valeriannala
meine Worte

Woche 1: Über die Selbstständigkeit

Nein, es ist nicht Woche 1. Zumindest nicht nach Kalenderwochen. Aber ich dachte mir, warum sollte die vierte Woche nicht auch eine ‚Woche 1‘ sein können. Woche 1 also. Von keine Ahnung wie vielen. Ich widme sie der Selbstständigkeit. Weil es ziemlich naheliegend ist und das Naheliegende mir ein guter Start zu sein scheint.

Seit März 2018 bin ich nun, gemeinsam mit meinem Freund, selbstständig und das ist tatsächlich schon bald ein Jahr her. Meine Uroma versucht immer noch bei jedem Telefonat zu verstehen was ich denn eigentlich genau mache und meine Verwandten haben mich zu Weihnachten mit „Ah, die Bloggerin.“ angesprochen -wobei mein Blog absolut nichts mit meiner Selbstständigkeit zu tun hat. Die Verwirrung um meinen Broterwerb ist also groß.

Es hat sich viel getan, in diesem Jahr, das noch kein ganzes Jahr ist. Aber vor einem Jahr waren zumindest bereits die Gedanken da und es wurde immer konkreter. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass es ein Sprung ins kalte Wasser war und kein Ausdruck könnte passender sein. Um ehrlich zu sein hatten wir keine Ahnung, wie man eine Firma gründet. Keine Ahnung, wie man an KundInnen kommt, wie man einen Kostenvoranschlag stellt, welche Preisgestaltung in der Branche üblich ist etc. Wir hatten keine Ahnung. Das Einzige, das irgendwie immer da war, war das Urvertrauen, dass es die richtige Entscheidung ist. Dass es funktionieren würde. Funktionieren muss.

Es war am Anfang nicht nur deshalb nicht einfach, weil wir keine Ahnung hatten, sondern weil es logischerweise viele Zweifler gab und immer noch gibt. Offensichtliche, aber auch solche, die nicken und lächeln und „Oh, cool!“ sagen, aber mit den Augen etwas ganz anderes ausstrahlen. Besonders wenn man gerade erst startet, ist es schwierig so etwas nicht an sich heranzulassen. Auf der anderen Seite motiviert es mich jedes Mal nur noch mehr, wenn ich merke, dass jemand mich/uns gerne scheitern sehen würde.

Die Uroma, die will mich alles andere als scheitern sehen. Aber sie hätte halt schon gerne, dass ich einen Job habe, den sie versteht. Am liebsten wäre es ihr, ich würde ihr aus dem ZIB Studio entgegen lächeln. Denn wozu die ganze Studiererei über Jahre hinweg im fernen Wien, wenn ich dann schlussendlich doch keinen „anständigen“ Job mache? Wenn ich dann kein regelmäßiges und gesichertes Einkommen habe? Gute Frage.

Ich war schon immer ehrgeizig und schon immer war mir eine Karriere verdammt wichtig. Ich wollte seit ich mich erinnern kann irgendwann einmal „mehr“ sein. Erfolgreich sein. Gutes Geld verdienen. Etwas zu sagen haben.
Ich hatte auch damals schon dieses Urvertrauen, dass es irgendwann einmal so sein würde.

Nun habe ich unter anderem auch schon den Satz vernommen: „Du warst immer so auf Karriere aus und jetzt…“. Ja, und jetzt bin ich das immer noch, aber mein Verständnis von Karriere hat sich ein wenig verändert. Ich habe damals die Komponente nicht berücksichtigt, dass ich MEINE Karriere machen möchte. Und nicht eine Karriere in einem großen Unternehmen für jemand anderen.

Für mich als durchaus ungeduldigen Menschen war es gar nicht so einfach noch einmal von Null anzufangen. Man stellt sich immer vor, dass es nach dem Studium gleich so richtig losgeht. Mit dem Geld und dem Erfolg. Macht man sich nach der Studienzeit jedoch mehr oder weniger direkt selbstständig, vollkommen ohne irgendwelche Sicherheiten und Garantien, dann fängt man eben bei Null an. Null Geld und Null Erfolg quasi. Wahrscheinlich war es gut, dass ich/wir uns im Vorfeld gar nicht allzu viele Gedanken über Risiken gemacht haben. Im Prinzip war das größte Risiko auch „nur“, dass uns irgendwann das Geld ausgeht und wir doch noch einen „normalen Job“ annehmen müssen. Es gibt Schlimmeres.

Am Anfang war also großes Vertrauen und ein bisschen Mut. Seit dem ist viel passiert. Wir haben viel unbezahlt gearbeitet, wir haben viel unterbezahlt gearbeitet. Wir haben gelernt, dass viele Menschen in der Berufswelt nicht so zuverlässig, kommunikationsfähig und kompetent sind, wie man sich das vielleicht erwartet, erhofft und vor allem wünscht. Wir haben gelernt geduldig zu sein und dass ein „Ja super, das machen wir und am besten sofort!“ noch lange nicht heißt, dass auch tatsächlich ein Auftrag zustande kommt. Wir haben gelernt, dass manche Menschen meinen, sie könnten mit JungunternehmerInnen machen was sie wollen und wir haben gelernt Nein zu sagen.
Wir haben spannende Menschen kennengelernt, wir haben schöne Projekte umgesetzt und viel Lob erhalten. Wir lernen zu verhandeln, zu verkaufen, selbstbewusst zu sein. Es öffnen sich großartige Chancen und wir nutzen sie. Dazwischen immer wieder Geduld. Geduld. Bringt hoffentlich mehr als nur Rosen.

Das letzte Jahr war nicht einfach. Es bedeutete für mich in vielerlei Hinsicht Kompromisse einzugehen. Die Optimal-Lösung für das „größere Ziel“ aufzugeben. Gewisse Dinge On-Hold zu stellen, damit es für uns weitergehen kann. Es bedeutete, sich beinahe täglich mit den eigenen Selbstzweifeln auseinanderzusetzen. Und mit denen des Partners. Es bedeutete, sich nicht von den Meinungen anderer beirren zu lassen und negative Meinungen auszublenden. Es bedeutete Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Es bedeutete in Tränen auszubrechen und sich dann wieder aufzuraffen. Humor wird ein guter Freund.

Das Gute, nein das Allerbeste, an der Selbstständigkeit ist aber, dass man weiß wofür man es macht. Dass man Freiheiten hat, wovon andere nur träumen können und dass die Möglichkeiten für die Zukunft unbegrenzt sind.

Und: Ich bin auf jeden einzelnen Euro in meiner Geldtasche stolz, weil ich weiß, was dahinter steckt. Wie viel Kraft, wie viel Mut, wie viel Glaube.
Vertrauen. Dass es gut ist. Und immer besser wird.

VA

 

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4 Comments

  • Reply
    Nete
    21. Januar 2019 at 20:35

    Immer wieder einfach nur schön zu lesen, was du schreibst!!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      23. Januar 2019 at 10:48

      Vielen Dank <3

  • Reply
    Manuela Suarez
    24. Januar 2019 at 16:39

    Was für inspirierende und hoffnungsvolle Worte. Worte die genau in meinen Lebensabschnitt passen. Danke!

    • Valeria Anna
      Reply
      Valeria Anna
      29. Januar 2019 at 11:17

      Das freut mich 🙂 Sehr gerne!

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