valeriannala
meine Worte

Woche 2: Über die Anderen

Ich würde ja gerne wissen wie sie aussehen. Ob sie schwarze Hüte tragen, oder pinke Kleider. Ob sie groß oder jung sind. Alt oder dick. Dünn oder wütend. Denn sie sind immer da. Aber meist nur dunkle Schatten. Schattierungen von Stimmen, Meinungen, Vorwürfen, Beschwerden, Anregungen, von destruktiver Kritik. So als wäre mein Gehirn ein Kontaktformular. Ohne Spam-Filter.

Ich würde ja echt gerne wissen wer sie sind. Die, wegen denen ich manchmal nicht schlafen kann. Weil sie sich in meinem Kopf im Kreis drehen, bis ihnen schlecht wird. Das Erbrochene lassen sie zurück.
Ich würde ja echt gerne wissen woher sie kommen, wie lange sie schon da sind. Wie sie zu mir gekommen sind. Vielleicht Mund-Propaganda.
Wer sind sie? Die Anderen? Wegen welchen ich gewisse Dinge nicht sagte, nicht machte, wartete.
Wer sind sie? Die Anderen? Die manchmal meine Gedanken leiten, meine Handlungen. Die mich in gewissen Situationen vorsichtig sein ließen. Und vernünftig.
Die Anderen, auf die ich Rücksicht genommen habe, ohne dass sie es bemerkten. Um die ich mir Sorgen gemacht habe, ohne dass sie es fühlten.
Und wer sind die Anderen, für die ich das Jetzt aufgegeben habe, nur um ihnen etwas zu beweisen?
Ich würde ja echt gerne wissen, wie sie mir so wichtig werden konnten, wenn ich sie doch gar nicht mag. Wenn ich sie nie gesehen habe. Nur die langen Schatten. Schattierungen von Ausrufezeichen. Fragezeichen.

Über die Anderen. Was soll ich über sie sagen? Ich weiß nicht wer sie sind. Wie sie aussehen. Woher sie kommen. Die Anderen. Sie sind die, die sich wie Blutegel an dir festsaugen. Sie sind die, die in den dunkelsten Ecken deines Kopfes sitzen. Feige, mit erhobenem Zeigefinger. Kennst du sie?

Ich habe ihnen Platz gemacht. Über die Jahre hinweg. Langsam, immer mehr Platz. Sie haben es sich bequem gemacht. Bei mir. In breiten Sesseln strecken sie ihre Beine aus. Sie tragen schwarze Hüte, pinke Kleider, sind groß, jung, alt, dick, dünn und wütend. Ihre Gesichter verschwimmen, aus vielen werden mehrere. Mehrere werden eins. Vielleicht ist es meins.

Die Anderen. Ein Konstrukt.
Ich habe ihre Sessel aus dem Fenster geschmissen. Ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen, damit sie sich nicht mehr im Kreis drehen können.
„Bei mir ist kein Platz“, propagiert mein Mund.

Ich würde ja gerne wissen, wohin sie gehen, wenn sie weg sind.

VA

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