valeriannala
meine Worte

Wie viel (Anti) Social Media brauchen wir?

Irgendwie muss das wohl in der Natur der Menschen liegen. Dieses ständig darüber Bescheid wissen wollen, was in den Leben von anderen Leuten passiert, mit denen wir doch eigentlich nicht wirklich viel am Hut haben. Die wir zum Teil nicht einmal mögen. Es wird eine gewisse Neugier gestillt und die meisten kennen dieses befriedigende Gefühl, wenn man andere mit Klatsch und Tratsch überraschen kann oder selbst damit versorgt wird. Und spätestens seit Facebook haben wir die Gelegenheit schlechthin präsentiert bekommen, um so gut wie alles über unsere „Freunde“ herauszufinden.
Eine Plattform, auf der man Einblicke in das Leben anderer bekommt und sein eigenes darstellen kann. Als ich 2008 meinen Account erstellt habe, hat noch jeder jeden Pups veröffentlicht und ich bin froh, dass es inzwischen -größtenteils- nicht mehr so ist. Ich hatte ein paar wenige Freunde, die auf Facebook verzichteten und nicht selten war der Grund: „Was interessiert es mich, dass mir alle vorgaukeln können wie toll ihr Leben ist, nur damit ich meines beginne zu hassen?“ Und das kommt nicht von ungefähr. Denn genauso wie es einer Medienkompetenz bedarf, um mit der Flut der Nachrichten umzugehen, wurde zu diesem Zeitpunkt eine Social Media Kompetenz wohl unerlässlich – und ist es immer noch. Denn dass nicht jede Beziehung, die mit 1000 Knutschfotos und 100.000 Herz-Kommentaren inklusive ’nwly‘ dokumentiert wurde, ewig hält, dass die Wenigsten live so (gut) aussehen wie auf ihrem Profilfoto oder dass zu viel Inszenierung manchmal auch nur ein stummer Schrei nach Liebe ist, mussten wir damals erst lernen.

Und noch heute gibt es immer wieder Debatten darüber. Denn inzwischen haben sich ja auch noch die Blogs und Instagram-Accounts dieser Welt in unser Leben geschlichen. Und man mag von diesen Feeds, die steriler sind als eine Intensivstation, halten was man will – sie haben oft eine nicht zu unterschätzende Macht. Ob man es nun Inspiration oder Manipulation nennen mag sei dahin gestellt.
Und jetzt gibt es Snapchat. Bzw. gab es das schon lange, aber wie aus dem Nichts wird es plötzlich gehypet und es scheint auf einmal unglaublich wichtig zu sein, dass alle es haben.

„Ich war zuerst dagegen, aber jetzt bin ich voll süchtig danach.“, lese ich überall und denke mir: Naja toll, will ich schon wieder nach etwas süchtig sein? Schon wieder von etwas abhängig? Mir reicht schon meine Schokoladen-Sucht und dass ich bei Serien selten dann aufhören kann, wann ich wirklich will. Aber am meisten ärgere ich mich über mich selbst, wenn ich wieder einmal kostbare Zeit auf Facebook verplempere und mir plötzlich nach 20 Minuten denke: „Was genau wollte ich noch einmal nachsehen?“. Zu 90% kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern und zu 99% war es auch komplett unwichtig.

Aber kommen wir zurück zu Snapchat. Mit dieser App können uns also Blogger, Stars, aber auch einfach „nur“ die Nachbarn überall hin „mitnehmen“ -wie es so schön heißt. Und auch ich selbst kann jeden Schritt den ich mache sofort mit allen teilen, wobei die Perfektion, die auf Instagram so gefeiert wird, nicht mehr eine ganz so große Rolle spielt und man die Sache daher viel entspannter angehen kann.

„Komm schon, das brauchst du auch!“
Und ich überlege einen kurzen Moment.
Brauche ich tatsächlich noch ein Medium, durch welches ich meinen eh schon ausgiebigen Handy Konsum noch mehr steigere? Welches mich vergessen lässt, dass Schlaf unglaublich wichtig ist, die Welt um mich herum viel spannender ist als die hinterm Bildschirm und Gespräche mit Anwesenden wertvoller sind, als die Videos oder Bilder irgendeines entfernt Bekannten in meinem Smartphone.
Brauche ich es tatsächlich, noch mehr das Leben von irgendwelchen Menschen bis ins kleinste Detail zu kennen? Ist es nicht viel wichtiger, sich mehr auf das eigene zu konzentrieren?
Hier. Und jetzt. Und ganz real.
Brauche ich es, mich noch mehr mit anderen zu vergleichen? Mein Essen, meine Wohnung, meine Figur, meine Reisen, mein Lebensstil?

Ich glaube nicht. Ich glaube ich brauche nicht noch mehr davon.
Denn irgendwie muss ich irgendwo irgendwann für mich eine Grenze ziehen.
Ich will eigentlich nicht 100e Leben leben, sondern nur eines. Meins.
Und wenn ich schon manchmal mehr als mir eigentlich lieb ist über Facebook und Instagram mitbekomme, dann sollte ich eher daran arbeiten dies zu reduzieren und nicht in noch mehr Abhängigkeit investieren.

