
      Bei 4 Fotos von einer Bilderflut zu sprechen ist übrigens eine maßlose Übertreibung und ja ich mag es gerne, wenn mir mein Freund sagt wie schön er mich findet, aber das letzte Mal, dass ich diesbezüglich Bestätigung von anderen nötig hatte war ungefähr mit 16. Ist dir vielleicht aufgefallen, dass hier niemand (außer dir) die Bilder oder mein Aussehen thematisiert? Warum wohl? Vielleicht weil jeder (außer dir) gecheckt hat, dass es mir in allererster Linie ums Schreiben und die Verbreitung von mir wichtigen Botschaften geht. Die Bilder sind ein ästhetischer Zusatz und du wirst es nicht glauben, aber es gibt sehr viele Menschen, die nicht gerne reine Textwürste lesen.
      Und ja tatsächlich, viele Blogs tragen zu dieser "Affirmationshyperbel" bei, was genau der Grund ist warum ich will, dass dies meiner so gut es geht nicht tut. Vielleicht werde ich dies sogar tatsächlich einmal so thematisieren – kann gut sein. Vielleicht machst es auch du und schickst es mir dann. Aber bitte dann so schreiben, dass es auch wirklich Sinn macht und du dich nicht hinter diesen furchtbar geistreich-arroganten Formulierungen versteckst – ist nicht so sympathisch und zeugt entgegen der weitverbreiteten Meinung auch nicht zwingend von Talent oder Intelligenz :).

      Don't keep going.
      – VA

  • Reply
    Tinten Hexe
    14. Juli 2015 at 13:51

    Supertoller Beitrag! Ich denke du machst damit vielen Mädels Mut, einfach sie selber zu sein!

  • Reply
    Maike Grunwald
    15. Juli 2015 at 10:52

    Ganz genau. Schön und beruhigend, dass es auch mal in Mode-/Lifestyleblogs gesagt wird, die leider sonst so oft genau solchen "Gap"-Quatsch unreflektiert verbreiten! Diese Erfindungen der Mode- und Fitnessindustrie sind natürlich zynische Marketing-Maßnahmen. Je hässlicher man/faru/mädel sich fühlt, desto mehr will man er/sie/es investieren. Wenn sich alle schön fänden, wäre diese Industrie am Ende.

  • Reply
    Winfried Wengenroth
    16. Juli 2015 at 7:41

    Ein wirklich gelungener Text. Ich finde es auch erschreckend, was für ein Bild von jungen Frauen verbreitet wird. Ich hoffe, wenn meine Töchter in dem Alter sind, die Wahnsinn schon wieder ein Ende hat.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      25. Juli 2015 at 22:02

      Vielen Dank!
      Es wäre auf jeden Fall schön und auch unglaublich wichtig, wenn sich in dieser Hinsicht etwas verbessern würde und ich hoffe, dass mehr und mehr Menschen checken, dass es so nicht weitergehen kann. Das kann man sich für alle heranwachsenden Mädchen wirklich nur wünschen!

  • Reply
    Birte S
    19. September 2015 at 19:27

    Ui da habe ich doch grad mal einen Blog gefunden, bei dem ich auch wirklich gern die Texte lese und nicht nur überfliege 🙂
    Du sprichst mir und hoffentlich vielen anderen Frauen mit gesundem Körperbewusstsein aus der Seele! Ich hoffe, es wird nicht noch mehr solche Körper-Trends geben. Schlimm genug

    Viele Grüße und mach weiter so. Toller Schreibstil!
    Birte
    http://show-me-your-closet.de/

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      21. September 2015 at 18:32

      Solche Komplimente höre/lese ich immer besonders gerne, vielen Dank :)!

      Ja, langsam reichts tatsächlich mit diesen Komplexen, die jedem bzw. jeder von allen Seiten her eingeredet werden!

      Liebe Grüße,
      VA

  • Reply
    Linda W.
    21. Februar 2016 at 14:37

    Was für ein toller Text. Ich vergleiche mich auch viel zu oft mit schöneren Mädchen, gerade auch was Figur betrifft. Und es macht einfach total unglücklich, ich merke es selber immer wieder.
    "Don't compare yourself to other." Leichter gesagt als getan. :/

    Freue mich über Gegenbesuch oder neue Leser.
    Liebe Grüße,
    Linda
    http://www.satine-blog.de/

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      22. Februar 2016 at 21:41

      Dankeschön :)!
      Ja, leider bringt es außer dem Unglücklichsein nicht wirklich viel :/ Weshalb es wichtig ist, dass man das irgendwie hin bekommt, oder zumindest versucht -auch wenn es extrem schwer ist!

      Liebe Grüße,
      VA

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