valeriannala
meine Worte

Woche 3: Über das Jetzt

„Are you still breathing?“, fragt mich Eckhart Tolle. Zuerst denke ich mir „Naja, sonst wäre ich ja nicht mehr lebendig“ und merke dann aber im zweiten Moment wie wenig blöd die Frage eigentlich tatsächlich ist. Ich bin am Leben -das lässt sich kaum in Frage stellen. Aber wann ich zum letzten Mal darauf geachtet habe, ob ich tatsächlich noch atme, weiß ich nicht.
„Are you still breathing?“ und in diesem Moment richtet sich mein Bewusstsein ganz auf meine Atmung. Ja, ich atme noch. Und ja, zum ersten Mal seit langem merke ich das auch.

Ich beschäftige mich in letzter Zeit ein wenig intensiver mit dem Jetzt. Was an sich ja schon ziemlich absurd ist. Denn womit sollte man sich sonst beschäftigen? Je mehr ich mich mit dem Jetzt beschäftige, desto mehr merke ich aber, wie wenig ich mich mit dem Jetzt beschäftige.
Hinter „Im Jetzt leben“ steckt um einiges mehr als nur eine leere Phrase oder ein möchtegern-spirituelles Instagram-Zitat. Doch wenn man das eigene Verhalten im Alltag beobachtet, dann hat wenig davon mit dem Sein im Jetzt zu tun.
Der Großteil der Gedanken ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wann sind welche Termine? Wann werde ich das endlich machen? Ich könnte doch irgendwann einmal … Ich mache das, damit ich in Zukunft …

Wann genau ist eigentlich dieser Moment, auf den wir alle hinzuarbeiten scheinen? Wann?

Denn wenn man sich selbst und alle rundherum so beobachtet, dann wirkt es, als würden wir einem bestimmten Moment entgegenfiebern. Einem Moment, der nie einzutreten scheint. Der große Durchbruch. Der Kuss am Ende eines Liebesfilms, der signalisieren soll, dass das jetzt das Happy End ist. Dass alles gut ist. Wir rennen also tagtäglich diesem „Alles ist gut“-Moment hinterher. Alles ist gut, wenn ich die Matura habe. Alles ist gut, wenn ich mein Studium habe. Alles ist gut, wenn ich einen Job habe. Alles ist gut, wenn ich einen Mann habe, Kinder, ein Haus, diese Figur, dieses Auto … Was kommt als nächstes? Alles ist gut, wenn ich tot bin. Vielleicht?! Und die restliche Zeit, die man nicht mit dem Arbeiten für, oder dem Warten auf „Alles ist gut“ verbringt, die kann man dann noch nutzen, um verpassten Chancen nachzutrauern.

Ich habe so viele Gedanken. Ich habe viel zu viele Gedanken. Die Gedanken führen mich an die abstrusesten Orte. In die Zukunft, in die Vergangenheit, in Zeiten die nie sein werden und solche, die nie gewesen sind. Sie machen Druck, sie engen ein, sie limitieren, sie schwächen. Aber mit den Gedanken, mit denen kann man auch nicht ins Jetzt kommen. Mit dem Bewusstsein schon.

Ich beschäftige mich in letzter Zeit intensiver mit dem Jetzt. Und ich möchte das noch viel mehr tun. Denn zwischen all der Hektik, dem Stress (auch wenn er oft sehr positiv ist), zwischen all dem Chaos im Kopf, tut es gut sich manchmal die Frage zu stellen: Am I still breathing?
Um dann zu merken: Hey, ich atme. Alles ist gut.

VA

 

Empfehlung: Podcast von Oprah Winfrey im Gespräch mit Eckhart Tolle. Bin zwar erst bei Folge 2, aber es hat mir jetzt schon viele Gutes gegeben.

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