Nicht noch mehr Reize.
Nicht noch mehr erfahren was andere machen.
Nicht noch mehr anti-social Social Media.

VA

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12 Comments

  • Reply
    makati
    21. März 2016 at 18:31

    Das spricht genau all das an, was mir durch den Kopf geht, wenn mir mal wieder jemand ganz dringend WhatsApp empfehlen will…

  • Reply
    Kristina
    22. März 2016 at 0:48

    Wow du sprichst mir aus der Seele…ich frage mich manchmal, ob der Tag anderer Leute mehr Stunden hat als meiner. Wenn man auf allen Social Media Kanälen aktiv sein will, schafft man ja nichts mehr 😀 Habe mich aus diesem Grund auch gegen Snapchat entschieden.
    Liebe Grüße ♡ Kristina
    TheKontemporary

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2016 at 10:15

      Haha, genau das denke ich mir auch oft! Es fällt mir meistens schon schwer jeden Tag etwas auf Instagram und meiner Facebook-Seite zu posten, obwohl das ja "empfohlen" wird ;).

  • Reply
    Sabine
    22. März 2016 at 8:33

    Ich kann deine Einstellung sehr gut nachvollziehen und stimme dir auch voll zu, möchte nur eins hinzufügen: Was mir an Snapchat gefällt, ist, dass es eben mit diesem Sterilen bricht. Ja, es ist noch ein Medium, ja, man kann davor sicherlich Zeit vergeuden. Aber ich finde das Konzept an sich geht in die richtige Richtung. Natürlich kann man immernoch filtern und nur die schönen Sachen zeigen, klar, aber ich folge am liebsten den Bloggern, die sich jetzt auch mal ungeschminkt zeigen oder wirklich persönliche Meinungen noch kurz zerzaust aus dem Bett in die Welt tragen, ohne fünf Mal zu editieren.

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2016 at 10:20

      Ich habe es zwar noch nie selbst verwendet, aber finde natürlich auch super, dass hier scheinbar Authentizität eine größere Rolle spielt. Nur -soweit ich aus Erzählungen weiß- posten die meisten ja auf Snapchat doch häufiger als z.B. auf Instagram oder Facebook. Was mir dann einfach zu viel werden würde. Aber ich habe da vielleicht auch prinzipiell eine andere Einstellung, weil ich nicht so der Typ bin, der "Fan" von anderen BloggerInnen oder irgendwelchen Stars ist und da wirklich alles mitbekommen will was die machen.

  • Reply
    hello-mrs-eve
    22. März 2016 at 10:45

    Ein ganz wunderbarer Beitrag, bei dem ich nur heftig nicken kann! Ich habe aus Überzeugung kein facebook auf dem Handy und überlege in letzter Zeit sogar manchmal, meinen Blog-Instagram-Account zu löschen und mich einfach nur aufs schlichte Bloggen und mit fb auf EINEN Social Media Kanal zu konzentrieren. Aber so ganz durchringen kann ich mich noch nicht. Snapchat werde ich sicher nicht nutzen und ich bin genau wie du froh, wenn es mir gelingt, meine Zeit im Netz zu begrenzen, statt sie immer weiter auszudehnen, bis das gefühlt das ganze Leben online ist. So – und nun, mal so ganz paradox, teile ich diesen tollen Beitrag auf Facebook 😉 Liebe Grüße! Kea

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2016 at 10:25

      Vielen lieben Dank! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt und danke auch noch fürs Teilen :)!
      Ja ich wollte sogar schon öfters so weit gehen meinen Facebook Account ganz zu löschen. Aber leider läuft ja sehr viel von der Uni doch über Facebook und auch mit einem Blog kann man zwar, aber sollte man wohl nicht darauf verzichten. Es bleibt uns also nur übrig, einfach wirklich bewusst damit umzugehen!
      Liebe Grüße zurück!

  • Reply
    Melli
    22. März 2016 at 20:02

    ich kann mit snapchat auch nicht viel anfangen, privat kenne ich eh niemanden der es nutzt und für meinen Blog ist es mir auch zu viel arbeit und zu viel Einblick in mein Privatleben. Was mich außerdem stört, ist dass die Inhalte einfach im nichts verschwinden. Ungestellte Sachen kann ich auch auf Instagram teilen, nur weil andere einen durchgestylten feed haben muss das bei mir ja nicht so sein
    lg

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2016 at 10:26

      Richtig, da bin ich ganz deiner Meinung!

  • Reply
    Amy
    23. März 2016 at 9:44

    Ein sehr schöner Blog, deine Fotos gefallen mir auch sehr!
    Weiter so 🙂

    Liebe Grüße
    A NICE AMY

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. März 2016 at 10:26

      Vielen lieben Dank – freut mich sehr :)!

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